Fußball

Thomas Seidelt zurück auf der Trainerbank in Niegripp

Trotz der Abgänge von zwei Leistungsträgern herrscht unter dem „neuen alten“ Coach Thomas Seidelt Aufbruchstimmung bei der SG Blau-Weiß.

Von Björn Richter
Nach zweijähriger Auszeit meldet sich Thomas Seidelt (M.) wieder zurück auf der blau-weißen Kommandobrücke. Gemeinsam mit Christian Wust wird er die Niegripper Geschicke in der neuen Saison von der Seitenlinie aus lenken.
Nach zweijähriger Auszeit meldet sich Thomas Seidelt (M.) wieder zurück auf der blau-weißen Kommandobrücke. Gemeinsam mit Christian Wust wird er die Niegripper Geschicke in der neuen Saison von der Seitenlinie aus lenken. Foto: Björn Richter

Niegripp - Beharrlichkeit zahlt sich aus, wie Jürgen und Christian Wust aus Erfahrung wissen. Und so ließen Vater und Sohn, zugleich Teammanager und Trainer der Niegripper Landesklasse-Fußballer, nicht so schnell locker. „Der Kontakt ist ja nie wirklich abgerissen. Schon im vergangenen Jahr sind beide auf mich zugekommen“, blickt Thomas Seidelt zurück. Zwischen der Geburt von Töchterchen Charlotte und notwendigen Arbeiten am Haus passte das Angebot zur Rückkehr auf die Trainerbank der Blau-Weißen seinerzeit aber noch nicht. Also griffen Wust und Wust vor einigen Wochen wieder zum Telefon, fragten erneut an – und mussten dieses Mal auch gar keine lange Überzeugungsarbeit leisten. „Von der Herzenssache einmal abgesehen, reizt mich einfach das gesamte Projekt. Mit dieser Mannschaft zu bestehen, wird kein einfaches Unterfangen, aber ein enorm spannendes“, erklärt der 49-Jährige.

Seidelt lenkt also zur neuen Saison gemeinsam mit Christian Wust wieder die sportlichen Geschicke am Alten Kanal. Nicht in einem Trainer-und-Co-Trainer-Verhältnis, sondern als gleichberechtigtes Gespann, worauf man in Niegripp großen Wert legt. „Christian hat das Team in der nun wirklich nicht leichten Corona-Situation übernommen, den Umbruch eingeleitet und sich trotz der geringen Anzahl an Spielen einen großen Verdienst erworben. Da wäre es völlig falsch, zu sagen: ,Danke für alles, jetzt rück aber bitte mal in den Hintergrund.’ Es ist eine ganz bewusste Entscheidung – ja, wir ziehen das zusammen durch.“ Die Konstellation erinnert an das Erfolgsmodell der Jahre 2017 bis 2019, als Seidelt und René Sandmann die SG von der Landesklasse in die Landesliga führten. Und auch wenn nur ein Jahr später der freiwillige Rückzug erfolgte, ist die Euphorie zum Teil zurückgekehrt. Die ersten vier Einheiten hat das Team stets mit 20 Teilnehmern bestritten – bei einer Kadergröße von 22 Spielern.

Rückkehr nach zwei Jahren

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber nicht, dass der Weg zur Meisterschaft in der Staffel 2 nur über Niegripp führt. Denn im Vergleich zur Vorsaison hat sich das Team noch ein weiteres Mal verjüngt. Nicht ganz freiwillig. So beendete Fabian Mlynek in den spielfreien Monaten seine Karriere, Florian Müllers Lebensmittelpunkt liegt fortan in Erfurt. Das Duo hinterlässt keine gerade kleine Erfahrungslücke, die der Nachwuchs erst im Laufe der Zeit schließen kann. „Mehr als vier, fünf Gestandene sind nicht übriggeblieben. Aber gerade das macht die Aufgabe aus Trainersicht so reizvoll. Die Jungen brennen darauf, sich zu beweisen“, erklärt Seidelt, der Etliche aus der jungen Garde bereits aus gemeinsamen Tagen im Nachwuchs des Burger BC 08 kennt.

Daneben ist man bei der SG Blau-Weiß natürlich in erster Linie stolz auf Eigengewächse wie John Eschner oder Ole Sandmann, die vor ihrer ersten „richtigen“ Saison im Männerbereich stehen. „In der Truppe steckt unheimlich viel Potenzial und es macht sehr viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.“ Und auch wenn der Start der neuen Spielzeit noch nicht absehbar ist, hat der Wettlauf um die Plätze in der Startelf mit dem ersten gemeinsamen Training begonnen. Der Coach stellt klar: „Natürlich gibt es vier oder fünf Fixpunkte, aber wir werden nicht den Fehler machen, diesen oder jenen Namen mit aller Macht in die Aufstellung zu drücken und zu schauen, wie es drumherum passt. Die Saison wird alles andere als ein Selbstläufer und daher wollen wir Spieltag für Spieltag unsere schlagkräftigste Mannschaft aufbieten.“

Feuertaufe verlegt

Um ihre Feuertaufe ist die „runderneuerte“ SG nun nicht ganz freiwillig herumgekommen. „Gerade die jungen Spieler waren heiß drauf, sich im Kreispokal zeigen zu können.“ Bekanntlich wurde der Wettbewerb aufgrund der weiterhin restriktiven Auswirkungen der Corona-Eindämmungsverordnung auf den organisierten Sport kurzerhand terminlich vor die neue Spielzeit gepackt. Dass nun aber vorerst wieder die Füße in Niegripp hochgelegt werden, darf als ausgeschlossen gelten. „Wir müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und können unsere Vorbereitung nicht so aufbauen, als hätten wir zwei Monate Zeit“, stellt Seidelt klar. Stattdessen soll das Teamtraining in den kommenden Tagen und Wochen weiterlaufen, wie so vieles in Niegripp: kontinuierlich, zuversichtlich – und mit Beharrlichkeit.