Saisonstart noch offen

Zerbster Freibad bleibt nach Ausfall der Steuertechnik vorerst geschlossen

Von Daniela Apel
Das Zerbster Erlebnisbad ruht noch im Winterschlaf. Nur an der tiefsten Stelle unter den Sprungtürmen steht etwas Wasser, ansonsten sind die Becken noch leer.
Das Zerbster Erlebnisbad ruht noch im Winterschlaf. Nur an der tiefsten Stelle unter den Sprungtürmen steht etwas Wasser, ansonsten sind die Becken noch leer. Foto: Daniela Apel

Zerbst

Ein kräftiger Wind treibt gestern die grauen Wolken übers Zerbster Erlebnisbad hinweg. Knappe zehn Grad zeigt das Thermometer an. Von Sonne keine Spur. Das trübe Wetter verdrängt jeden Gedanken an ein Eintauchen ins kühle Nass. Aber noch sind die Becken leer bis auf jene tiefe Stelle unter den Sprungtürmen, wo sich eine größere Pfütze angesammelt hat.

Normalerweise würde das Freibad Mitte Mai seine Tore öffnen. Die Vorbereitungen für den Saisonstart sind inzwischen angelaufen. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben sich bereits tatkräftig um die Grünflächen gekümmert, den Rasen gepflegt, Rosen und Sträucher eingekürzt, die Bäume von Totholz befreit, wie Schwimmmeisterin Sandra Lisso erzählt.

Reinigungs- und Ausbesserungsarbeiten laufen

Seit zwei Wochen sind sie und ihre Kollegen nun schon hier draußen im Einsatz. Nicht nur der Umkleide- und Sanitärbereich ist nach der langen Winterpause herzurichten. Auch auf der Außenanlage ist einiges zu tun. Mit Beizreiniger wird der Edelstahl gesäubert. Die Wände im großen Becken glänzen bereits, Geländer und Rutschen sind dann als nächstes an der Reihe.

Unterdessen finden im Planschbecken und dem angrenzenden Nicht-Schwimmer-Becken wieder notwendige Ausbesserungen im Fliesenspiegel statt. Ein Handwerker ist mit der Beseitigung der Schäden beauftragt, die der Frost dort wie jedes Jahr hervorgerufen hat.

Unerwarteter Ausfall der kompletten Steuertechnik

Völlig unerwartet trat hingegen ein ganz anderes Problem auf, über das Stadtwerke-Chef Jürgen Konratt sogleich Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) informierte, der wiederum im Stadtrat die schlechte Nachricht verkündete. Denn die komplette Steuertechnik des Freibades ist ausgefallen.

Nach fast 30 Betriebsjahren sei dies vielleicht nicht ungewöhnlich, „bedeutet aber eine Ersatzinvestition von mindestens 40000 Euro netto“, konstatierte der Rathauschef mit Blick auf den städtischen Haushalt. Die unverhofften Mehrkosten sind aber nur das Eine, das Fragezeichen hinter der Lieferfrist der benötigten Bauelemente das Andere. Diesbezüglich könne der Anlagenbauer noch nichts Konkretes sagen, wie Dittmann mitteilte.

Befüllen der Becken dauert eine Woche

Selbst wenn die neue Steuertechnik installiert sei, müsse diese erst programmiert werden. Dies sei äußerst aufwendig, schildert Sandra Lisso, während sie den Blick über das verwaiste Freibad schweifen lässt. Denn alles werde darüber gesteuert, „jeder Tropfen, der von A nach B bewegt wird“, wie es die Schwimmmeisterin ausdrückt - angefangen bei den Pumpen bis hin zu den einzelnen Attraktionen wie Wellenrutsche oder Wasserstrudel.

„Sobald die Steuertechnik dann startklar ist, können wir anfangen, die Becken zu befüllen“, sagt Sandra Lisso. Das allein dauert schon sieben Tage. Anschließend muss das aus der Nuthe stammende Wasser noch chemisch nachbereitet werden, ist unter anderem zu chloren, wie sie erläutert. All das nimmt weitere Zeit in Anspruch und lässt kaum Prognosen zum Saisonstart zu.

Corona-Pandemie gibt Rahmenbedingungen vor

In gewisser Weise kommt ihnen da der Lockdown entgegen, wie die Schwimmmeisterin anmerkt. Zugleich spielt die Entwicklung der Corona-Pandemie letztlich ebenfalls eine entscheidende Rolle, wann und unter welchen Bedingungen das Freibad geöffnet werden kann. Im vergangenen Jahr sorgte der sich ausbreitende Virus bereits für spürbare Einschränkungen.

So war genau festgelegt, wie viele Personen gleichzeitig das kühle Nass genießen durften. Waren es zunächst verteilt auf jeweils zwei Stunden 300, erhöhte sich diese Grenze ab Mitte Juli auf 500. Letztlich wurden bis Saisonende laut Jürgen Konratt 14044 Besucher registriert und damit deutlich weniger als in den Vorjahren. Im Schnitt sind es sonst zwischen 20000 und 25000 Badegäste in einer Saison.

Eigentümerin des Freibades ist übrigens die Stadt Zerbst. Seit 1999 liegt die Betriebsführung allerdings bei den Stadtwerken, einem hundertprozentigen Tochterunternehmen der Kommune.