Hamburg (dpa) - Kaum eine Band steht so sehr für die Hansestadt wie die Sterne. Mit Bands wie Blumfeld gelten sie als Begründer der Hamburger Schule.

Doch die Gruppe, die mit dem neuen Album "Die Sterne" zurück ist, muss sich fast 30 Jahre nach ihrer Gründung neu erfinden, wie Sänger Frank Spilker (53) im Gespräch mit dpa erklärt.

Frage: Mit Thomas Wenzel und Christoph Leich sind zwei Gründungsmitglieder von Bord gegangen. Du bist der Letzte, der noch da ist. Wie kam es dazu?

Antwort: Es ist einfach kreativer Stillstand gewesen. Wir haben schon sehr lange als Band weitergemacht, obwohl wir eigentlich keine mehr waren. Das hat ungefähr 2012 angefangen zu kriseln. Und das Album von 2014 war schon sehr schwer zu realisieren. Ich glaube, aufgrund der Tatsache, dass wir schon so lange zusammen Musik gemacht haben und das auch zusammen groß gemacht haben, hat es so lange gedauert, bis wir realisiert haben, dass das nichts mehr bringt. Wir standen vor der Entscheidung, entweder ganz aufzuhören oder das so zu lösen, wie wir es jetzt gelöst haben.

Frage: Die Lösung war eine ganz neue Konstellation - mit Kollaborationen, etwa mit Erobique. Sind die Sterne jetzt eher ein offenes System als eine Band? Was ändert sich?

Antwort: Man könnte das, was da jetzt auf Tour geht, auch als Band bezeichnen: Wir haben zusammen eine Platte gemacht, haben zusammen geprobt und geben jetzt Konzerte. Ich finde es bloß angesichts der Geschichte der Band nicht angemessen, das jetzt gleich so zu behaupten. Ich fühle mich wohler dabei, erst ein bisschen Zeit vergehen zu lassen und zu sehen, live und auf Tour, wie wir uns in der Konstellation verstehen. (...) Ich glaube, der Unterschied ist dann tatsächlich auf der Produktionsseite. Sonst haben wir immer gesehen, dass möglichst die Bandmitglieder auch alle Instrumente spielen. Wie jetzt Erobique zu fragen (...) überall, wo es Überschneidungen gibt zu seinem musikalischen Universum, das hätten wir früher nicht so getan. Das hätte der Keyboarder der Band gemacht.

Frage: Wie unterscheidet sich das Ergebnis von früheren Alben?

Antwort: Die Geschichte der Band ist, dass wir mit einer unglaublichen Bandbreite angefangen haben und uns dann immer wieder auf einzelne Aspekte spezialisiert haben - also eine sehr "discoide" Platte gemacht haben, eine sehr krautige Platte oder eine elektronische Platte. Aber alle diese Elemente waren im Prinzip bei unserem ersten Album "Wichtig" 1993 schon vertreten. Dass das jetzt wieder ein bisschen breiter, ein Blumenstrauß ist an Sounds, die aber trotzdem Sterne-Kosmos sind, hat natürlich damit zu tun, dass eine lange Zeit vergangen ist und dass dieser Bandwerdungsprozess jetzt wieder neu stattfindet.

Frage: In den frühen Neunziger Jahren spielten Plattformen wie Viva und MTV eine wichtige Rolle - Musikfernsehen mit einem gewissen Monopol für die Musiksozialisation. Wie wichtig war das für euch damals? Und gibt es Plattformen, die das gleichwertig ersetzt haben, für Bands, die heute groß werden wollen?

Antwort: Nee, leider nicht. Viva 2 hat überregional gesendet und hat sich vielleicht auf ein paar Bands, ein paar Songs konzentriert, hat aber dadurch natürlich auch etwas erreicht, was man auf YouTube und Social-Media-Kanälen schwer erreichen kann, nämlich einen Fokus auf bestimmte Musik, vielleicht sogar abwegige Themen, die dann tatsächlich auch die Chance haben, ein bisschen größer zu werden. Da hatten wir unglaubliches Glück in den Neunziger Jahren mit der - im Grunde - Neugründung von Viva, die dann angefangen haben, deutschsprachige Musik zu spielen, um sich von MTV abzugrenzen. (...) Andererseits ist YouTube viel demokratischer, weil alle veröffentlichen können. Aber die Ware ist ja nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist ja, bemerkt zu werden und Aufmerksamkeit zu generieren. Das ist, glaube ich, immer noch abhängig von Investitionen.

Frage: Wann ist aus deiner Sicht ein Auftritt richtig gelungen, wann gehst du beglückt von der Bühne?

Antwort: Meistens! Die tollsten sind die, wo das in diese Phase übergeht, dass man sich sicher ist, dass man auf einer Wellenlänge mit dem Publikum ist, die ganz kurz ist und sehr früh anfängt; dass man sich nicht mehr als Performer fühlt, der verantwortlich ist für die Unterhaltung der Leute, sondern man merkt, dass man in einem Boot sitzt und in eine Richtung fährt. Am Ende des Konzerts ist das fast immer so. Aber je schneller das geht, desto wohler fühle ich mich und desto toller ist das hinterher, wenn man man erschöpft und glücklich von der Bühne geht.

Frage: Beim Gespräch zum 25-Jahre-Jubiläumsalbum "Mach's besser" kam die Frage auf, ob man sich die Sterne in der damals noch ganz neuen Elbphilharmonie vorstellen könnte. Zum 30. Bandjubiläum, hieß es ein bisschen scherzhaft. Das ist nicht mehr allzu lange hin. Hat sich schon was ergeben?

Antwort: Bis jetzt noch nicht. Aber wir arbeiten dran. Wir haben ja jetzt auch Streicher auf dem Album. Mal sehen, ob wir damit Elbphilharmonie-tauglicher geworden sind (lacht).