Zerbst l „Wir vermitteln keine Hunde in Zwinger- oder Hofhaltung“, betont Diana Hofmann. Sie ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Zerbst, der das Tierheim oberhalb der Kiesgrube fast ausschließlich ehrenamtlich betreibt. Momentan sind die Kapazitäten der Einrichtung mehr als ausgelastet. Das resultiert nicht zuletzt aus der kürzlich erfolgten Befreiung von 21 Hunden – darunter fünf Welpen – aus einer verwahrlosten Wohnung in Zerbst, wo die Tiere unter katastrophalen Bedingungen gehalten wurden.

Manch Interessent abgewiesen

So haben alle Hunde im Tierheim ihre ganz persönliche, Charakter prägende Geschichte. Umso mehr sind die Vereinsmitglieder und Tierheimmitarbeiter daran interessiert, die Hunde, die als Fundtiere bei ihnen landen oder aus vielfältigen Gründen abgegeben werden, in liebevolle Hände zu vermitteln. Und da werden Interessenten eben genau angeschaut und mancher nach wenigen Fragen abgewiesen.

„Wenn jemand den Hund im Zwinger oder als Hofhund halten möchte, brauchen wir nicht weiter argumentieren“, sagt Diana Hofmann. Hunde seien äußerst soziale Tiere, weshalb die Vermittlung in den Familienverbund erfolge. „Das heißt, der Hund ist Familienmitglied und das sperrt man nicht aus“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Wichtig sei zudem, sich viel mit einem Hund zu beschäftigen – mindestens dreimal täglich.

„Wer dazu keine Zeit und Lust hat, braucht keinen Hund“, sagt die Tierliebhaberin. „Ein Hund muss körperlich und geistig ausgelastet werden“, betont sie. Tiere, die nur ihren Auslauf auf einem Hof haben oder ihre Tage im Zwinger verbringen, würden häufig bellen, weil sie sich dann auf ihre einzige Aufgabe konzentrieren: das Bewachen des Grundstücks.

Hund als Familienmitglied

„Wir hatten einen Schäferhund, der wurde eineinhalb Jahre nur an der Kette gehalten“, erzählt Diana Hofmann. Drei Jahre blieb Nikan im Tierheim, bis endlich ein neuer Besitzer gefunden war. „Er lebt nun bei einem älteren Herren im Haus“, berichtet die Vereinsvorsitzende und ergänzt: „Hunde wollen ihr Rudel.“ Deshalb vermittelt das Tierheim Hunde ausschließlich in Haus- und Wohnungshaltung.

Interessenten bittet Diana Hofmann, einen Termin zu vereinbaren, „um Zeit zu haben für ein ausführliches Gespräch“. In diesem werden zunächst grundlegende Fakten abgeklärt – zur Haltung des Hundes, den familiären und beruflichen Umständen usw.

Das sei unabdingbar, um alle Beteiligten vor negativen Folgen zu bewahren, bestätigt Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, in dem der Zerbster Tierschutzverein Mitglied ist. „In einem eingehenden Gespräch ist festzustellen, welches Tier für welchen Interessenten in Frage kommt und ob er die artgerechte Betreuung des Tieres sicherstellen kann“, sagt sie und weiß: „Es kann daher auch sein, dass gegebenenfalls Adoptionsgesuche abgelehnt werden, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen.“

Mitunter fällt jemand als Halter sofort durch und wird abgewiesen. Da kann durchaus ein Wort das andere ergeben und der Satz fallen: „Holen Sie sich doch einen Hund bei Ebay“, wie es eine Leserin empört der Volksstimme schilderte. „Das fand ich daneben“, ärgerte sie sich, keine Chance erhalten zu haben, sich einen Hund anzusehen.

Diana Hofmann weiß, dass der Online-Marktplatz Ebay keine Option ist. Sie erinnert sich ebenfalls an die Frau, die bereits einen neun Jahre alten Hund besitzt, der auf dem Hof Auslauf hat und sich nach einem neuen umschauen wollte. Zugleich hofft sie auf Verständnis für die Vermittlungskriterien des Tierheimes.

Eigentum des Tierheimes

Kommt jemand als Halter in Frage, „dann schauen wir, welcher Hund passen würde und gehen gemeinsam eine Runde, um zu sehen, ob es zwischen Mensch und Tier passt“, erläutert Diana Hofmann das weitere Vorgehen. Anschließend ist eine Selbstauskunft auszufüllen, bevor eine Vorkontrolle des neuen Zuhauses erfolgt. „Dann kommt der Tag des Auszuges.“ Das erste Jahr bleibt der Hund noch Eigentum des Tierheimes, das innerhalb dieser Zeit eine Nachkontrolle durchführt.