Rottenau l „Ich bin ein Kropftaubenfan“, begründet Reinhard Klinger schlicht seine Faszination. Schon sein Vater züchtete die Tiere, die sich durch ihr eindrucksvolles Blaswerk auszeichnen. Das Interesse sprang über und entwickelte sich mit der Zeit zu einer tiefen Leidenschaft. Schmunzelnd gesteht der 72-Jährige, ein „bisschen bekloppt“ zu sein. Ein wenig Verrücktheit braucht es, um einem solch ebenso aufwendigen wie verantwortungsvollen Hobby nachzugehen.

Zumal man nur Erfolg habe, wenn man über Jahre dabei bleibe, weiß der Rottenauer, der seit Kurzem dem Rassegeflügelzuchtverein Großbadegast im Kreisverband Anhalt-Bitterfeld angehört. Er selbst hat inzwischen unzählige Preise und Titel in seiner langen Züchterkarriere eingeheimst. All die glänzenden und gläsernen Pokale, die neben dutzenden Vasen, Tellern, Bechern und Bändern die Wände eines kleinen Kellerraumes zieren, erzählen davon.

Bestnoten sorgen für zahlreiche Preise

1972 fing Reinhard Klinger mit der Kropftaubenzucht an. Die Elster- und Steigerkröpfer gab der gelernte Maurer und Zimmermann jedoch rasch wieder ab und konzentrierte sich fortan auf den Norwichkröpfer, den so genannten „König der Kropftauben“. Bereits zwei Jahre später stellte er bei der traditionsreichen „Lipsia“-Schau in Leipzig ein Siegertier. Mittlerweile beteiligte sich der passionierte Züchter an vielen Ausstellungen, auf denen Wertungsrichter seine Tauben kritisch beäugten. 151 habe er bislang die Höchstnote „vorzüglich“, zieht er Bilanz.

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Ob auf regionaler oder internationaler Ebene – Reinhard Klinger gewann schon überall. Bis jetzt wurde er über 20 Mal Kreismeister, 18 Mal Deutscher Meister und viermal Bundessieger. Erst im November beteiligte sich der 72-Jährige an der Rassebezogenen Europaschau der Norwichkröpfer im österreichischen Wels, an dem Züchter aus vier Nationen 183 Tiere in elf der 15 anerkannten Farbenschlägen ausstellten.

Besonders stolz auf Siegerring

Reinhard Klinger schaffte mit seiner Kollektion die höchste Punktzahl von 386 und kehrte schließlich mit seinem vierten Europa-Meister-Titel wieder heim. Daneben gewann er mit einer blaugeherzten weiblichen Kropftaube zum sechsten Mal das Europa-Championat. „Von meinen 14 Tieren haben zwei ein ,vorzüglich’ erhalten und drei ein ,hervorragend‘“, blickt er zurück.

Ganz besonders stolz ist der Rottenauer übrigens auf den Goldenen Siegerring, dem wohl prestigeträchtigsten Preis in der Rassegeflügelzucht, der direkt über seinem Schreibtisch hängt. Seine Frau Rosita bekam ihn für rotfahle Norwichkröpfer, während er mit blaugeherzten Bronze holte. Doch er weiß ebenfalls: „Man kann nicht nur Erfolg haben, man muss auch Rückschläge hinnehmen.“

Derzeit versucht Reinhard Klinger, mit 15 Zuchtpaaren die modernen Standards zu erreichen. Heute sei eine höhere Standhöhe gefordert, daneben müssten die Tiere schmal in der Schulter sein und der Kropf kugelrund, erläutert er. Längst nicht jedes Küken wächst zu einem solch prachtvollen Norwichkröpfer heran, der von den Preisrichtern hohe Punkte erhält.

Hobby entwickelt sich zur Lebensaufgabe

Dennoch liebt der 72-Jährige sein Hobby, das längst zu einer Lebensaufgabe geworden ist, für die er sich von ganzem Herzen engagiert. So hatte Reinhard Klinger bereits verschiedenste Funktionen inne, war Zuchtwart, Obmann und Pressewart. Aktuell ist er zweiter Vorsitzender des Sondervereins der Norwichkröpfer, der knapp 50 Mitglieder zählt und das nicht nur aus Deutschland, sondern unter anderem ebenfalls aus Tschechien, der Slowakei und den Niederlanden. Entsprechend multikuturell sind die Kontakte, die Reinhard Klinger pflegt. Die Liebe zum „König der Kropftauben“ verbindet eben und das über Ländergrenzen hinweg.