Gödnitz l Fast schwerelos schwebt Anne Borchers über den Boden, nachdem sie die Rampe mit ihrem Motorrad hochgesprintet ist. Die Vize-Weltmeisterin hat sich einen Tag Zeit genommen und trainiert mit Kindern. Wer später einmal ganz vorn mitfahren will, muss wie bei allen anderen Sportarten sehr früh anfangen. Einige der kleinen Sportler mit Mortorradcombi und Helm können noch nicht lang selbst laufen, sitzen aber schon auf einer kleinen Maschine. Rund zehn Pferdestärken haben die kleinen Maschinen, die fast wie ein Gartengerät klingen.

Einen Tag lang üben die Kinder hier, begleitet von ihren Eltern, was es bedeutet, auf einer Crossmaschine über den Parcours zu fahren. Am Morgen sind die Bedingungen zunächst weniger optimal. Der Regen der vergangenen Tage hat die Strecke aufgeweicht. Der hohe Lehmanteil im Boden macht sich nun unangenehm bemerkbar. Die Reifer haben zwar dicke Stollen, die dafür sorgen sollen, dass die Fahrt keine Rutschpartie wird. Doch schnell setzt sich der Lehm in die Zwischenräume.

Das Fahren auf dem schwammigen Untergrund sei deshalb nicht einfach, sagt die erfahrene Trainerin. Morgens beginnt sie den Tag mit den neun Kindern zunächst mit Sport. Denn eine entsprechende Kondition müssen die Motorradfahrer mitbringen. Die meiste Zeit stehen sie nämlich auf dem Motorrad. Nur in den Kurven setze sie sich mal hin, schildert die Trainerin.

Bilder

Der Tag für den Nachwuchs ist vor allem dazu da, dass die Kinder auf einer echten Strecke Erfahrungen sammeln können. Morgens fahren alle noch recht langsam und zaghaft. Das sieht am späten Nachmittag schon anders aus. Hier haben sie bereits ein Fahrgefühl entwickelt, können die Rampen und due Kurven einschätzen. Die ersten trauen sich da bereits zu, mit der Maschine Sprünge zu wagen. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit heben die Maschinen mit den kleinen Fahrern ab.

Aufmerksam verfolgt die Trainerin die Fahrten, um den Kindern hinterher eine Einschätzung ihrer Eindrücke zu geben. Ramon Göhring, der als Vorstandsmitglied den Tag mit verfolgt, ist zufrieden. Die Beteiligung von neun Kindern sei sehr gut, meint er. Schließlich sei das Hobby ein absoluter Exot unter den Sportarten. Die Familien kommen deshalb auch aus größerer Entfernung an den Rand der Einheitsgemeinde Zerbst. Bis aus Jerichow oder Groß Rosenburg kommen die Familien mit ihren Kindern. Für den kleinen Verein in Gödnitz ist die Veranstaltung eine Möglichkeit, mal auf sich aufmerksam zu machen und so schon früh neue Mitglieder zu gewinnen. Deshalb wird so ein Tag mehrfach im Jahr veranstaltet.

Doch Corona hat auch den Motorsport viel durcheinander gewirbelt, sagt Anne Borchers. Erst viel später als beispielsweise Fußballer durften sich die Motorradfreunde wieder auf ihre Maschinen setzen. Obwohl jeder Fahrer allein auf seiner Maschine sitzt und die Fahrer weit voreinander entfernt sind, hätten sie wochenlang nicht fahren dürfen, schildert sie. Inzwischen herrsche wieder Normalität. Regelmäßig ist die junge Frau auf der Anlage. Sie lebt für den Sport auf den zwei Rädern.

In den kommenden Wochen stehe ein wichtiges Rennen in Italien an, erzählt sie. Bis dahin könne sie aber noch etwas trainieren. Gut haben sich die Kinder an dem Tag entwickelt, schätzt sie ein. Anfangs seien sie noch sehr zögerlich gewesen und den Tag über richtig aufgetaut. Am Nachmittag liefern sich zwei von ihnen sogar ein richtiges Rennen. Fast gleichzeitig fahren die beiden über die Ziellinie. Damit die Kinder ihren Ehrgeiz behalten, gibt es nach dem Rennen für sie eine Urkunde. Dann, wenn die Sonne langsam hinter der Elbe sich dem Horizont nähert, wird es wieder ruhiger am Ortsrand von Gödnitz. „Die werden heute sehr gut schlafen“, sagt Ramon Göhring über die Kinder. Das sei für sie ein aufregender Tag gewesen.