Berlin (dpa) - Vom "Deutschen Kleinkunstpreis" 1991 über mehrere "Preise der Deutschen Schallplattenkritik" bis zum "Liederpreis der Liederbestenliste" 2016: Manfred Maurenbrecher wird seit langem immer wieder für seine Werke ausgezeichnet.

Der Berliner Liedermacher ist ein Kritikerliebling par excellence - und zugleich ein beim breiten Publikum viel zu unbekannter Künstler.

Auch sein neues Album "Inneres Ausland" (Reptiphon/Brokensilence) dürfte demnächst wieder zu den Favoriten vieler Juroren gehören. Es ist Mitte März erschienen, wenige Wochen vor Maurenbrechers 70. Geburtstag (2. Mai).

16 Lieder, mal rockig wie "Erdrutsch" oder "Schüttmulde", oft pianoballadesk wie in "Das Dunkle in mir" oder "Wie viele Herzen noch?", teilweise mit schönen Chor-Arrangements etwa in "Der Rest ist Mut" oder "Aufstehen". Von Maurenbrecher gesungen mit seiner dunklen, leicht angerauten, irgendwie alterslosen Stimme. Und natürlich wieder mit klugen, empathischen, teils witzigen, teils wütenden, im besten Sinne radikal links-liberalen Texten.

"Inneres Ausland" ist nach offizieller Zählung das 26. Studioalbum von Manfred Maurenbrecher, es folgt auf "Rotes Tuch" (2015) und "flüchtig" (2017). So unermüdlich kreativ ist dieser (Song-)Dichter auch noch im fortgeschrittenen Alter, dass er zuletzt gleich mehrere Bücher herausbrachte: "Künstlerkolonie Wilmersdorf" (2016), "Der Lichtenberger. Jahrestexte von 2001-2018" (2018) und den Roman "Grünmantel" (2019).

Wie zornig Maurenbrecher werden kann, zeigt das neue Lied "Jetzt auf einmal geht's" - eine Breitseite gegen "Klimaleugner", SUV-Raser und AfD-Rechte. "Kein Auto mehr vor keiner Tür/kein Billigflug nach Kairo mehr/im Hauskeller kein Öltank schwer", so beschwört der Sänger die ökologische Vernunft. Mit "Solche Leute brauchen Heimat" geht es gegen die "mit dem Adler auf der Brust und den Runen-Beinen". In "Puppen" nimmt er voller Sarkasmus die menschenfeindlichen Sprüche von Flüchtlingshassern aufs Korn.

"In den Sessions habe ich auch den 'Reichsbürger' aufgenommen, einen Bonustrack zur CD", schreibt Maurenbrecher auf seiner Webseite. "Und weil wir jetzt täglich von rechtsradikalen Mitbürgern lesen, die ganz ehrenwert CDU-Kreisverbände leiten, Polizeianwärter/innen ausbilden, an sächsischen Gerichten Urteile fällen, stelle ich diesen Monolog eines staatsfeindlichen Staatsanwalts (wir kennen das von früher) bis demnächst frei zur Verfügung. Viel Vergnügen!"

Ja, dieser Berliner kann scharf ätzen und granteln - aber er ist nicht destruktiv. "Es gibt jetzt eine aus der 'Wir sind viele'-Demo hervorgegangene gesamteuropäische Initiative von Künstlern und Kulturschaffenden, die sagen: 'Wir stehen für ein multikulturelles, offenes und nicht von der Wirtschaft dominiertes Europa.' Da will ich mich beteiligen", sagte Maurenbrecher kürzlich dem Hauptstadtmagazin "tip". Es gebe für ihn "immer Hoffnung, dass wir Brücken bauen können".

Maurenbrecher betonte auch, er sei "nie ein Protestsänger" gewesen, von ihm gebe es "keine Mitsing-Lieder". Songs wie "Die drei Zigeuner" oder "Gavotte" erinnern stattdessen an Randy Newman, Tom Waits, Leonard Cohen - drei Bezugspunkte dieses Künstlers. "Ich höre meist viel schrägere Musik, als ich sie selbst mache", sagte er in einem Interview von "deutsche-mugge.de" über andere Einflüsse. "Denke ich an die Spätromantiker Mahler, Strauss und Reger beispielsweise, da gibt es jede Menge ungewöhnlicher Wendungen und Akkorde."

Es lohnt sich, nach dem Hören des tollen neuen Albums "Inneres Ausland" die ungewöhnliche Karriere von Manfred Maurenbrecher und seine Musik seit dem Debüt von 1982 nochmal an sich vorbeiziehen zu lassen. "1982 von Herwig Mitteregger (Spliff) eingeschleust in das Profi-Unterhaltungs-Labyrinth, danach 5 LPs mit CBS (Sony), Rundfunktexte, Tourneen solo und mit Band; Songtexte für (u.a.) Spliff, Veronika Fischer, Hermann van Veen und Renan Demirkan" - so fasst der Künstler die ersten Jahre lakonisch-knapp zusammen.

Dann kamen die vielen Auszeichnungen, sein Aufstieg in die erste Liga der deutschen Singer-Songwriter. Und 2010 - ein Ritterschlag - die Hommage "Maurenbrecher für alle" mit 62 Coverversionen seiner Lieder, unter anderem von Reinhard Mey, Ulla Meinecke, Konstantin Wecker, Hannes Wader und Götz Alsmann. Seitdem ein reifes, ständig wachsendes Alterswerk. Dafür weiterhin alles Gute, Manfred Maurenbrecher!

Website Manfred Maurenbrecher