Ironman

Kona muss etwas warten

Am vergangenen Sonntag ging in den USA der Ironman Tulsa, der erste Langdistanz-Triathlon seit Februar 2020 der Ironman-Serie über die Bühne.

Von Thomas Koepke
In der amerikanischen Sonne bereitete sich Marcus Herbst in den letzten Monaten auf einige Rennen vor.
In der amerikanischen Sonne bereitete sich Marcus Herbst in den letzten Monaten auf einige Rennen vor. Fotos: Marcus Herbst

Tulsa/Kloster Neuendorf - Das Rennen an sich endete mit einem überragenden Sieg des zweifachen Deutschen Ironman-Weltmeisters Patrick Lange. Der gebürtige Bad Wildunger konnte dabei auf den letzten Kilometern sogar etwas rausnehmen und gewann die Langdistanz in Oklahoma in 7:45:22 Stunden vor dem Schweizer Jan Van Berkel (7:50:58) und dem Dänen Daniel Baekkegard (7:52:59.).

Ebenfalls viel ausgerechnet hatte sich der Kloster Neuendorfer Marcus Herbst (Triathlonfüchse Osterburg). Vorgenommen hatte sich der Altmärker nämlich nicht nur einer vordere Platzierung, sondern obendrein die Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii. Und davon träumte Herbst auch noch mitten auf der Radstrecke. Doch dazu später mehr.

Wie geplant konnte sich Marcus Herbst in der zweiten Schwimmgruppe einrangieren und so auch wichtige Körner für den weiteren Rennverlauf sparen. In erlesener Gesellschaft von Chris Leiferman oder Bart Aernouts stieg der Kloster Neuendorfer mit nur 3:30 Minuten Rückstand auf die absolute Spitze um Daniel Baekkegard, Denis Chevrot und Patrick Lange nach 3,8 Kilometern aus dem Wasser.

Auch im Wechselgarten klappte alles hervorragend, so dass Herbst schnell sieben Plätze gutmachen konnte und als 13. auf die Radstrecke gehen konnte. Hier wollte der Altmärker seine Vorteile ausspielen und tat das auch.

Schnell fand er eine Gruppe und arbeitete sich in dieser sukzessive nach vorn. Bei Kilometer 93 lag Herbst auf Platz sieben mit nur vier Minuten Rückstand auf den derzeit Führenden Florian Angert aus Deutschland. Diesen Rückstand konnte Herbst bis Kilometer 130 sogar noch verkürzen und lag nun nur noch 3:30 Minuten hinter der Spitze.

„Bis knapp 140 Kilometer lief alles prima, ich lag voll auf Kurs. Dann sprang mir jedoch die Kette auf dem holprigen Kurs rund im Tulsa ab und verdrehte sich. Ich musste jetzt natürlich ruhig bleiben und alles beheben, aber meine Gruppe war natürlich weg. So hatte ich schnell einen Rückstand von sechs Minuten. Ich war zu diesem Zeitpunkt wirklich sauer, weil es bisher sehr gut lief“, schilderte Herbst.

Der Altmärker fiel auf Platz 14 zurück und ging mit knapp elf Minuten Rückstand auf Spitzenreiter Antony Costes auf die anstrengende Marathonstrecke.

„Gleich, nachdem ich den Lauf begonnen hatte, erinnerte ich mich aber daran, worum es beim Ironman geht. Ich konnte mich motivieren und lief bis Kilometer 30 mit einem guten Schnitt von um die vier Minuten pro Kilometer“, so Herbst.

Dann hatte der Triathlonfuchs jedoch mit einigen Krämpfen zu tun und musste das Tempo auf den letzten 12 Kilometern doch entscheidend drosseln. „Damals im Jahr 2015 habe ich mir selbst versprochen, niemals ein Rennen zu verlassen, egal wie langsam das Tempo sein würde. Es geht dabei nur um die eigenen Erwartungen, denen ich gerecht werden möchte“, so der Kloster Neuendorfer.

Nach 3:04:10 Stunden hatte Herbst den Marathon auch gepackt und überquerte als Gesamt-20. im Profifeld der Männer die Ziellinie. Dabei benötigte der Altmärker für Langdistanz 8:22:57 Stunden.

„Auch wenn ich in diesem Rennen meine Ziele nicht erreicht habe, so habe ich doch zwei Dinge gewonnen. Es ist zum einen der Glaube an mich selbst an einem Tag, an dem nicht alles glatt gelaufen ist. Zweitens, und das ist für mich noch viel wichtiger, ist jetzt meine Angst vor einer Langdistanz nicht mehr vorhanden und ich kann mir eine Teilnahme bei der WM in Kona jetzt sogar mehr vorstellen, als noch zuvor. Auf gehts also zu einem zweiten Anlauf gemeinsam mit meinem Trainer und dem gesamten Team“, geht der Altmärker sogar gestärkt aus dem Rennen in Tulsa.

Auch im Wasser wurde fleißig trainiert. In Tulsa stieg Herbst mit nur drei Minuten Rückstand zur absoluten Spitze aus dem Wasser.
Auch im Wasser wurde fleißig trainiert. In Tulsa stieg Herbst mit nur drei Minuten Rückstand zur absoluten Spitze aus dem Wasser.
Foto: Marcus Herbst