Fußball

Stahlknecht bewirbt sich als Präsident des FSA

Der neunte ordentliche Verbandstag des Fußballverbands Sachsen-Anhalt (FSA) entscheidet über die Frage, wer dem Verband fortan als Präsident vorsteht. Jetzt strebt Holger Stahlknecht den Chef-Sessel an.

Von Max Pefestorff
Als Sportminister hat Holger Stahlknecht verschiedene Sportstätten gesehen und diverse Sportarten probiert. Jetzt strebt er den Chef-Sessel des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt an.
Als Sportminister hat Holger Stahlknecht verschiedene Sportstätten gesehen und diverse Sportarten probiert. Jetzt strebt er den Chef-Sessel des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt an. Foto: Astrid Mathis

Volksstimme: Nachdem Olaf Herbst seinen Rücktritt als Präsidentschaftskandidat publik machte, fiel Ihr Name als ein potenzieller Aspirant auf den Posten des FSA-Präsidenten. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Holger Stahlknecht: Ralf Saalbach (KFV-Präsident Anhalt-Bitterfeld/ Anmerkung der Redaktion) hatte mich am 1. Mai kontaktiert und nachgefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für den Posten des Präsidenten zu kandidieren. Auch durch Erwin Bugar, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis pflegte, hatte ich eine gute Meinung vom Verband. Nach einer Bedenkzeit und Rücksprache mit meiner Familie entstand der Entschluss, dass ich mir durchaus eine Bewerbung vorstellen könnte. Am vergangenen Freitag gab es eine Zusammenkunft mit den Präsidenten der Kreis- und Stadtfachverbände, auf der ich meine Kandidatur bekannt gab. Schon als Innenminister hatte der Sport aufgrund der gesellschaftlichen Bedeutung für mich einen hohen Stellenwert und ich würde gerne als Präsident des FSA, sofern es denn auch gewollt ist, dem Sport etwas zurückgeben.

In Ihrer Position als Innenminister und somit auch Leiter des Resort Sport waren Sie auf einigen Plätzen in Sachsen-Anhalt anzutreffen. Was verbindet Sie mit dem Amateurfußball in unserem Bundesland?

Ich habe über viele Jahre in der politischen Verantwortung hochengagierte Trainer, Betreuer und ehrenamtliche Vereinsvorsitzende kennengelernt, die sich mit einer enormen Leidenschaft der Sache verschrieben haben. Genauso bin ich vielen Eltern begegnet, die mit viel Herzblut den Jugendfußball in unserem Bundesland begleiten.

Der Fußball-Landesverband gab in den vergangenen Monaten kein gutes Bild in der Außendarstellung ab. Grabenkämpfe und Zwiespalt drangen an die Öffentlichkeit. Und auch der Finanzskandal wog schwer. Sollten Sie die Wahl gewinnen, wie streben Sie es an, den Verband wieder auf Linie zu bringen?

Hier wird es eminent wichtig sein, gemeinsam in den Dialog zu treten. Man muss miteinander statt gegeneinander reden! Intrigen sind mir fremd und wer mich kennt, weiß, dass ich den Geist einer ehrlichen Auseinandersetzung vertrete. Ziel muss es auch sein, die Glaubwürdigkeit des Verbandes vor allem an der Basis wiederherzustellen. Für mein Dafürhalten ist auch wichtig, den FSA zu einer gewichtigen Stimme im Ostfußball zu formen. Dieser Herausforderung stelle ich mich gerne, da ich bereits in der Vergangenheit Reformen beim Landessportbund oder dem Landesfeuerwehrverband angeschoben, beziehungsweise mit begleitet hatte.

Große Herausforderungen warten auf den Verband. Neben der pandemischen Situation, die sicherlich noch bis ins kommende Jahr Einfluss nehmen wird, stehen Themen wie die Digitalisierung, der demografische Wandel oder die Entwicklung des Jugendfußballs auf der Agenda. Welche Schwerpunkte beziehungsweise Reformen setzen Sie in einer möglichen Amtszeit als Präsident?

Primär wird es wichtig sein, dass die Funktionsebene miteinander vertrauensvoll arbeitet. Das bedeutet, Präsidium, Verbandsvorstand und die Geschäftsstelle des FSA sollten an einem Strang ziehen. Ich werde, sofern ich gewählt werde, Vereinsdialoge führen und Regionalkonferenzen mit den Vereinen initiieren. Der FSA soll nicht als Ufo über allem schweben, sondern ich möchte wieder an die Basis heran. Die Vereine sollen sich wieder mit dem Verband identifizieren. Auch die Nachwuchsförderung nimmt einen hohen Stellenwert bei mir ein. Da muss die Landespolitik mit ins Boot genommen werden. Ich weiß, dass ich als ein Kandidat außerhalb des Verbandes keinen Vertrauensbonus genieße. Aber wie schon bei meiner Antrittsrede als Innenminister kann ich nur betonen, dass man dieses Vertrauen nicht geschenkt bekommt, sondern sich hart erarbeiten muss.

Aktuell gibt es einen Diskurs in der Vereinslandschaft Sachsen-Anhalts darüber, ob man nicht den Landespokal reformieren und tatsächlich nur die reinen Amateurteams daran teilnehmen lassen sollte. Wie stehen Sie zu dieser Thematik?

Ich würde dieser Reform sehr offen gegenüberstehen. Blickt man auf die Landespokalendspiele der letzten zehn Jahre, so kamen die Teilnehmer oftmals aus Halle und Magdeburg. Es wäre eine große Wertschätzung dem Amateurfußball gegenüber, hier Veränderungen anzuschieben. Ich würde mir dann auch wünschen, dass ein Finale zweier Amateurmannschaften auch in einem großen Stadion ausgetragen würde.

Nicht nur beim FSA wurden intern große Dissonanzen ausgetragen, auch der Deutsche Fußball-Bund geriet zuletzt heftig in die Kritik. Wie bewerten Sie diesen „Verbandshabitus“ und setzen Sie auch beim FSA auf strukturelle Veränderungen?

Wir müssen junge Menschen motivieren, sich in den Dienst der Sache zu stellen. Dies ist enorm wichtig. Sie sollten zudem mit der Basis gut vernetzt sein. Der Verband darf die Bodenhaftung nicht verlieren. Der angesprochene Verjüngungsprozess kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen, Veränderungsprozesse müssen behutsam begleitet werden. In meiner Zeit als Innenminister war ich 2011 bei einer Länderkonferenz vertreten, zu der DFB und DFL geladen hatten. Ich hatte damals den Eindruck, dass die Vertreter, es waren Wolfgang Niersbach und Dr. Reinhard Rauball, in einem Paralleluniversum lebten, mit einer solchen Arroganz trat man uns damals entgegen. Ziel muss es sein, den FSA und die Vereine wieder zueinander zu führen. Ich habe mir daher vorgenommen, sollte die Wahl auf mich fallen, kontinuierlich Spiele im Herren- und Nachwuchsbereich zu besuchen und mit Verantwortlichen und natürlich auch Spielern in den Austausch zu treten.