Zerbst l Punkt 11 Uhr werden heute in ganz Deutschland die Sirenen heulen. Erstmals seit der Wiedervereinigung findet ein bundesweiter Warntag statt. Auch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld beteiligt sich an der Aktion, mit der die Bevölkerung für die Bedeutung von Signalen in Notlagen sensibilisiert werden soll. „Wir sind gespannt, wie viele Anrufe in der Leitstelle eingehen“, sagt Eberhard Stoye. Wie der Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst erklärt, werden sämtliche Sirenen im Kreis ausgelöst.

Ihr durchdringender Ton wird jedoch nicht überall zu hören sein. Längst existieren nicht mehr in jedem Ort diese akustischen Warnmelder. „Es gibt keine Verpflichtung, Sirenen vorzuhalten“, begründet Eberhard Stoye. Über den gesamten Landkreis verteilen sich deshalb nur noch 171 Sirenen.

Pieper statt Sirene

„Wir haben in der Einheitsgemeinde 39 funktionierende Sirenen“, sagt Thomas Sanftenberg, Sachgebietsleiter Brandschutz bei der Zerbster Stadtverwaltung. Sie alle befinden sich im Umland, wo sie die Kameraden der Ortsfeuerwehren zu Einsätzen rufen. In Zerbst selbst gibt es seit geraumer Zeit keine einzige Sirene mehr, hier erfolgt die Alarmierung der Feuerwehrleute über Rufmeldeempfänger, die so genannten „Pieper“.

In Zerbst wird es um 11 Uhr also ruhig bleiben, während in den Dörfern die Sirenen aufheulen. Ertönen wird allerdings nicht der auf- und abschwellende Warnton, der die Bevölkerung auf akute Gefahren wie beispielsweise schwere Stürme, Chemieunfälle oder auch einen Ausfall der Stromversorgung aufmerksam macht. „Wir werden den normalen Probealarm auslösen, der jeden ersten Sonnabend im Monat um 9 Uhr ertönt“, sagt Eberhard Stoye. Sämtliche Sirenen im Kreis zeitgleich anzusteuern und den einminütigen Gefahr-im-Verzug-Heulton auszulösen, sei nicht möglich, begründet der Amtsleiter. Dies sei nur für ein begrenztes Gebiet realisierbar, müsste deshalb nacheinander geschehen und dafür reiche die Zeit nicht aus. Bereits gegen 11.20 Uhr soll die Entwarnung erfolgen.

Parallel mit den Sirenen wird über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Nina eine Probewarnmeldung versendet. Nina wiederum sollte Katwarn auslösen, das kostenlose Warnsystem, das der Landkreis Anhalt-Bitterfeld bereits seit 2013 nutzt, um Nutzer der App über Gefahrenlagen wie Katastrophenfälle zu informieren. Der Warntag sei der Test, ob dies funktioniere. „Wenn nicht, lösen wir Katwarn so aus“, sagt Eberhard Stoye.

Warnmittel ist Gemeinden überlassen

Wie der Amtsleiter berichtet, ist es den Städten und Gemeinden überlassen, weitere Warnmittel auszuprobieren. Als Beispiel nennt er Lautsprecherwagen, die eingesetzt werden könnten, um die Bürger zu warnen. In Zerbst und Umgebung wird es hingegen keine Durchsagen via Lautsprecher geben – weder seitens der Stadtverwaltung noch der Polizei, wie beide Seiten auf Nachfrage mitteilen.

Allerdings wird die Bevölkerung bundesweit ebenfalls über Radio und Fernsehen sowie soziale Medien und digitale Anzeigetafeln gewarnt. Möglichst viele sollen erreicht werden. Denn: „Nur wer eine behördliche Warnmeldung wahrnimmt und richtig einordnet, der kann umgehend handeln und sich sowie Familie, Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen in Gefahrensituationen schützen“, sagt Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). Künftig soll der Warntag deshalb jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden.