Berlin (dpa) - Der schreckliche Unfall schwingt immer mit: Der Bandbus von Baroness stürzte 2012 während einer Tour in England etliche Meter in die Tiefe - alle überlebten zwar den Alptraum, zwei Mitglieder verließen aber danach die Band. Das Ende von Baroness aber sollte es nicht sein...

Schon kurz nach der Katastrophe bereits neu formiert, liefern Baroness nach ihrem hochgelobten Album Yellow & Green (2012) mit Purple (Abraxxan Hymns/Universal Music) ihr genreübergreifendes Meisterwerk ab. Natürlich sei das Album über den Unfall und was sich alles daraus ergebe, meinte Sänger/Gitarrist John Baizley in einem Interview mit kanadischen Musikmagazin Exclaim!. Aber direkt davon würde Purple nicht handeln.

Spürbar ist die Lebensfreude, mit der Baroness zu Werke geht. Dazu passt auch das geradezu paradiesisch angehauchte Cover von Baizley, das stilistisch irgendwo zwischen Jugendstil, den Präraffaeliten und Kitsch seinen Platz findet. Und Purpur war schon immer die wertvollste Naturfarbe aller Zeiten... Allerdings ist natürlich nicht alles eitel Sonnenschein: Den Rest des Booklets zieren Totenköpfe, aus denen Insekten krabbeln und Pilze wachsen.

Welch ein schönes Spannungsfeld, das auch in der Musik von Baroness widerhallt, die sich zwischen erdenschwerem Stoner-Rock und elysischen Hymnen (Chlorine & Wine) bewegen. Dabei haben die US-Amerikaner mit den geschmeidigen Riffs ihr Vokabular gestrafft: Es ist kürzer und direkter, erklärte Baizley im Exclaim!-Interview den Unterschied zu den Vorgänger-Alben, die allesamt nach Farben benannt sind.

In ein enges Metal-Korsett hat sich die Band noch nie spannen lassen, auf Purple aber sind Baroness noch mehr zu einer kraftvollen Rockband geworden, die mit Pop-Elementen und harmonischem Chorgesang nicht nur Headbanger in Ekstase versetzen dürfte. Da blubbern schon mal die Synthies, wird der Weg Richtung Klassik eingeschlagen oder meint man sogar Glockengeläut zu hören.

Mit Purple werden sich Baroness sicherlich ein neues Publikum erschließen, das nicht nur auf Heavy abfährt - geblieben aber sind natürlich die doppelläufigen Gitarrensoli, die auch weiterhin als Konstante für einen flirrenden (Geschwindigkeits-)Effekt sorgen.

Und nachdem Yellow & Green bereits auf Platz 13 der deutschen Charts landete, dürfte es jetzt wohl noch ein bisschen weiter nach oben gehen.

Tourdaten 2016: 15.03. Leipzig - Conne Island, 16.03. München - Backstage Werk, 20.03. Berlin - SO36, 21.03. Köln - Stollwerck, 26.03. Hamburg - Grünspan, 01.04. Hannover - Faust, 02.04. Wiesbaden - Schlachthof

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