Zerbst l „Unser Antrag wurde einfach abgebügelt.“ Mario Rudolf ist ernüchtert. „Wir wollten eine Diskussion anregen, in der sich vielleicht neue Ansätze gefunden hätten“, erläutert der Fraktionsvorsitzende.

„Ich bin schwer enttäuscht“, blickt er auf die letzte Stadtratssitzung zurück. Mit 23 Nein-Stimmen bei nur 9 Ja-Stimmen wurde der FFZ-Antrag zur Erarbeitung einer Kostenübersicht zum Vergleich des jetzigen Wochenmarkt-Standortes auf dem Markt mit der Alternative Alte Brücke abgelehnt.

Zuvor hatte Rudolf noch einmal dafür geworben, das Bürgervotum der Facebook-Umfrage ernst zu nehmen, auch wenn diese nicht repräsentativ gewesen sei. Dennoch handele es sich um einen Stimmungstrend, der nicht ignoriert werden sollte.

382 Teilnehmer hatten sich an der zeitlich begrenzten Abstimmung in dem sozialen Netzwerk beteiligt, zu der die Freie Fraktion aufgerufen hatte. 82 Prozent sprachen sich für die Alte Brücke statt des Marktes aus.

Freie Fraktion will Bürgervotum aufgreifen

„Das war Grund und Anlass für unseren Antrag. Wir haben gespürt, dass die Bürger eine Veränderung wollen, dass was passieren soll“, erläutert Mario Rudolf im Gespräch mit der Volksstimme. Mit einer Kostengegenüberstellung sollte der Abwägungsprozess in Gang gesetzt werden, bei dem es nicht zuletzt um eine Steigerung der Attraktivität des Wochenmarktes ging. „So dass Händler und Kunden etwas davon haben“, formuliert es der Fraktionsvorsitzende.

Zum Vergleich sollte die Verwaltung deshalb zum einen ermitteln, was es kosten würde, wenn der Wochenmarkt auf dem Markt bleibt, zum anderen, was investiert werden müsste, um die Alte Brücke als Standort herzurichten. Denn dort fehlt es bislang an der notwendigen Infrastruktur: Es gibt weder Toiletten noch eine Strom- oder Wasserversorgung, worauf Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) mehrfach während der Diskussionen um eine Verlegung hingewiesen hatte.

Die Rechnung sollte neben den prognostizierten Kosten für die nächsten fünf Jahre ebenfalls die aufgelaufenen Kosten in den zurückliegenden drei Jahren beinhalten. Diesbezüglich hatte Dittmann bereits auf der vorangegangenen Stadtratssitzung – als Mario Rudolf den Antrag ankündigte – angeregt, für den Markt weiter zurückzugehen. Er zielte damit auf die 2010 erfolgte 2,5 Millionen Euro teure Umgestaltung des Marktplatzes ab.

Rudolf griff den Vorschlag des Bürgermeisters zur Erweiterung des FFZ-Antrages auf. Dennoch traf dieser auf Ablehnung. So hielt Bernd Wesenberg (Bündnis 90/Grüne) den Antrag für kontraproduktiv und sprach sich für den Verbleib des Wochenmarktes auf dem Marktplatz aus.

„Bei der Kostenermittlung kommt eine Menge Arbeit auf die Stadtverwaltung zu“, gab er zu bedenken und erinnerte: „Wir haben uns im Stadtentwicklungskonzept dafür entschieden, den Markt trotz aller Schwierigkeiten zu entwickeln.“ Es werde dort gebaut, und es würden sicher auch weitere Baulücken verschwinden. „Das braucht eben anders als in einer Großstadt Zeit“, führte er aus.

Weitere Alternativen möglich

Eine Diskussion über den Wochenmarkt-Standort wäre vielleicht auch eine Chance für den Markt gewesen, meint hingegen Mario Rudolf gegenüber der Volksstimme und bedauert, dass es nicht zu einer solchen kam. Auch über die Breite als weitere Alternative für die Händler hätte man in dem Zuge nachdenken können. Zumal diese nicht zuletzt mit einem Umzug an den Dicken Turm liebäugeln.