Güterglück l Wenn sich junge Leute bei Ortsbürgermeister Moritz Schwerin nach bebaubaren Flächen in seinem Ort erkundigen, schickt der Ortschef die Bürger seit einiger Zeit immer in die Stadtverwaltung. Das ist das Ergebnis eines Lernprozesses. Auf seine Frage in der Stadtverwaltung, ob die Kommune weitere Bauflächen in der Zukunft schaffen wolle, sei er groß angesehen worden, erinnert er sich noch gut. Eine Nachfrage nach Bauland sei in der Stadtverwaltung nicht registriert worden, habe es geheißen.

Die jungen Familien hätten in der Stadtverwaltung nicht nachgefragt. Deshalb sei der wachsende Bedarf auch niemandem aufgefallen. Die jungen Leute, die sich bei ihm erkundigt hatten, weiß er, seien dann in Zerbst selbst fündig geworden. Dennoch gebe es eine stetige Nachfrage nach bebaubaren Flächen, bestätigt er. Aktuell stehe kein freier Bauplatz zur Verfügung. Dabei hatte ihm eine Landesbehörde erst mitgeteilt, dass es noch Lücken gebe. „Doch wie geht die Ortschaft damit um, wenn die Eigentümer nicht verkaufen wollen“, fragt er. Auf dem Papier verfüge Güterglück zwar noch über Bauflächen. Nur könne sie niemand nutzen, wenn die Eigentümer nicht mit sich über einen Verkauf reden lassen wollen. Dann gebe es die Bauflächen nur auf dem Papier.

Kommune mit Potential

Dabei habe die kleine Kommune an der Bahn noch Potential, um sich in Zukunft auszubreiten. Vor allem gibt es keine durchgehende Bebauung in der Ortschaft. Immer wieder klaffen Lücken in der Bebauung. Vor allem dort, wo sich früher die Bahnstrecken kreuzten. Geblieben ist den Güterglückern eine auf einem Damm am Ortsrand liegende alte Eisenbahnstrecke, die weitgehend zurückgebaut ist.

Kleingärten nutzen

Früher schoben sich hier die Züge auch dicht an den Häusern vorbei. Die Anschlussgleise an die Zerbster Strecke sind auch längst abgebaut. Nun könnten die Lücken eigentlich geschlossen werden, meint der Ortschef. Zwar sieht das Land eine mögliche Reaktivierung der alten Strecke auf einem Teilstück bis Güterglück vor. Doch ob die Pläne jemals umgesetzt werden, sei aus heutiger Sicht kaum zu beurteilen.

Ordnend könne die Stadt zudem bei den Kleingartenanlagen eingreifen, die noch existieren. Die Zahl der Nutzer hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen. Früher waren Kleingärten als Ausgleich zur Wohnung sehr begehrt. Doch der Trend ist rückläufig. Wer es sich leisten kann, kauft sich heute gleich ein Haus und benötigt keinen Kleingarten mehr. Hier könne die Stadt die nur schlecht ausgelasteten Flächen wieder besser auslasten, wenn sich alle Kleingärtner an einem Punkt konzentrieren, meint er. Das könnte freie Bauplätze schaffen.

Außerdem gebe es noch am Sportplatz die Möglichkeit, Häuser zu errichten. Die Lage sei nicht so schlecht und die Bahn in einiger Entfernung. Seit einigen Jahren erlebt vor allem Güterglück eine hohe Nachfrage an Baugrundstücken. Selbst die alten Bestandsgebäude sind bei jungen Familien gefragt. Keinen Leerstand gebe es mehr, freute er sich bereits vor Monaten.

Mitunter ist das knappe Angebot aber auch dafür verantwortlich, dass Einwohner den Ort verlassen, auf deren Unterstützung die Dorfgemeinschaft eigentlich angewiesen ist. So verlor der Ort bereits einen Feuerwehrmann, der in der Wehrleitung mitarbeitete, weil sich kein Wohnraum fand.

In Zukunft müsse sich die Stadt mehr mit dem Thema Bauflächen in Güterglück beschäftigen, auch wenn dies ein Prozess sei, der womöglich einige Jahre dauere, sagt Moritz Schwerin. Es sei damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach Baugrundstücken auch in Zukunft anhalten werde. Schließlich habe die Region noch viel nachzuholen, was die Zahl der privaten Wohnunterkünfte angeht. Im europäischen Vergleich ist die Eigentumsquote bei privaten Wohnungen immer noch viel zu gering. Vor allem die niedrigen Zinsen, die die Banken seit längerer Zeit für Immobilienkredite verlangen, haben den Traum vom eigenen Haus für viele bezahlbar gemacht. Die Nachfrage nach Immobilien und Baugrundstücken ist in vielen Orten der Stadt Zerbst seit einiger Zeit hoch. Güterglück scheint dabei besonders begehrt als Wohnstandort, da die Ortschaft über einen Bahnanschluss verfügt und so die Möglichkeit besteht, mit der Bahn schnell und ohne Stau in die größeren Städte zu fahren.

Ideal für Pendler

Nicht nur für Pendler, die das Landleben privat vorziehen, ist Güterglück ein idealer Wohnstandort. Abzuwarten bleibt, wie sich die Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt, das Arbeitsleben und den -alltag auswirken wird. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass vor allem Menschen, die in verwaltungstechnischen Berufen tätig sind, künftig wohl auch von zuhause aus arbeiten können und nur ab und zu bei ihrem Arbeitgeber vorbeischauen müssen.

Das eröffnet bei der Wahl des Wohnstandortes völlig neue Möglichkeiten und lässt auch weiter entfernte Wohnstandorte zu. Für die kleinen Ortschaften hätte die Trendwende den Vorteil, dass auch die Kindereinrichtungen noch in einigen Jahren sehr gut besucht seien, schätzt Moritz Schwerin ein und freut sich über den Trend.