Zerbst l Tun wir es noch einmal oder nicht? Die Frage, ob das Zerbster Prozessionsspiel 2022 eine Neuauflage erleben soll, blieb lange offen, wird aber nun schon sehr bald entschieden. Die Diskussion darüber nimmt jetzt so richtig Fahrt auf. Am Dienstag sprach sich zumindest der Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss mit einer Nein-Stimme und einer Stimmenthaltung mehrheitlich für eine Fortsetzung des Prozessionsspiels im Jahr 2022 aus.

Zuvor hatte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) den Ausschussmitgliedern ein Exposé von Prof. Hans-Rüdiger Schwab zu dem Projekt vorgelegt und dies auch erläutert. „Es geht hier nicht um eine 1:1-Wiederholung der letzten Aufführung, sondern um eine Weiterentwicklung. So könnten nicht gezeigte Bilder eingefügt und bereits gezeigte Bilder in der Besetzung und der Inszenierung verändert werden“, führte Dittmann einleitend aus. Das Jahr 2022 würde sich auch deshalb anbieten, weil wahrscheinlich 1522 das Prozessionsspiel zum letzten Mal zur Aufführung kam und so ein 500-jähriges Jubiläum Wiederkehr ansteht.

Keine einfache Wiederholung

In dem Papier des künstlerischen Leiters von 2017, Hans-Rüdiger Schwab, heißt es: Die Wiederaufnahme des Projekts „Prozessionsspiel“ bedeutet nicht eine Wiederholung der erfolgreichen Inszenierung von 2017. So können manche Szenen durchaus anders dargestellt werden, auch durch Umbesetzungen.

„Denkbar ist ferner ein Austausch von Szenen. Was hier im einzelnen möglich und wünschenswert ist, wird sich im Laufe der Gespräche mit den Mitwirkenden zeigen“, so Hans-Rüdiger Schwab.

Die Veränderungen könnten durchaus als Zeichen für eine erwägenswerte Verstetigung dieser Form des Theaters kommuniziert werden. Zum Ort der Fortsetzung schreibt Schwab: Bei der Inszenierung von 2017 erwies sich der Markt mit dem Hintergrund der Nikolairuine als eindrucksvoller Schauplatz. Gleichwohl vermöchte ein Wechsel sicher neue Reize zu setzen.

Kommt das Schloss ins Spiel?

St. Nikolai selbst ist als Aufführungsort aufgrund der Ausmaße und der beengten Zugänge leider nicht geeignet. Hingegen käme vor dem Schloss der Bühnenaufbau durchaus in Frage. Hier böte sich zunächst ein Vorzug ideeller Art, insofern auf diese Weise zwei zentrale kulturelle und geschichtliche Erinnerungsanlässe der Stadt aufeinander bezogen wären.

Zerstörung und Verfall aller menschlichen Pracht, die sich im Zustand des Schlosses spiegeln, sind ja Schlüsselthemen des Prozessionsspiels. Als Einstimmungs- und Umkleidemöglichkeit der Mitwirkenden – Schauplatz der Erfahrung miteinander verbundener Gemeinschaft auch, wie sich bei letzten Mal eindrucksvoll gezeigt hat – wäre die Stadthalle gleich in der Nähe.

Der Spielort Schloss würde aber wohl auch logistische Vorteile bieten, bei der Platzierung von Rettungskräften und sanitären Anlagen oder dem Zugang zum Spielgelände. Der Sperrung von Durchgangsstraßen bedürfte es hier nicht.

Vorbereitung müsste bald beginnen

Zum Zeitplan schreibt der Regisseur: Beginn der für die Aufführung einzuleitenden Maßnahmen sollte bereits im Frühjahr 2020 sein wie Information über das Vorhaben, Kommunikation der Möglichkeit zur Teilnahme, Fundraising. Die Besetzung und der inhaltliche Zuschnitt der Szenen sollte im Frühjahr 2021 feststehen. Die Proben sollten im Sommer/Frühherbst 2021 beginnen.

Der Ausschussvorsitzende Bernd Adolph (CDU) sprach sich in der anschließenden Diskussion für eine Fortsetzung des Prozessionsspiels aus. „Auch der Spielort Schlossgarten würde im Gegensatz zum Markt einige Vorteile bringen.“ Ähnlich sah das auch Nicole Ifferth (Unabhängige Wahlergemeinschaft Zerbst, UWZ). Auch sie plädierte für eine Neuauflage mit Hans-Rüdiger Schwab als künstlerischen Leiter.

Prinzipiell ist auch Thomas Wenzel (Freie Fraktion Zerbst/FFZ) für eine Neuauflage des Prozessionsspiels, macht sich allerdings Sorgen um die Kosten. „Ich weiß nicht ob wir das mit dem Konsolidierungsprogramm in Einklang bringen können. Deshalb bin ich da sehr skeptisch in der Finanzierung dieses Projektes.“

Nachdem der Ausschuss mehrheitlich für eine Fortsetzung gestimmt hat, geht die Beschlussvorlage nun zur Anhörung in die Ortschaftsräte. Das letzte Wort hat dann in einer der nächsten Sitzungen der Stadtrat.