Berlin (dpa) - Der Vorgänger war ein politisches Folkrock-Album, geprägt vom Schock über die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten. Auf "We're Not Going Anywhere" (2017) sang sich der mexikanisch-stämmige US-Amerikaner David Ramirez Sorgen über den Kurs seines Landes von der Seele.

Auf "My Love Is A Hurricane" (Sweetworld/Thirty Tigers/Membran) wendet er sich nun dem Persönlichen zu. Und auch dies gelingt Ramirez in eindringlichen Texten zu schönen Melodien zwischen Pianopop, Rock, Singer-Songwriter-Musik und sogar R&B/Gospel ("Hallelujah, Love Is Real!").

Teilweise klingt das auch mal "nur" nach solidem Handwerk, aber die Stimme dieses Musikers rettet selbst eher konventionelle Stücke. Besonders Ryan "Heartbreaker" Adams kommt einem in den Sinn, wenn man Ramirez' tolle Vocals hört.

Vor drei Jahrem hatte das geschätzte britische Musikmagazin "Uncut" einen noch viel höher greifenden Referenznamen herangezogen: "If Springsteen made a record about living in Trump’s America, you’d hope it might sound something like "We’re Not Going Anywhere"",hieß es da. Was den Gesang betrifft, war auch Roy Orbison als Vorbild des Texaners kaum zu überhören.

"My Love Is A Hurricane" schildert als introspektiveres Album nun in zehn Liedern den Weg einer stürmischen Beziehung - vom Verliebtsein bis zur Trennung. Denn nach der Hälfte der Zeit, in der das Album geschrieben wurde, zerriss das Band zur Liebsten, und Ramirez musste versuchen, seine negativen Gedanken in Worte zu fassen.

"Ich erinnerte mich an eine großartige Zeile aus dem Film "Vanilla Sky": Das Süße ist nie so süß ohne das Saure. Ich beschloss, die Liebe zu feiern", sagt der Singer-Songwriter über den Bogen des Albums bis zum melancholisch-trotzigen Closer "Prevail!". Dies ist ihm jetzt mit einer ambitionierten Platte gelungen, die ihn zu einem der neuen Hoffnungsträger des klassischen Americana-Sounds reifen lässt.

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