Zerbst l Meisen zwitschern, ein Buntspecht hämmert kraftvoll gegen einen Stamm und im Unterholz blühen die Maiglöckchen. Viele Zerbster zieht es regelmäßig in den Waldfrieden. Sie genießen die Naturidylle am Stadtrand und beobachten zugleich besorgt jede Baumfällung. Immer wieder wird Kritik laut, sobald die Motorsägen anrücken.

Der letzte größere Eingriff fand im Februar statt. Im Zuge der Verkehrssicherungspflicht erfolgte die Entnahme mehrerer Festmeter Holz. „Wir haben hier regelmäßig Abgänge zu verzeichnen“, begründete Revierförster Dietmar Schleth damals gegenüber der Volksstimme die notwendige Maßnahme.

Buchen sind 380 Jahre alt

Immerhin bis zu 380 Jahre alt sind die Buchen, die von ober her anfangen abzusterben und somit eine Gefahr für die vielen Spaziergänger darstellen. Hinzu kommt die anhaltende Trockenheit, unter der die Gehölze leiden.

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Für auffallende Lücken im Bestand sorgte darüber hinaus ein winziger Schädling: der Eichenprachtkäfer. Das wärme- und lichtliebende Insekt hatte mehrere Eichen auf der sonnigen Südostseite des Waldfriedens befallen. Eine nach der anderen stürzte kontrolliert zu Boden.

Seit 2008 keine Parkanlage mehr

Interessenten konnten sich nach Abschluss der Fällaktion Brennholz herausholen. Denn zu mehr taugen die Stämme nicht, fast jeder ist mit Granatsplittern durchsetzt, die vom Luftangriff auf Zerbst am Ende des Zweiten Weltkrieges zeugen. Einige Bäume und manch Geäst blieben allerdings auch liegen.

„So schlecht hat es noch nie ausgesehen“, beklagte sich Jürgen Hawick am Lesertelefon über den Zustand des Waldfriedens. „Liederlich“ sei dieser verlassen worden, berichtete der Zerbster und ärgerte sich über unberäumte Wege. Auch in der Stadtverwaltung trafen Beschwerden ein.

Arbeiten beginnen noch diese Woche

Als zuständige Amtsleiterin verabredete sich Heike Krüger mit Dietmar Schleth zu einem Vor-Ort-Termin, um sich ein persönliches Bild von der aktuellen Situation zu verschaffen. Gemeinsam mit dem Revierförster kam sie überein, dass die Wege und Lichtungen freigeräumt werden sollen. „Das ist jetzt beauftragt“, informierte Heike Krüger auf Volksstimme-Nachfrage. Auch die kaputten Bänke, bei denen schon die Nägel herausragen, würden entfernt. „Die Arbeiten beginnen noch in dieser Woche“, ergänzte sie.

Zugleich betonte die Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes erneut, dass es sich beim Waldfrieden längst nicht mehr um eine Parkanlage handelt und erinnerte an den entsprechenden Stadtratsbeschluss von 2008. Seither ist der früher als Friedrichsholz bekannte Hain ein reiner Wirtschaftswald, der zum kommunalen Stadtwald gehört – Windbruch durch Stürme hat hier wie in anderen Wäldern genauso deutliche Spuren hinterlassen wie die vergangenen zwei Dürrejahre.

Naturverjüngung statt Nachpflanzungen

Nachpflanzungen, nach denen sich Jürgen Hawick erkundigte, wird es im Waldfrieden jedoch nicht geben. Vielmehr wird auf eine natürliche Verjüngung des Bestandes gesetzt. So sind die sprießenden Jungbuchen nicht zuletzt Grund, weshalb „wir nicht mit schwerer Technik reinkönnen“, erläuterte Heike Krüger.

Mancher Stamm ist unterdessen immer noch farblich markiert. „Das ,H‘ weist auf Bruthöhlen hin. Diese Bäume fällen wir nicht“, erklärte die Amtsleiterin. Auf den Naturschutz werde bei jeder Maßnahme strikt geachtet. Übrigens ist der Waldfrieden nicht nur beliebter Nistplatz für verschiedenste Vogelarten. Auch Fledermäuse haben sich zwischen all den Buchen und Eichen einquartiert.

Bäume fallen im Herbst

Die nächste Fällaktion soll es dann im Herbst geben. Darauf weisen bereits jetzt die Großbuchstaben „VS“ hin, die auf einzelne Bäume gesprüht sind und für „Verkehrssicherungspflicht“ stehen.