Zerbster Schloss

Zu Gast im Schlafzimmer der Fürstin

Über 150 Interessenten nutzten die erste Öffnung des Zerbster Schlosses in diesem Jahr, um den erhaltenen Ostflügel zu erkunden.

Von Daniela Apel 24.04.2017, 08:00

Zerbst l Ein sympathischer Geist wandelt durch den erhaltenen Ostflügel der einstigen Zerbster Residenz: Zarin Katharina die Große (1729-1796) schaut persönlich in ihrer Kinderstube vorbei. Die russische Großfürstin mit den anhaltischen Wurzeln lässt sich die erste Schlossöffnung des Jahres ebenso wenig entgehen wie die vielen interessierten Besucher.

Über 150 Gäste können innerhalb der drei Stunden begrüßt werden, in denen eine Besichtigung des Barockbaus möglich ist. Das Startsignal gibt Gero Schmidt. Hoch droben von der ab sofort für Besucher zugänglichen Aussichtsplattform greift der Lehrer der hiesigen Kreismusikschule zu seiner Trompete, um passend zu den zeitgleich stattfindenden Fasch-Festtagen ein Stück des früheren Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch (1688-1758) zu spielen.

Über dessen Wirken erfahren Interessenten ebenso Wissenswertes wie über den Lebensweg der Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg, die als Zarin Katharina II. Bekanntheit erlangte. Auch in die Zerbster Geschichte können sie eintauchen, Modelle von Gebäuden und Straßenzügen spiegeln anschaulich wider, wie die Stadt vor ihrer Zerstörung am 16. April 1945 ausgesehen hat. Gemeinsam vermitteln gleich vier Vereine regionale Geschichte: angefangen beim Heimatverein über den Katharinaverein und der Fasch-Gesellschaft bis hin zum Schlossverein, der sich seit 2003 um den Erhalt und die Sanierung des städtischen Baudenkmals kümmert.

Verschiedene Sicherungsmaßnahmen konnten seither realisiert werden, in Folge derer vernichtete Räume wieder entstanden sind wie beispielsweise das völlig verbrannte Zedernkabinett, das neu visualisiert den Teilnehmern der ersten Führung des Tages beeindruckte Kommentare entlockt. „Unglaublich!“ und „Ach, wie schön“, staunen sie in Anbetracht der optischen Rekonstruktion des Eckzimmers, bevor es über das Ankleidekabinett mitsamt Toilettentisch in das Grüne Kabinett hineingeht. „Als wir anfingen, wucherten hier Bäume und die Wände waren von Efeu zugerankt“, erzählt Dirk Herrmann, Vorsitzender des Schlossvereins.

Auf dem Rundgang durch das ehemalige Appartement der Fürstin Johanna Elisabeth (1712-1760), der Mutter Katharinas, gewährt er Einblicke in die Historie des Ostflügels, der beim Luftangriff auf Zerbst schwerste Schäden erlitt. Zugleich verdeutlichen seine Schilderungen das Wirken des Fördervereins Schloss Zerbst.

Diese Initiative zeigt sich nicht nur in den umgesetzten Instandsetzungsprojekten, sondern ebenfalls in der stetig weiteren Ausgestaltung der Gemächer, die Johanna Elisabeth von 1753 bis 1956 bewohnte. Ihr Schlafzimmer ist fortan um ein wesentliches Detail reicher: einem Rokokobett nach französischem Vorbild, das mit Unterstützung des VHS-Bildungswerkes nachgestaltet wurde. Denn wie das Bett der Fürstin wirklich ausgesehen hat, sei nicht überliefert, erklärt Dirk Herrmann und macht auf noch eine Neuerung aufmerksam: einen Spieltisch mit passenden Leuchtern und Spielkarten.

Wer mag, kann an diesem Nachmittag ebenfalls zur Aussichtsplattform auf dem Dach hinaufsteigen. Auch dort sind emsige Helfer im Einsatz. Über 20 Akteure sind es ingesamt, die sich ehrenamtlich trotz unangenehmer Temperaturen während der Schlossöffnung engagieren. Umso mehr freuen sie sich über das positive Echo und die anerkennenden Worte der Besucher, die zum Weitermachen motivieren.