Zerbst l Der Bau des neuen und barrierefreien Haltepunkts in Güterglück wurde immer wieder verschoben. Zuletzt hieß es von der Deutschen Bahn (DB), dass die Bahnsteige im Zuge der Strecken-Vollsperrung zwischen Güterglück und Magdeburg vom 24. April bis 11. Juni 2021 an die Schrankenanlage in der Moritzer Straße verlegt werden. Doch daraus wird auch dieses Mal nichts. Wie die Volksstimme eher zufällig erfahren hat, ist der Neubau erneut verschoben worden – voraussichtlich in das Jahr 2025.

Begründet wird die erneute Verschiebung mit fehlendem Baurecht. „Der Umbau des Bahnhofs Güterglück benötigt aufgrund umfangreicher Änderungen der Bahnanlagen unter anderem dem Neubau der Bahnsteige am Bahnübergang Moritzer Straße Baurecht“, schreibt eine Bahnsprecherin auf Volksstimme-Nachfrage. Das dafür erforderliche Planfeststellungsverfahren laufe derzeit noch.

Baurecht fehlt

Aus diesem Grund müsse die Baumaßnahme verschoben werden. „Da der zeitliche Verlauf einer Planfeststellung äußeren Einflüssen unterliegt und mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann, haben wir noch keine Neueinord- nung der Bauarbeiten vorgenommen und zunächst nur den groben Zeithorizont 2025 benannt“, so die Bahnsprecherin. Die Neueinordnung der Maßnahme erfolge unter Berücksichtigung anderer Baumaßnahmen im Netz der DB, wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt.

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Auf die Frage, seit wann denn das Verfahren läuft und ob die jetzigen Planungen von den ursprünglichen Planungen abweichen, heißt es seitens der Bahnsprecherin: „Das aktuelle Planfeststellungsverfahren läuft seit Anfang letzten Jahres. Es gab bereits vorherige Pläne seitens DB Station&Service, die in dem jetzigen Projekt berücksichtigt wurden.“

Zerbster Bürgermeister wenig überrascht

Auf die Frage, ob das im Umkehrschluss heißt, dass die geplante neue Strecke auf Teilen der ehemaligen Kanonenbahn von Magdeburg über Schönebeck, Barby, Güterglück und Zerbst nach Dessau gegebenenfalls bei den Planungen und Bauarbeiten schon berücksichtigt wird, heißt es seitens der Bahn: „Die von Ihnen genannte Strecke steht im Zusammenhang mit dem sogenannten Deutschlandtakt. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Aussagen zu diesem Projekt treffen, da weder Projektinhalte noch -umfang bekannt sind. Es findet deshalb in unserer jetzigen Planung noch keine Berücksichtigung.“ Ob der Zeitplan, diese Strecke zu planen, wenn Güterglück bereits umgebaut ist, zu erheblichen Mehrkosten führen könnte, ließ die Bahnsprecherin unbeantwortet.

Die Verschiebung der Maßnahme überrascht Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) nur bedingt. „Es scheint Bahnbauprojekten eigen zu sein, dass Termine geändert werden, das hat sicherlich auch mit der Komplexität des Gesamtvorhabens zu tun. Die Verlegung des Haltepunktes wurde mir von Seiten der Bahn bereits im Jahr 2012 nahe gebracht und wird mich sicher noch eine Weile begleiten“, kommentiert Dittmann die erneute Verschiebung des Neubaus.

Skepsis gegenüber Wiederbelebung

Die Wiederbelebung der Elbquerung über die Barbyer Brücke sehe er nach wie vor skeptisch. Zwischenzeitlich sei zu lesen gewesen, dass diese nur realisiert würde, wenn sich der Bedarf aus dem Fahrgastaufkommen ableiten ließe.

„Damit würde die Bahn die notwendige Investition auf das Land Sachsen-Anhalt abwälzen, da dann die Leistungen beim Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) zu Buche schlagen würden beziehungsweise von diesem bestellt werden müsste. Faktisch dürfte der große Bedarf aber eher im Güterverkehr liegen“, erklärt Dittmann.

Umweg für Bahnnutzer mit Handycap

Geplant war in Güterglück alles ganz anders: „Der Neubau der Bahnsteige in Güterglück soll komplett 2021 im Zeitraum der Sperrung der Elbebrücken in der bis Rodleben eingerichteten Totalsperrung umgesetzt werden“, hatte eine Bahnsprecherin noch im Februar auf Nachfrage der Volksstimme mitgeteilt. Ursprünglich plante die Bahn sogar, die neuen, barrierefreien Bahnsteige am Bahnübergang in der Güterglücker Moritzer Straße mit Schließung des Fußgängertunnels im Güterglücker Bahnhof am Ende der Bauarbeiten im Juni 2018 in Betrieb zu nehmen. Wie sich allerdings bei der konkreten Bauplanung dann später herausgestellt hatte, sind Bahnübergang und die künftige Bahnsteiganlage sicherungstechnisch voneinander abhängig, was den Bau des neuen Haltepunktes während der Arbeiten im Mai/Juni 2018 unmöglich machte.

Mitte Dezember 2018 wurde dann eine temporäre Fußgängerbrücke von Bahnsteig 1 zum Bahnsteig 2 errichtet, denn der Tunnel zwischen den Bahnsteigen wurde während der Sperrung im Frühjahr verfüllt. In dieser Zeit fuhren alle Regionalbahnen in beide Richtungen vom Bahnsteig 1.

Weitere Jahre warten

Die Brücke sei nötig, um den Zugverkehr auf der viel befahrenen Strecke Magdeburg-Dessau reibungslos zu halten. Ist die Brücke fertig, fahren die Bahnen in Güterglück wieder beide Bahnsteige an, hieß es damals von der Bahn.

Allerdings: Bahnnutzer mit Rollstuhl, Rollator oder Menschen, die nicht gut zu Fuß sind und die Treppen der Überführung nicht überwinden können, haben das Nachsehen. Sie müssen, wollen sie in Richtung Magdeburg reisen, erst nach Zerbst fahren, um dort in die Regionalbahn nach Magdeburg umzusteigen – und das wohl noch einige Jahre.