Sport

Paintball Sportverein Staßfurt wächst trotz fehlendem eigenen Spielfeld

Seit Februar 2019 gibt es in Staßfurt einen Paintball Sportverein mit mittlerweile 26 Mitgliedern. Obwohl der Verein bisher keine eigene Spielstätte hat, treffen sich die Sportler alle zwei Wochen zum Spielen. In Sachsen-Anhalt gibt es mehrere Spielfelder.

Von Enrico Joo
Die Staßfurter spielen vor allem die Paintball-Variante ?Woodland? unter freiem Himmel.
Die Staßfurter spielen vor allem die Paintball-Variante ?Woodland? unter freiem Himmel. Foto: Paintball Sportverein Staßfurt

Staßfurt - Alles fing 2015 an. Eine bunt durchgewürfelte Truppe von acht Personen aus der Region Staßfurt hatte Lust auf eine etwas andere Freizeitbeschäftigung. Sie schlossen sich zusammen, besorgten sich Masken und Markierer und spielten das erste Mal zusammen Paintball. Und was Spaß macht, treibt ja weiter an. Seit sieben Jahren also treffen sich die Männer und auch Frauen mindestens einmal im Monat und betreiben diesen taktischen Mannschaftssport, der wie viele Sportarten seine Wurzeln in den USA hat.

Die Begeisterung blieb. Aus acht Sportlern wurden bis heute 26, Tendenz weiter steigend. Seit dem 19. Februar 2019 gibt es auch einen richtigen Verein: den Paintball Sportverein Staßfurt. Neben den 23 Männern sind auch drei Frauen Mitglied. Die Vereinsmitglieder kommen aus Staßfurt, Förderstedt, Nienburg, Bernburg, aber auch Goslar. Neben einem Verein aus Biere ist der Paintball Sportverein aus Staßfurt der einzige im Salzlandkreis.

Was macht den Sport aus? „Es ist am Wochenende ein guter Ausgleich“, sagt Christian Kral aus Staßfurt, der bereits seit 2015 Paintball spielt. Es ist die Gemeinschaft, der Wettkampf, der soziale Kontakt, die zusammenschweißen.

Der Staßfurter Verein spielt vor allem Woodland Paintball. In abgesperrten Gebieten unter freiem Himmel zwischen Bäumen, Gebäuden oder Autos wird im taktischen Wettkampf versucht, das gegnerische Team auszuschalten. Dabei ist es Pflicht, eine Maske zu tragen. Die schützt vor schweren Verletzungen im Gesicht. Sonst gibt es keine Vorschriften. Es empfiehlt sich aber, luftig gepolsterte Kleidung zu tragen. Geschossen wird mit einer Druckluftwaffe, die „Markierer“ genannt wird. Die Spieler markieren sich mit Farbkugeln. Die Kugel platzt beim Aufprall. Wer markiert wird, scheidet aus.

Das klingt einfach. Der Sport ist aber vielfältig und hat viele Facetten. Die Wurzeln des Sports liegen in den 1940er-Jahren. In den USA entwickelte sich Paintball zu einem Sport mit zahlreichen Varianten. Die USA sind auch der größte Markt.

Ligensystem in Deutschland bis zur achten Liga

Auch in Deutschland wird der Sport professionell betrieben. Bis zu 100.000 Menschen haben in Deutschland schätzungsweise schon einmal Paintball gespielt. In der Deutschen Paintball Liga (DPL) gibt es ein Ligensystem, das bis zur achtklassigen Bezirksliga herunterreicht. Aber: Es wird ausschließlich die „SupAir“-Variante gespielt. Das heißt: Es gibt eine feste Anzahl von fünf Spielern. Das Spielfeld beträgt exakt 45 mal 36 Meter, die Anordnung der künstlichen Hindernisse ist genau festgelegt, es gibt feste Spielertypen. Die Spielrunden können nach 15?Minuten beendet sein. Für den Staßfurter Verein ist „Sup-Air“ keine Option. „Es ist sehr teuer. Die Startgelder betragen 238 bis 2380 Euro“, erzählt Kral. Dazu sei es sehr zeitaufwendig. An mehreren Wochenenden im Jahr reisen die Teams an verschiedene Standorte, um dort in Turnierform einen Spieltag auszuspielen.

Dazu: In der Region gibt es nur wenige „SupAir“-Spielfelder. Gerade in Sachsen-Anhalt ist „Woodland“ die vorherrschende Spielart. Aus gutem Grund: „Man ist ungebunden, kann Teams mischen“, so Stefan Kampert aus Förderstedt, der seit 2017 Paintball spielt.

Während in den USA Sportler vom Paintball leben können, ist es auch für die Staßfurter ein reines Hobby. Wenn auch kein billiges. Das liegt vor allem an der Ausrüstung. Maske, Markierer und Hopper (Munitionsbehälter) kosten zusammen schon mal mehrere Hundert Euro. Für eine vernünftige Ausrüstung müssen schon mal 500 Euro gezahlt werden. Markierer und Hopper können ein paar Jahre halten, das Maskenglas muss aber fast jährlich neu gekauft werden.

Große Auflagen für eigene Spielstätte

Die Staßfurter fahren zum Spielen meist nach Hettstedt. Aber auch in Zerbst, Schönebeck, Burg oder Halle gibt es bis zu 10.000 Quadratmeter große Spielfelder, die von jedem gebucht werden können. Die geübten Spieler aus Staßfurt buchen das Feld in Hettstedt meist für den ganzen Tag und dürfen dieses wegen eines Deals mit dem Betreiber günstiger buchen.

Eine eigene Spielstätte haben die Staßfurter bisher nicht. Auch deswegen wurde 2019 ein Verein gegründet, um bessere Argumente bei der Suche zu haben. „Sonst werden wir einfach nicht ernst genommen“, sagt Christian Kral. Ein eigenes Feld würde Kosten sparen, aber die Suche ist schwierig. „Die Auflagen sind groß“, so Kral. Industriebrachen wären ideal als Standort.

Lose Gespräche gab es schon einmal in Staßfurt. Nachdem sich diese zerschlagen hatten, gibt es derzeit keinen konkreten Platz. „Das Gelände müsste 400 Meter von jeder Bebauung entfernt sein. Es darf nicht einsehbar und muss abgezäunt sein. Jedes Jahr müssen Bodenproben genommen werden“, so Kral. Die Auflagen sind fast nicht stemmbar für den kleinen Verein.

In Corona-Zeiten kaum Möglichkeiten

Und so gehen die Staßfurter auf Reisen. Vom 1. bis zum 4.?Juli soll in Polen kurz hinter Forst in der Lausitz wieder ein „Scenario Big Game“ steigen. Bis zu 1300 Spieler kommen aus mehreren Ländern zusammen. Bei diesen Spaßevents sind oft Missionen zu erfüllen, bei denen auch schon einmal 500 gegen 500 spielen. „Da sind auch Bundesliga-Teams dabei. Da kriegt man auch schon mal die Jacke voll“, sagt Clemens Wendel aus Nienburg, der seit 2018 Paintball im Staßfurter Verein spielt. Der Lerneffekt ist groß. Es entwickeln sich aber auch Freundschaften. Man lernt sich kennen. So wie zum Beispiel ein Team aus der Nähe von Berlin.

In der Corona-Zeit war der Verein aus Staßfurt freilich lange zur Untätigkeit verdammt. Seit dem Lockdown im November war kein Spielen möglich. Durch die ersten Lockerungen konnten die Staßfurter immerhin am Männertag in Schönebeck spielen. Am Sonnabend, 5. Juni, wollen sich die Spieler in Hettstedt treffen, um endlich wieder dem Lieblingshobby nachzugehen. „Zum Glück machen ab nächster Woche wieder einige Spielfelder auf. Dann ist mit Test und Corona-Selbstauskunft wieder etwas möglich“, sagt Christian Kral.

Ob die Staßfurter ihren Sport auch mal in einer Liga betreiben wollen? „Eher nicht“, sagt Kral. Zumindest nicht in der Variante „SupAir“. Ein Team aus Zerbst spielt in der Bezirksliga. Für die Staßfurter ist der Aufwand zu groß.

Deutschland ist laut der Staßfurter weltweit der zweitgrößte Markt für Paintball neben den USA. Dort gibt es ganz andere Bedingungen, um den Sport zu betreiben. „In den USA fangen die Kinder bereits mit zehn oder zwölf Jahren mit dem Sport an“, erzählt Christian Kral. „Bei uns darf der Sport erst ab 18 Jahren betrieben werden.“ Das hängt mit den deutschen Waffengesetzen zusammen. Denn rein rechtlich gilt der Markierer als Waffe. Die Betreiber von Spielfeldern brauchen eine Waffenhandelslizenz. Und so kommt es, dass Paintball-Spieler aus den USA oft zehn Jahre mehr Erfahrung haben, wenn deutsche Spieler erst einmal mit dem Sport beginnen. „Das holt man nicht so schnell auf“, sagt Kral.

Paintball ungefährlich bei richtiger Ausstattung

Dabei ist der Sport ungefährlich bei richtiger Ausrüstung. „Es gibt schon mal blaue Flecke“, sagt Stefan Kampert. Die Geschwindigkeit der Farbkugeln ist genau eingestellt und darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten, damit ein Treffer nicht zur Gefahr wird. Die Kugel selbst besteht aus einer Gelatinehülle. Gefüllt ist sie mit harmloser Lebensmittelfarbe.

Ob der Sport Gewalt verherrlicht? Es gab wissenschaftliche Untersuchungen, die das verneint haben. Diskussionen für ein Verbot gab es überregional immer mal wieder. Besonders nach Amokläufen, auch wenn eine Verbindung zum Paintball gar nicht bestand. Für die Staßfurter ist das freilich unverständlich. Sie sind normale Bürger mit einem Hobby.

Einer arbeitet als Baumpfleger, ein anderer auf Montage. Ein Dritter hat seine Freundin mit der Begeisterung angesteckt, sie spielt ebenfalls mit. Und er wird von seinen Kollegen lachend gehänselt, weil er ein paar Kilo mehr wiegt. „Ich kann aber auch ein schneller Spieler sein“, betont er. Schnell ist vor allem Christian Kral. „Kein Wunder, bei diesem Mädchenkörper“, wirft Clemens Wendel lachend ein.

Es ist der Spaß an der Freude, der die Paintball-Spieler aus der Region Staßfurt zusammenführt. Neue Spieler sind erwünscht. „Mehr als 40 bis 50 Spieler sollten es aber nicht werden. Wir wollen familiär bleiben“, so Kral.