Ein Jahr, um Erfahrungen zu sammeln

Zwei junge Bufdis erzählen über ihre Erlebnisse an der Evangelischen Bartholomäi-Grundschule Zerbst

Eine Möglichkeit, sich nach der Schule zu orientieren und Erfahrungen zu sammeln, kann der Bundesfreiwilligendienst sein. An der Evangelischen Bartholomäischule in Zerbst sind Bufdis gern gesehen.

Von Petra Wiese 19.07.2021, 00:00 • Aktualisiert: 19.07.2021, 12:29
Ben Kestler war als Bufdi ein Schuljahr an der Bartholomäischule in Zerbst.
Ben Kestler war als Bufdi ein Schuljahr an der Bartholomäischule in Zerbst. Foto: Petra Wiese

Zerbst - Mit Ben Kestler und Lucie Gube waren in diesem Schuljahr an der Evangelischen Bartholomäischule in Zerbst wieder zwei Bufdis im Einsatz. „Bufdi“ steht für Bundesfreiwilligendienst. Freiwilliges Engagement als Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen. Da gibt es Möglichkeiten im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich, im Sport, in der Integration, beim Zivil- und Katastrophenschutz. In der Regel dauert ein Bundesfreiwilligendienst zwölf Monate. Einsatzstellen sind Wohlfahrtsverbände, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Jugendeinrichtungen, Sportvereine, Kultureinrichtungen bis hin zu Kommunen.

Viele junge Menschen nutzen den Bundesfreiwilligendienst ähnlich wie ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) oder Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) nach der Schule zur Orientierung oder Überbrückung. Lucie Gube und Ben Kestler haben sich gleich nach dem Abitur, das beide 2020 am Zerbster Francisceum abgelegt haben, für ein Bufdi-Jahr entschieden. „Ich wusste nicht, was ich machen will“, erzählt Ben Kestler. Der Zerbster, wie auch die junge Dobritzerin, wollten beide schauen, ob eventuell der Lehrerberuf für sie in Frage kommt.

Nun hatten sie ein Schuljahr Zeit, Erfahrungen zu sammeln. In der kleinen Zerbster Schule mit 85 Schülern wurden sie von Anfang an in den gesamten Schulalltag und in das Team integriert. Eine 40-Stunden-Woche ist für solche jungen Menschen oft eine ganz neue Herausforderung, weiß Schulleiterin Friederike Grötzsch. Sie müssen sich organisieren, vorbereiten, Urlaub planen, bei Krankheit abmelden und mehr. Das habe bei den beiden super geklappt, lobt die Schulleiterin die Zuverlässigkeit ihrer Bufdis.

Bufdis fangen einiges in der Notbetreuung ab

Gerade in der Corona-Zeit waren die Freiwilligen eine große Unterstützung. Das fing schon beim Besetzen der verschiedenen Eingänge an, wo sich alle Kinder die Hände desinfizieren mussten. Bei den versetzten Pausenzeiten waren sie als Aufsicht wichtig. Auch in der Notbetreuung konnten sie einiges abfangen. Mal den Geschirrspüler auszuräumen, gehörte auch mit zu den Aufgaben, so die Schulleiterin. Selbstverständlich sind die Bufdis auch bei Dienstberatungen, Schulausflügen und Klassenfahrten mit dabei.

Im Unterricht standen sie Schülern mit besonderem Förderbedarf zur Verfügung. Sie übernahmen die Schwimmbegleitung und Arbeitsgemeinschaften. Bei Letzteren richte man sich auch ein bisschen nach den Hobbys. So leiteten Lucie und Ben selbstständig die Tischtennis-AG und die AG Sportspiele. Ben war bei der AG Schülerzeitung mit im Boot und Lucie bei der Kreativwerkstatt.

Das hat alles sehr gut geklappt, freute sich Friederike Grötzsch. In den beiden zurückliegenden Schuljahren hatte es keine Bufdis an der Schule gegeben. In der Vergangenheit aber schon, beziehungsweise auch junge Leute in anderen Programmen. Diese Hilfe möchte die Schulleiterin nicht missen. So wird es auch im neuen Schuljahr wieder zwei Bufdis geben.

Bundesfreiwilligendienst kann bei beruflicher Orientierung sehr helfen

Ein solches Jahr kann Ben Kestler nur empfehlen. „Ich habe viel gelernt“, so der 19-Jährige. Im Umgang mit Kindern und über sich selbst. „Ich bin selbstbewusster geworden“, sagt er. Und er weiß, wie man in verschiedenen Situationen mit den Kindern reagieren muss. „Man wächst mit den Aufgaben“, lacht der junge Mann. Er weiß jetzt, was er will. Der Lehrerberuf scheint ihm zu liegen. Inzwischen hat er sich längst für ein Lehramtsstudium beworben. Jetzt wartet er nur noch auf eine Rückmeldung.

Derweil hat Lucie Gube, die eigentlich schon einen Lehrerstudienplatz in der Tasche hatte, gemerkt, dass sie doch lieber die andere Richtung – nämlich den Polizeidienst – einschlagen will. Auf jeden Fall hat die Orientierung beiden weiter geholfen. Auch Friederike Grötzsch kann sich Ben Kestler als Lehrer vorstellen. „Es ist schön, mit den Kindern zu arbeiten, sie lachen zu sehen“, sagt der junge Mann. Auch dass Kinder manchmal ganz schön gemein sein können, hat er erlebt. Und dass Eltern oft viel zu viel von den Kindern erwarten. Als ein Junge aus der zweiten Klasse ihm nach der Notbetreuung ein Bildchen zum Dank geschenkt hat, habe das sein Herz berührt.

Zehn Jahre Bundesfreiwilligendienst heißt es in diesem Jahr. Seit Juli 2011 haben mehr als 400 000 Menschen einen solchen Dienst geleistet. Der Bundesfreiwilligendienst sollte die Aussetzung des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 teilweise kompensieren. Für die Teilnehmer finden über das Jahr verteilt verschiedene Seminare mit anderen Bufdis statt. Taschengeld, Sozialversicherung und weitere Leistungen sind inklusive. Mehr Infos unter www.bundesfreiwilligendienst.de