Zerbst l Nach der Übernahme des Zerbster Tierheimgeländes durch die Stadt herrscht deutliche Ernüchterung. Außer einigen Bodenplatten ist von den Hundezwingern und Katzenhäusern nicht mehr viel auf dem Areal unweit der Kiesgrube vorhanden. Geblieben sind die Container im Eingangsbereich, die einst von der Kommune finanziert wurden. Doch auch deren Zustand ist mittlerweile katastrophal, wie Nico Ruhmer, Amtsleiter für Zentrale Dienste, im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss schilderte.

Neben Ungeziefer und einem inzwischen herausgeholten Waschbär hatten sich Mäuse in jenem Containerbereich eingenistet, in dem sich neben dem Büro bislang ebenfalls ein Futterlager befand. „Wir haben zunächst einmal den Schädlingsbekämpfer hineingeschickt“, berichtete er. Nach der erneuten Besichtigung durch Verwaltungsmitarbeiter stellte sich heraus, dass die ältesten Bereiche der Anlage „total verseucht“ und „durchrostet“ sind, beschrieb es Ruhmer. „Die Container sind durch“, brachte er es auf den Punkt. Derzeit werde geprüft, ob sich eine Instandsetzung lohne oder eine Ersatzbeschaffung erforderlich sei, informierte der Amtsleiter die Ausschussmitglieder.

Geld für Neuerrichtung von Hundezwingern

Nachdem klar war, dass der Tierschutzverein, der das Tierheim seit 1992 betrieben hatte, bis auf die Containeranlage alle Bauten abreißen ließ, wurden seitens der Stadt neben den schon veranschlagten 96.000 Euro weitere 60.000 Euro in den Haushaltsentwurf für 2021 eingestellt. Das Geld soll in die Neuerrichtung von Hundezwingern, aber auch in die benötigte Quarantäne-Station fließen. Ohne diese wird es keine Betriebserlaubnis für das Tierheim geben, das die Stadt nun vorerst kommunal betreiben wird.

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„Das ist nur eine Übergangslösung“, erklärte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) nicht zum ersten Mal. Vielleicht gelinge es bereits dieses Jahr, einen neuen Trägerverein zu gründen, in dem die Stadt dann Sitz und Stimme haben soll. „Wir brauchen das Ehrenamt“, betonte der Rathauschef. Er freute sich, dass schon jetzt fast täglich Menschen anbieten, sich im Tierheim einbringen zu wollen.

Keine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden

Bauausschussvorsitzender Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) erkundigte sich, für welche Kapazität der Ausbau des Tierheims erfolgen soll. „Im jetzigen Katzencontainer ist Platz für 30 Tiere“, entgegnete Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella. Eine Erweiterung wäre vom Bedarf abhängig, sagte Dittmann. Für Hunde sei zunächst einmal keine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden, gab Kerstin Gudella zu bedenken. Wie sie berichtete, befindet sich derzeit ein Hund in Obhut der Stadt, der in einer privaten Hundepension untergebracht ist.

Silke Schmidt (SPD) wollte wissen, wie der Zeitplan ausschaue. „Wir brauchen verfügbare Mittel“, verwies Nico Ruhmer auf den noch ausstehenden Beschluss des Haushaltsplanes. Erst wenn der Etat genehmigt ist, kann mit dem Wiederaufbau des Tierheims begonnen werden.

Anderer Standort wäre Herausforderung

„Wurde über einen alternativen Standort nachgedacht?“, interessierte Christiane Schmidt (Bündnis 90 / Die Grünen). „Die räumliche Anforderung an ein Tierheim ist die Stadtrandlage“, verwies der Bürgermeister auf die Emissionen. Zumal die Fläche in der Biaser Straße den Vorteil habe, dass „sie uns gehört“. Ein anderes Areal könnte die Stadt vor planungsrechtliche Herausforderungen stellen.

„Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir bei Null anfangen müssen“, bemerkte Dittmann. Umso froher ist man in der Stadtverwaltung über jegliche Form der Unterstützung. So hat Sebastian Becker, Inhaber des Zerbster Edeka Centers, im Eingangsbereich des Einkaufsmarktes wieder die Futterspendenbox in Form einer Hundehütte aufstellen lassen. Neu ist das Schild, das auf die Stadt als Tierheimbetreiberin verweist. Die Aktion an sich gibt es schon länger, sie fortzuführen, war für Sebastian Becker selbstverständlich. „Eine gute Sache“, meinte er beim Pressetermin vor Ort.