Berlin (dpa) - Der 1. Mai wird diesmal wegen der Pandemie anders ablaufen als üblich: Keine großen Kundgebungen zum "Tag der Arbeit", keine Gewerkschafter-Reden auf vollen Plätzen, keine Latsch-Demos mit roten Fahnen - soziale Distanz in Corona-Zeiten macht's nötig.

Aktuelle, frische Musik zum Mai-Feiertag gibt es aber trotzdem, und zwar vom kanadischen Folk-Duo Ariel Sharratt & Mathias Kom.

Für ihr Album "Never Work" (BB*Island) hat das Paar neun "Lieder über Arbeiter, Lieder für Arbeiter - oder beides zugleich" aufgenommen, die aufmunternd klingen und mit bissigen, humorvollen Texten eindringlich zur Kapitalismuskritik aufrufen. Da singen sie beispielsweise "Rise Up Alexa" - gerichtet an das Sprachsystem, das immer häufiger unseren Alltag bestimmt. "Rise up and overthrow Your masters", mit diesen Zeilen rufen Sharratt & Kom die geknechtete Alexa zur Revolution auf. Oder sie lassen in "Two Jeffs" den superreichen Amazon-Chef Bezos als Schurken auftreten.

"Die Arbeit verändert sich. Roboter ersetzen uns. Der Kapitalismus zerbröselt. Wir brauchen einen neuen Soundtrack - aber wie klingen 'work songs' in einer Zukunft, in der die Natur der Arbeit selbst so unsicher ist?" Das fragen sich die beiden Mitglieder der Garage-Folk-Truppe The Burning Hell aus Peterborough/Ontario, und sie finden ganz eigene, teils originelle Antworten. Ihre Lieder sind sparsam instrumentiert, mit typischen Folk-Instrumenten wie Banjo, Pumporgel oder Klarinette, aber auch mit einigen netten Vintage-Elektronik-Spielereien.

Die Agitprop-Parolen von Ariel Sharratt & Mathias Kom werden also an diesem Freitag wohl noch nicht auf linken Demonstrationen gesungen - aber es kommt ja auch wieder ein 1. Mai ohne Corona-Beschränkungen. Genug Ohrwurmcharakter haben die an Woody Guthrie, Pete Seeger und Bob Dylan orientierten Lieder der beiden Kanadier jedenfalls allemal. Aufmüpfige Lyrics zu munter-lässigen Folk- und Blues-Arrangements - diese Mischung passt. "Eat The rich, never work - good night", heißt es am Schluss eines charmanten Revoluzzer-Albums.

Website The Burning Hell