Berlin (dpa) - Ein Sommeralbum im verregneten November: Die in Deutschland bisher weitgehend unbekannte Fay Hallam kommt mit ihrer ultra-lässigen Soul/Jazz/Bossa-Mixtur eigentlich ein paar Wochen zu spät. Aber kann es für gute Musik jemals zu spät sein?

Denn Corona (Blow Up/Cargo) ist richtig gute Musik, mit der es die Britin aus der unspektakulären Stadt Wolverhampton zum Jahresende sicher noch in einige Bestenlisten schaffen wird. Zumindest bei denjenigen, die gut produzierte Popsongs mit Groove und großer Stimme mögen. Fay Hallam ist nämlich eine ganz famose Sängerin, keine von der pechschwarzen Soul-Sorte, sondern eher in der Tradition einer Tracey Thorn (Everything But The Girl), Lisa Stansfield oder - wer nach älteren Vorbildern sucht - Karen Carpenter und Astrud Gilberto.

Fay Hallam schätzt offenkundig einige dieser Großen ihres Genres, und das hat gute Gründe. War sie doch schon bei der 1984 gegründeten Mod-Pop-Band Makin' Time aktiv, die eines ihrer Alben programmatisch Rhythm 'n' Soul (1985) betitelte. Die Sängerin mit der perfekt sitzenden Bob-Frisur und dem smarten Profil ist also demnach nicht mehr ganz so jung, wie es das Albumcover von Corona suggeriert, sie hat auch schon eine beachtliche Karriere hinter sich.

Diese Erfahrungen nutzt sie nun zu einer souveränen, selbstbewussten Performance (wer Maybe I'm Amazed von den Beatles so in den Jazz überführt wie Hallam, der muss souverän und selbstbewusst sein). Songs wie das hinreißend swingende Beck (benannt nach einem weiteren Vorbild), das von Bass, Bläsern und E-Piano angetriebene Sunny, der Samba-Jazz-Track Arco oder die Italowestern-Hommage Giving Myself Away könnten in diesem Winter manche Cocktailparty veredeln. Und im nächsten Frühjahr oder Sommer erst recht. Dann käme Corona doch noch zur rechten Zeit.

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