Motorsport

Enduro-Hoffnung Tristan Hanak auf dem EM-Podium

Erste Saison im EM-Zirkus, erstes Rennen, erstes Podest: Für Endurofahrer Tristan Hanak vom MSC Burg konnte das internationale Debüt kaum besser verlaufen.

Von Björn Richter
Wer behauptet, dass Endurofahrer nicht auch große Sprünge wagen? Tristan Hanak vom MSC Burg, hier auf der Motocrosstrecke in Gödnitz, hat nach seinem dritten Platz am zweiten Tag des Europameisterschaftslaufs in Castel di Tora sowie dem aktuell vierten Rang in der Gesamtwertung der Klasse Junior E1 Blut geleckt.
Wer behauptet, dass Endurofahrer nicht auch große Sprünge wagen? Tristan Hanak vom MSC Burg, hier auf der Motocrosstrecke in Gödnitz, hat nach seinem dritten Platz am zweiten Tag des Europameisterschaftslaufs in Castel di Tora sowie dem aktuell vierten Rang in der Gesamtwertung der Klasse Junior E1 Blut geleckt. Björn Richter

Burg - Vor kurzem hat Tristan Hanak einige Neuzugänge in seinem tierischen Bekanntenkreis aufgenommen, die er dort vor einem Jahr selbst nicht verortet hätte. Sie tragen Namen wie Kobra, Heuschrecke, Schildkröte oder – wohl das prominenteste Beispiel – herabschauender Hund. Yoga bereichert seit neuestem den Alltag eines Sportlers, der über sich sagt: „Ich war immer etwas undiszipliniert, was Fitness anbelangt. Früher habe ich wenn überhaupt nur etwas für die Kondition getan. Inzwischen absolviere ich jeden Tag Kraftübungen und mache eben als Ausgleich ein- bis zweimal pro Woche Yoga.“

Fulminantes Debüt

In der Vergangenheit immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen, will Hanak in dieser Saison also auch körperlich bestmöglich gerüstet sein und nichts dem Zufall überlassen. Schließlich ist 2021 das Jahr seines Debüts auf internationaler Bühne. Und der Einstand mit dem Lauf im italienischen Castel di Tora hätte Mitte April kaum vielversprechender sein können. Mit Platz sechs am ersten und Rang drei am zweiten Tag hatte der Burger jedenfalls selbst nicht gerechnet: „Die Devise vor dem Wochenende lautete: Bloß nicht Letzter werden. Gerade aus Italien und Tschechien kommen viele unheimlich schnelle Leute. Da wollte ich eigentlich nur mitfahren so gut es geht. Trotz einiger Fehler am Sonnabend war ich mit Platz sechs zufrieden und habe vor allem eine richtig gute zweite Runde hingelegt. Dass ich am nächsten Tag den Vogel abschießen würde, konnte ja keiner ahnen.“

Während vorn erwartungsgemäß die WM-Piloten aus Italien, Frankreich und Finnland den Ton angaben, behauptete sich Hanak auf seiner 250er-Viertakt-GasGas als zweitbester Deutscher hinter seinem Stallgefährten Davide von Zitzewitz vom BvZ Racing Team. Erst zurück im Fahrerlager wurde klar, dass es für das MSC-Mitglied auch zu einem Podestplatz in seiner Klasse, den Junioren E1, reichen würde. Wobei die Entscheidung, den Wettbewerb von drei auf zwei Runden zu verkürzen, nicht Hanaks Schaden war. Neben Verstößen gegen die Corona-Auflagen unter den Zuschauern, welche die Polizei auf den Plan riefen, war vor allem die sich zusehends verschlechternde Wetterlage ausschlaggebend für das vorzeitige Ende. „Schon bei der letzten der drei Sonderprüfungen auf der zweiten Runde bestand der Boden nur noch aus Schmiere. Davide, der kurz nach mir gestartet ist, kam bereits völlig durchnässt und schlammbedeckt zurück. Der Veranstalter hätte kaum genug Marshalls zur Absicherung stellen können, um alle Fahrer heil zurück ins Ziel zu bringen.“

Ungewisse Planung

Mit dem aktuell vierten Platz in der Meisterschaftswertung hat Hanak jedenfalls reichlich Selbstvertrauen für die weitere Saison getankt. Wobei vor allem terminlich noch nicht ganz klar ist, wohin die Reise für die deutschen Fahrer geht. Der EM-Tross macht am Wochenende 7./8. August im tschechischen Plasy das nächste Mal Halt. Davor und danach soll der Auftakt zur Deutschen Meisterschaft in Dahlen/Sachsen und Uelsen/Niedersachsen stattfinden, gefolgt von den prestigeträchtigen Six-Days in Italien und weiteren DM-Läufen, darunter am Wochenende 25./26. September auch in Burg. „Für zahlreiche Fahrer würde das neun Wochenenden Motorsport am Stück bedeuten. Das ist eigentlich kaum zu bewerkstelligen“, so Hanak, dessen Lebensmittelpunkt inzwischen in Stralsund liegt. An der Ostsee hat der 21-Jährige ein Bachelor-Studium mit dem klangvollen Namen „International Management Studies in the Baltic Sea Region“ aufgenommen. Und um Sport, Hochschule und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, dürfte es gewiss nicht die schlechteste Entscheidung gewesen sein, die indische Lehre der Harmonie von Körper und Geist Einzug in sein Leben halten zu lassen.