Reuden/Anhalt l Familie Pötsch aus Reuden/Anhalt hat ein totes Schaf gemeldet. Am Sonnabend wurde es gefunden. Die Hinterbeine weg, der Brustkorb offen und leer. Der Wolfsbeauftragte vom Wolfskompetenzzentrum Iden, Andreas Berbig, war vor Ort, nahm die Proben. Es kann nur der Wolf gewesen sein. Der Zaun wurde weder untergraben noch irgendwo runtergedrückt, erzählte Daniel Pötsch.

Erst am Freitag hatte er den Antrag ausgedruckt, um sich die Entschädigung für seinen Verlust im September zu holen. Da hatte er schon ein totes Schaf zu beklagen. Ein anderes von den damals noch sieben Tieren fand er verletzt. Das musste tierärztlich versorgt werden, und ein weiteres war gar nicht auffindbar. Es wurde vermutlich in den nahegelegenen Wald verschleppt.

Zaun muss überdacht werden

Damals müssen der oder die Wölfe die kleine Herde so getrieben haben, dass vermutlich der Schafbock und die anderen in Panik durch den Zaun geflüchtet sind. Das Loch war nach außen gedrückt, Fellreste waren zu finden. Das machen Schafe normalerweise nicht, so der Besitzer. 500, 600 Meter weiter vor dem Waldrand konnte Pötsch dann die übrig gebliebenen Tiere wieder einsammeln. Das Lamm von diesem Jahr blieb verschwunden.

1,50 Meter hoch ist der Zaun um das Gelände des alten Sägewerkes, wo die Familie die Schafe hält. Als Rasenmäher quasi, zur Pflege des 10.000 Quadratmeter großen Geländes, in zweiter Reihe hinter den Häusern, an die Gärten angrenzend. Seit sechs Jahren hält die Familie die Schafe. Tag und Nacht waren sie draußen, im Sommer wie im Winter. Eine solche Haltung muss zum Schutz der Tiere nun generell überdacht werden.

Schon bei dem Vorfall im September war eine Wolfsbeauftragte vor Ort und nahm die Probe. Gerade vor drei Wochen bekam Daniel Pötsch den Bescheid – der Wolfsriss wurde bestätigt. Nachdem der Reudener von dem Beutezug in Grimme gehört hatte, hatte er schon fast damit gerechnet, dass der Wolf auch nach Reuden kommt. „Beim Glühweinabend beim Reudener Adventskalender am Donnerstag haben wir uns erst noch unterhalten“, erzählte Pötsch. Am Sonnabend war es dann schon passiert.

Vor der Haustür

Auch die Familie möchte, dass sich das nicht nur im Dorf herum spricht, sondern die Öffentlichkeit davon erfährt. „Man muss darauf aufmerksam machen“, so die Pötsches. Sie sind überzeugt, dass es auch eine ganze Reihe Vorfälle gibt, die einfach nicht gemeldet werden. Vor zwei, drei Jahren wurden schon einmal fünf Schafe in Reuden gerissen, erinnern sie sich. Schließlich müsse man als Geschädigter ja einen gewissen Aufwand betreiben, habe den Ärger.

Die Wölfe sind da, direkt vor der Haustür. Manchmal ist das Wolfsgeheul ziemlich laut aus dem Wald zu hören, weiß Daniel Pötsch zu berichten, „das müssen ganz schön viele sein.“ Ein Geheule im letzten Sommer blieb im Gedächtnis.

War er einmal da, kommt er immer wieder

„Wir haben so zehn bis 20 Tiere geschätzt“, so Pötsch, „davon hat man schon eine Gänsehaut bekommen.“ Kinder würde er nicht mehr in den Wald lassen .

Nun ist der Reudener am Überlegen, die Schafe abzuschaffen. Eigentlich sollten drei Tiere in zwei Wochen geschlachtet werden. Jetzt wird er wohl gleich alle vier übrig gebliebenen schlachten. „Das Risiko ist einfach zu groß, dass der Wolf zurückkommt“, sagt er, „war er einmal da, kommt er immer wieder.“

Kein Wunder, für die wachsende Anzahl von Wölfen nimmt das Nahrungsangebot immer mehr ab. Pötsch weiß, dass gerade ringsum viele Treibjagden stattfinden. Kann er im Wald keine Beute machen, kommt der Wolf heraus und sucht sich die „leichte Beute“. Die Nutztiere auf den eingezäunten Flächen. Zäune sind dabei kein Hindernis für die Tiere, sie werden untergraben oder übersprungen. Da werde der Wolf auch vor einem Elektrozaun nicht halt machen, ist Daniel Pötsch überzeugt.

In Sachsen-Anhalt ist ein Grundschutz für Schafe und Ziegen definiert in Form eines 90 cm hohen Elektronetzes oder einer 5-litzigen Drahtzäunung mit Litzenabständen von maximal 20 Zentimeter zum Boden beziehungsweise zueinander vorgesehen. Die Zäunung muss allseitig geschlossen und mit einer empfohlenen Spannung von 5000 Volt (mindestens 3000 Volt) und einer Impulsenergie von 1,5 Joule auf der gesamten Zaunlänge versorgt sein. Zum Herdenschutz und zur Nutztierbegutachtung finden sich weitere Hinweise und Informationen im Internet unter lau.sachsen-anhalt.de/naturschutz/das-wolfskompetenzzentrum-wzi