Berlin (dpa) - Der entspannte Latin-Pop-Song "Havana" hat Camila Cabello ziemlich weit getragen. Und der Höhenflug ging mit "Señorita" ungebremst weiter. Das Duett mit ihrem Freund Shawn Mendes wurde allein auf YouTube mehr als 800 Millionen Mal angeklickt. Und einen American Music Award gab es dafür vor kurzem noch obendrauf.

Sorgte Camila Cabello kürzlich noch für Aufsehen, als sie den Diebstahl eines Bleistifts aus dem Kensington-Palast gebeichtet hat, dreht sich bei der Hit-Sängerin jetzt wieder alles um die Musik - und die Liebe: "Romance" heißt ihr zweites Album.

"Ich wollte, dass dieses Album so klingt, wie sich Verlieben anfühlt. Eine ziemlich unmögliche Sache zwar, aber ich kann sagen, dass ich alles gegeben habe, was ich hatte", schrieb sie auf Twitter.

Schon auf ihrem Debüt "Camila" (2018) hat die Tochter eines Mexikaners und einer Kubanerin, die in den USA aufgewachsen, die Latin-Karte eher verhalten ausgespielt. Auf die endlose Variation einer erprobten Erfolgsformel hat sie klugerweise verzichtet. Und das gilt auch klar für "Romance".

Midtempo-Pop, feine Balladen, Drama, ein bisschen Hip-Hop und ein Hauch Latin-Sound - das sind die Zutaten zu dem Album "Romance", das mal beschwingt, mal herzergreifend die ganze Skala der Emotionen durchmisst. "Sich zu verlieben ist eine endlose Anzahl von Ebenen, Schichten und Winkel", sagte sie "Variety" - und das spiegelt sich in "Romance" vielfältig wider.

Dabei zeigt sie sich ganz offen: "Meine Gefühle sind schutzlos, sie machen mich verrückt", singt sie schon in dem mit smarten Beats unterlegten Opener "Shameless", der vorab bereits als Single veröffentlicht wurde.

Prompt wurde damals heftigst darüber spekuliert, ob sich der Song etwa um Shawn Mendes dreht. Die beiden kannten sich schon längere Zeit, bis es bei ihnen schließlich gefunkt hat. Sicher ist, dass viel Autobiografisches in das Album eingeflossen ist. Wer was wann wie wo und mit wem - das Rätselraten ist eins der großen Vergnügen des Albums.

Schöne Lyrics gehören auch dazu: "Wenn du mich berührst, male mich wie ein Gemälde van Goghs", fordert Camila Cabello in "Living Proof" und schraubt ihre Stimme ganz nach oben.

Mit viel Rhythmus - aber doch verhaltener Instrumentierung - steuert die Sängerin schließlich auf "Señorita" zu, nimmt den Latin-Schwung bei "Liar" mit, um schließlich mit einer Handvoll berührender Balladen den zweiten Teil des Albums zu besetzen. Zwischendurch zieht sie aber auch schon mal das Tempo an, wie in "Cry for Me", das eine rockige Camila zeigt, die keine Angst vor E-Gitarren hat.

Natürlich ist nicht alles Sonnenschein in der Welt des Verliebtseins. In "Should've Said It" geht es um eine zerbrochene Beziehung, aber die Schmetterlinge überwiegen: "Ich habe San Francisco nie gemocht, bis du mich dort geküsst hast" ("Used to This").

Den emotionalen Höhepunkt hat sich Camila Cabello für den Schluss aufbewahrt: die ergreifende Gänsehaut-Piano-Ballade "First Men". Das sei für sie der schwierigste Song gewesen, "weil ich geweint habe, als ich ihn geschrieben habe", verriet die Sängerin in einer Frage-und-Antwort-Runde auf Spotify. Sie sei jede halbe Stunde im Badezimmer verschwunden, um zu heulen.

Das Lied richtet sich an ihren Vater, von dem sie sich jetzt löst - und lösen muss: "Oh, du wirst ihn mögen, er ist wirklich nett. Und er ist lustig - wie du manchmal. Und ich habe jemanden gefunden, den ich wirklich mag. Vielleicht zum ersten Mal." Taschentücher raus.

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