Sportpolitik

Keine finanziellen Sorgen in der Krise

In dieser Corona-Krise zeigt sich eines ganz deutlich: Der Sport in Deutschland ist zweigeteilt.

Von Stefan Rühling
An der Basis brauchen sich die Vereine wenig Sorgen um ihre Sponsoren zu machen.
An der Basis brauchen sich die Vereine wenig Sorgen um ihre Sponsoren zu machen. Foto: Sport Print Zander

Oschersleben - Bei den Profis, allen voran den Fußballern, sorgen ausbleibende Einnahmen für Existenz-Probleme, während sich das Thema an der Basis kaum stellt. Dort geht es vorrangig noch um den Sport selbst, während der Profi-Bereich eine Industrie für sich ist.

Der Sport spielt im Allgemeinen eine besondere Rolle in der Gesellschaft. An der Basis, im Breitensport, kämpfen die Vereine, in Sachsen-Anhalt vertreten durch den Landessportbund (LSB), um mehr Anerkennung und damit Förderung seitens der Politik. Darüber hinaus steht aber schon lange nicht mehr die gesellschaftliche Aufgabe des Sports im Vordergrund. Der professionelle Sport ist eine Industrie, die, speziell im Fußball, von Fernseh- und Sponsoren-Geldern in Millionenhöhe lebt. Damit ist es kein Wunder, dass das Sportsponsoring laut dem Fachmagazin Sponsors bis zum Einbruch der Corona-Krise jährlich zweistellige Wachstumsraten erzielte.

Nur damit scheint auch die Frage beantwortet zu sein, wieso der Profi-Fußball in den ersten drei Ligen Deutschlands stattfindet, während bei den Amateuren – speziell den Kindern und Jugendlichen – der Ball nicht rollen darf. Angesichts der Millionen-Gehälter für Kicker würde der eine oder andere Klub finanziell in Schieflage geraten, wenn mangels TV-Übertragungen die Einnahmen von Sponsoren oder Fernsehanstalten wegbrechen würden.

Im Jahr vor dem Einbruch der Pandemie in Europa, 2019, machte das Sportsponsoring etwa 66 Prozent des gesamten Sponsoring-Marktes in Europa aus. Es handelt sich dabei um eine Summe von etwas mehr als 30 Milliarden Euro. 34 Prozent entfielen auf den Branchen-Primus Fußball, dahinter folgten mit jeweils sieben Prozent Basketball und E-Sport.

Angesichts der anhaltenden Krise ist eines offensichtlich: Der Markt wird nicht weiter so wachsen, wie vor der Pandemie. Experten rechnen mit einem Rückgang an Umsatz von zehn bis 20 Prozent, was in den Millionen-Sphären beispielsweise der Bundesligisten schon existenzbedrohend sein kann. Das zeigt auch das aktuelle Beispiel: der SV Werder Bremen. Nach Angaben des Weser Kuriers hat der Klub in der ersten Hälfte der Saison 2020/2021 bereits einen Fehlbetrag von 17 Millionen Euro ausgewiesen.

Unsicherheit bei Profi-Klubs und Sponsoren

Die Unsicherheit über die finanzielle Lage ist aber nicht nur bei den Verantwortlichen im Profi-Sport groß, sondern auch auf Seiten der Geldgeber. „Jeder Sponsor macht sich Gedanken“, sagte Dirk Huefnagels, Marketing-Chef der Unicredit Bank, bereits im Jahr 2020 gegenüber dem Magazin Sponsors. Trotz Corona-Klauseln, die „mit Sicherheit“ künftig in Sponsoring-Verträge integriert werden, glaubt Huefnagels an eine erfolgreiche Zukunft im Sportsponsoring: „Diese Welt wird zwar neu sein, aber genauso begeisternd wie vor der Krise“.

Dennoch steht der Sponsoringmarkt in Deutschland trotz Corona-Krise auf gesunden Füßen. Dafür ist vor allem die Solidarität zwischen Vereinen und Unternehmen verantwortlich. Bisweilen wurden keine Erbsen gezählt, sondern alle Beteiligten versuchen kreative Lösungen zu finden, die alle Seiten zufriedenstellen.

Daher verwundern auch die Rückmeldungen der hiesigen Vereine zu ihrer finanziellen Lage nicht. „Mein Engagement ist unverändert auf demselben Niveau geblieben, gerade jetzt ist dies umso wichtiger“, sagte Thomas Schwarz, Inhaber einer Versicherungsagentur in Halberstadt und damit Sponsor beim Regionalligisten VfB Germania kürzlich gegenüber der Volksstimme.

So nimmt das auch der Oscherslebener SC von Vereinsseite wahr: „Bisher hat sich kein Partner zurückgezogen“, berichtet der zweite Vorsitzende Rüdiger Breier. „Bei uns ist es sogar umgekehrt. Aufgrund der Baumaßnahmen konnten wir weitere Unterstützer für uns gewinnen und sind in Gesprächen mit weiteren Interessenten.“

Beim Haldensleber SC zeigt die Fieberkurve des Sponsorings zwar nicht nach oben, wird aber auch nicht bedrohlich für die Existenz des Vereins. „Obwohl keine Spiele stattfinden und wir unsere Leistungen nicht erbringen können, sind die großen Sponsoren dabeigeblieben“, sagt Gunnar Schütze, Abteilungsleiter Fußball beim HSC: „Eine paar kleinere haben sich aufgrund der Lage zurückgezogen. Die Verluste sind für den Verein aber tragbar. Wir sind grundsätzlich sehr dankbar für die Unterstützung durch unsere Partner.“

Mitgliederschwund das größere Problem

Carsten Grimm, Vorsitzender des Ummendorfer SV, sieht durch die Corona-Krise gegenwärtig auch keine finanziellen Folgen für seinen Verein aufgrund wegbrechender Sponsoring-Einnahmen. „Bei uns ist das gleichbleibend“, berichtet er. „Im Vorjahr haben wir sogar neue Sponsoren für uns gewonnen. Gekündigt hat bisher keiner. Wir hoffen also, dass das auch dabeibleibt, wenn der Sportbetrieb endlich wieder vollends losgeht.“

Beim SV Hötensleben, der die Bördeoberliga am Ende dieser zweiten Corona-Saison anführt, sind auch weniger die Sponsoren das Problem. „Wir sind finanziell gesund aufgestellt, haben keine teuren Spieler“, erklärt Andreas Hehl. Das Vorstandsmitglied bedauerte viel mehr den Mitgliederschwund. „Ein paar Kinder haben keine Lust mehr.“ Darin sieht er nun die größere Herausforderung, diese wieder für den Sport zu begeistern.