Ronney l Die Biene gilt neben Rindern und Schweinen als drittwichtigstes Nutztier des Menschen. Mehr als 90 Prozent der Wild- und 75 Prozent der Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung der Insekten angewiesen. Würde dies nicht passieren, würden rund 60 Prozent der Produkte in den Lebensmittelmärkten wegfallen. Neben Obst und Gemüse sind davon auch Rasierschaum, Schokolade und Weingummi betroffen.

Bedrohte Tierart

Das Umweltzentrum Ronney stellt dieses Jahr die Biene im Besonderen die Wildbiene in den Mittelpunkt vieler Aktivitäten, weil das Bienensterben vor allem die vielen, unscheinbaren Wildbienenarten bedroht. „Lediglich 7,5 Prozent der über 585 Wildbienenarten in Deutschland sind bisher noch nicht gefährdet“, macht Marie Henke deutlich.

„Anders als die Honigbiene werden Wildbienen nicht von einem Imker umsorgt, der ihnen ein Zuhause gibt und sie mit Futter versorgt, falls es Engpässe gibt“, erklärt die Mitarbeiterin des Umweltzentrums den Unterschied. Wildbienen sind von Naturveränderungen, Lebensraumverlust, Futterknappheit und Pestiziden bedroht. Im Gegensatz zu den Honigbienen leben die meisten Wildbienen nicht in größeren Gemeinschaften, sondern als Einzelgänger. Ebenso wie die Honigbienen sind sie für die Bestäubung von Bäumen, Blumen und Nutzpflanzen zuständig. Erst in Zusammenarbeit werden die besten Bestäubungsleistungen erreicht.

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Blütenstaub als Nahrung

Etwa 30 Prozent der Wildbienenarten sind auf wenige Pflanzenarten spezialisiert und stehen mit diesen in einer Symbiose. Das bedeutet, dass die Pflanze der Wildbiene Nahrung liefert und die Pflanze wiederum von der Bestäubung durch diese Bienenart abhängig ist. „Verschwindet die Bienenart, so kann sich auch die Pflanze nicht weiter vermehren“, so Marie Henke. Solitär lebende Wildbienen entfernen sich bei ihrer Futtersuche nur 70 bis 500 Meter von ihrem Nest und nisten daher an Orten, die sowohl Nistmaterial als auch die richtige Nahrungsquelle bieten. Im Vergleich hierzu hat die Honigbiene einen deutlich größeren Aktionsradius von bis zu sieben Kilometern.

Blütenstaub und Nektar dienen der Honigbiene als Nahrung. Dabei wird der Nektar zu Honig verarbeitet und dient als Vorrat für den Winter. Die allein lebende Wildbiene stellt dagegen keinen Honig her. Sie verbraucht den Nektar direkt.

Kürzlich waren Eltern und Kinder im Umweltzentrum Ronney zu Gast, um Nisthilfen für Wildbienen zu bauen. Ein Insektenhotel aus dem Baumarkt tut es da nicht. „Die gleichen ehre einem Gruselkabinett“, sagt Marie Henke. Unsinnige Tannenzapfen hinterm Gitter oder unsauber gebohrte Löcher in Bambusstäben überleben die zarten Flügel nicht. Keine Biene würde dort einchecken.

Der Großteil der Wildbienen nistet im Boden, der Rest sucht sich Pflanzenhalme, Mauerritzen oder Fraßgänge von Käfern im Holz. Um Wildbienen zu beobachten, sind Nisthilfen eine geeignete Möglichkeit, empfiehlt Marie Henke. Man benötigt Bruträume mit geeignetem Durchmesser, Regenschutz, einen sonnigen Standort und geeignete Futterpflanzen in der Nähe. Unbehandeltes, trockenes Hartholz sollte verwendet werden, dann bleibt die Unterkunft besonders lange funktionsfähig. Die Löcher können einen Durchmesser von zwei bis neun mm haben und eine Tiefe von 10 Zentimetern.

Seminare finden statt

Auch mit Lehm oder Bambusstäbe sowie Holunderäste sind die Hotels gut ausgestattet, Splitter, Späne etc. sollten aber entfernt werden. Schilfhalme von heimischem, frischen Schilf - also unbehandelt – sind verwendbar. Aber auch hier gilt, zerfasern die Schilfstängel, verletzen die Bienen beim Hineinschlüpfen die Flügel. In den Hohlräumen trägt das weibliche Tier Pollen und Nektar als Futtervorrat ein und legt ein Ei. Danach wird die Kammer entweder durch Lehm oder Sandkörner verschlossen und es folgt die nächste Kammer. Die Teilnehmer des Seminars zum Nisthilfenbau konnten gleich mehrere verschiedene Hotelvarianten mit nach Hause nehmen.

Im Umweltzentrum finden dieses Jahr fünf öffentliche Veranstaltungen statt, um zu erfahren, wie jeder einfach Wildbienen schützen kann. Da stehen als nächstes noch der „Plan Bee für die Biene“ und die Veranstaltung für Kinder „More than honey – auf den Spuren der Biene“ an.

Um zu verstehen, warum die Bienen so wichtig sind, ist eine Sensibilisierung der Kinder notwendig. Genau da setzt das Umweltzentrum mit seinen Projekt an. „Über ihre Sinne nehmen die Kinder Kontakt zu den fliegenden Geschöpfen auf, erläuterte Marie Henke. Sie blicken hinter die Kulissen eines Bienenvolkes, nehmen am spannenden Leben der Bienen hautnah teil, kosten den frischen Honig und erfahren, warum und auf welche Weise wir die Biene schützen.“ Auf einer Wanderung durch den Garten des Umweltzentrums gibt es bienenfreundliche Pflanzen und Nisthilfen zu entdecken.

Kostenfreie Projekte bietet das Umweltzentrum auch an Grundschulen und in Kindergärten an, um über das Thema aufzuklären. Dieses Projekt dauert je nach Altersstufe zwischen 45 und 90 Minuten.