Sport

Sachsen-Anhalt-Spiele in Magdeburg sind ein absoluter Erfolg

Nachdem die Sachsen-Anhalt-Spiele im Jahr 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen waren, gab es die Neuauflage in Magdeburg.

Von Kevin Gehring und Thomas Koepke
Mio Tarras aus Kalbe probiert sich hier beim Weitsprung.
Mio Tarras aus Kalbe probiert sich hier beim Weitsprung. Fotos: Landessportbund/Popova

Magdeburg - Der Landessportbund hatte zuvor für die Veranstaltung im April 2021 in Halle kein grünes Licht für eine Durchführung erhalten, umso größer war die Freude bei den Organisatoren und allen teilnehmenden Mädchen und Jungen riesig, als klar war: das Talenttreffen in Magdeburg kann stattfinden.So gingen 800 Schüler am Wochenende in Magdeburg an den Start.

Für gewöhnlich hängt Silke Renk-Lange ihren Olympiasieg nicht an die große Glocke. Am Sonnabend aber hatte die Präsidentin des Landessportbundes Sachsen-Anhalt (LSB) die Goldmedaille von ihrem Triumph im Speerwurf von den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona in der Tasche – aus gutem Grund. Zur Eröffnung der Landesjugendspiele präsentierte sie diese den circa 200 Drittklässlerinnen und Drittklässlern, die mit ihren Eltern der Einladung des LSB auf die Leichtathletik-Anlage an der MDCC-Arena gefolgt waren. Sie zeigte ihnen, was mit einer Mischung aus harter Arbeit und sportlichem Talent möglich ist.

Die größte Herausforderung war es, eine Firma zu finden, die uns die Tests durchführt und das notwendige Equipment dafür zu besorgen.

Stefan Brückner (Projektkoordinator)

Um die Sichtung eben jener sportlichen Veranlagungen geht es bei den Sachsen-Anhalten-Spielen, die nunmehr im sechsten Jahr ausgetragen wurden. In insgesamt vier Durchgängen konnten sich über das Wochenende verteilt in etwa 800 Grundschülerinnen und Grundschüler aus dem Norden Sachsen-Anhalts den Landestrainern der olympischen Kernsportarten vorstellen – und dabei ihre sportlichen Talente präsentieren. Ob in der Leichtathletik im Sprint, Weitsprung und Schlagballweitwurf, auf dem Ergometer beim Rudern und Kanu oder beim Handball und Judo – das Angebot war breitgefächert.

Möglich war dies in Zeiten der Corona-Pandemie natürlich nur unter strikten Vorkehrungen. „Wir haben vor circa drei Wochen die Veranstaltung als Modellprojekt bei der Stadt Magdeburg beantragt“, erzählt Projektkoordinator Stefan Brückner. Nachdem das eingereichte Hygienekonzept durch das Gesundheitsamt angenommen wurde, gab es am vorvergangenen Mittwoch grünes Licht aus der Politik, so dass die genauen Planungen aufgenommen werden konnten. „Die größte Herausforderung war es, eine Firma zu finden, die uns die Tests durchführt und das notwendige Equipment dafür zu besorgen“, berichtet Brückner.

Denn das Hygienekonzept sah unter anderem vor, dass sämtliche teilnehmenden Kinder ebenso wie deren Begleiter sowie die Trainer sich zuvor Corona-Testungen unterziehen mussten. Die nahe gelegene Mehrzweckhalle wurde so kurzerhand für zwei Tage zum Schnelltestzentrum umfunktioniert. Die LSB-Organisatoren wurden auf ihrer Suche fündig, so dass auch die letzte Hürde rechtzeitig aus dem Weg geräumt wurde.

So konnte am Sonnabend pünktlich um zehn Uhr der Startschuss erfolgen – beispielsweise bei der Sprint-Station von Melanie Schulz. An dieser wurden zwar auch die bloßen Zeiten des 30-Meter-Sprints mit fliegendem Start notiert, doch achtete die Landestrainerin zugleich auf die Form der Bewegungen. „Es geht uns auch um das Laufbild“, erklärte die frühere Langstrecken- und Hindernisläuferin.

Der Spaß wurde dabei auch sehr groß geschrieben

Ebenso verhielt es sich wenige Meter nebenan beim Schlagballweitwurf. „Wir lassen die Kinder einfach werfen und nehmen keine größeren, technischen Korrekturen vor“, erzählten die Betreuer der Station. Wichtig sei es, herauszufinden, „ob die Kinder ein natürliches Gefühl für die Bewegung haben.“ Wenn mit dem 80 Gramm schweren Ball dann auch noch Weiten von über 45 Metern heraussprangen, wurden sich fleißig Notizen gemacht.

So auch bei der dritten Leichtathletik-Station im Weitsprung, der ebenso unter freiem Himmel ausgetragen wurde. Und der trotz nicht immer optimaler Wind-Verhältnisse so einige vielversprechende Sprünge hervorgebracht hat.

Auch in den Räumlichkeiten des Olympiastützpunktes wurden sich fleißig Werte notiert. Nämlich jene, die die Mädchen und Jungs auf den Ruder- und Kanu-Ergometern erzielt haben. „Für uns ist wichtig, ob die Kinder den Bewegungsablauf antizipieren können, nachdem sie ihn einmal vorgemacht bekommen“, erklärte Kanu-Regionaltrainer Lutz Bengsch. „Man erkennt das, ob jemand das nötige Bewegungsgefühl hat.“ Und solche „Bewegungs-Talente“ hat Bengsch ausmachen können: „Von der Motorik waren schon einige begabte Kinder dabei.“ Ebenso zufriedenstellend fiel das Fazit der Ruderer aus, die jeweils vier Kinder einen virtuellen 100-Meter-Sprint gegeneinander fahren ließen und dabei sowohl auf die Bewegungsabläufe als auch die Zeiten schauten.

Noch schwieriger als ohnehin schon erweist sich die Sichtung beim Judo oder Handball. Immerhin können hierbei während eines 20-minütigen Stationaufenthalts keine Werte erhoben werden, die allein einen „trockenen Vergleich“ ermöglichten.

„Manche Kinder sehen Judo bei uns überhaupt zum ersten Mal“, erzählte Landestrainer Mike Kopp, während er auf die Leinwand hinter sich deutete: „Darum lassen wir hier ein Video laufen, damit sie die Vorstellung dafür bekommen, wie das in der Praxis aussieht.“ Talente auf der in regelmäßigen Abständen desinfizierten Matte erkannte Kopp dennoch so einige. Und zwar während der turnerischen Elemente zur Erwärmung oder anschließend beim „Wettkampf“, in dem das Gegenüber von der Matte gedrückt werden sollte. „Dabei sieht man schon, wer ein gutes Bewegungsgefühl hat, den Ehrgeiz mitbringt und kämpferisch veranlagt ist“, so Kopp. Dabei genügten dem Landestrainer oft nur kurze Eindrücke für seine Notizen auf dem Laptop. „Ich bin schon seit 1984 als Trainer unterwegs. So langsam entwickelt man da einen Blick für“, erklärte der Stationsleiter mit einem Grinsen im Gesicht. „Da genügen manchmal schon Kleinigkeiten.“

Werfen und Fangen sind die Grundvoraussetzungen fürs Handballspielen.

Jens Aebi (Bezirksstützpunkttrainer)

Auf diese achtete auch Jens Aebi bei der Handball-Station, die auf dem Freiluft-Feld aufgebaut wurde. „Werfen und Fangen sind die Grundvoraussetzungen fürs Handballspielen“, erzählte der Bezirksstützpunkttrainer, „aber vor allem geht es uns bei den Übungen darum, ob jemand koordinativ veranlagt ist.“ Wer von den Kindern also im Anfersen-Lauf mit der rechten Hand den Ball dribbeln und parallel mit dem linken Arm kreisen konnte, der rückte ganz besonders in den Fokus. „Unser Hauptaugenmerk ist es aber, in der kurzen Zeit den Spaß zu vermitteln, den wir am Handball haben“, betonte Aebi.

Der Spaß stand nach den langen pandemischen Monaten und dem Ausfall der Sachsen-Anhalt-Spiele im Vorjahr ohnehin im Vordergrund – sowohl für die Trainer als auch für die Teilnehmer. „Wenn man die strahlenden Kinderaugen beim Sport sieht, weiß man, dass sich die aufwendige Vorbereitung gelohnt hat“, resümierte Organisator Brückner zufrieden. Medaillen gab es für die teilnehmenden Kinder auch – und vielleicht hält eines der am Wochenende gesichteten Talente eines Tages selbst mal olympisches Edelmetall in den Händen.

Chester Jankowski aus Klötze beim Schlagballweitwurf.
Chester Jankowski aus Klötze beim Schlagballweitwurf.
Foto: LSB / Popova