Hohenberg-Krusemark l Ein bisschen mehr Frieden, das wär‘ doch was. Adelheid Johanna Hess hat am Freitagabend auf Einladung des Kulturfördervereins „Östliche Altmark“ große Themen in das Gutshaus Krusemark gebracht. Mit ihrem literarisch-musikalischen Programm bewirkte die „bekennende Idealistin“ flugs, was ihr Anliegen war: die Menschen nicht nur zu unterhalten, sondern zum Nachdenken anzuregen, wirklich berühren. Jutta Schreiber aus Stendal, die mit ihrer Freundin Sylvia Nehm aus Möringen gekommen war, konnte nicht anders, als immer wieder zustimmend zu nicken. „Die Texte sind doch einfach nur toll“, sagte sie in der Pause.

Johanna Hess, die in Berlin, seit 16 Jahren, aber vor allem in Altenzaun lebt, war das zweite Mal im Gutshaus. Nun mit ihrem Programm „Aus dem Porzellanladen von Welt und Seele“. In Liedern und Texten voller Gleichnisse warb sie direkt oder indirekt für einen empfindsameren Umgang mit der (Um-)Welt und den Wesen darin. Da war etwa ihr Lied darüber, was Maschinen vielleicht sagen würden, wenn sie eine Seele hätten. Nämlich so Dinge wie „werft uns weg und tauscht uns aus“ und „nur für übermorgen übernehmen wir keine Garantie, da sind wir verschlissen“. Letzteres kann auch dem Menschen selbst passieren, wie die Psychotherapeutin Johanna Hess wohl aus unzähligen Erfahrungen weiß. Wenn Mensch den Missklang in seiner Lebenssinfonie über lange Zeit überhört, droht der Crash, neue Wege müssen gesucht und gefunden werden.

Derlei Brüche, „Scherben“, gab es auch in Johanna Hess‘ eigenem Porzellanladen, wie sie in einem Lied offen besang. Von Beziehungen, die die Ewigkeit wollten und doch endlich waren, war da die Rede. Vom immer wieder aufstehen und der Erkenntnis, dass es wohl ihr Schicksal sei, „stets nach dem Sinn zu suchen“. Unabänderliches sei eine Mär, aber das Leben beschenkte Johanna Hess auch mit der Gewissheit: „Nach schier unendlichem Leid gab es immer wieder eine bess‘re Zeit.“

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Bei allem Ringen mit sich selbst und der Welt helfen Wünsche. „Sie geben Orientierung“, sagte Johanna Hess, die sich mit Gitarre begleitete. Die Liedermacherin munterte die etwa 30 Zuhörer dazu auf, sie selbst zu sein: „Wir dürfen uns wie wir sind nehmen, wofür sollten wir uns schämen?“ Manch‘ Kampf bleibe dabei aber nicht aus: „Wie das Feindbild auch immer heißen mag, wenn wir es nicht in uns selbst besiegen, lernen wir niemals Frieden“. Nein, Johanna Hess ist keines dieser „Kuschmäuschen“, die manch‘ Mann gerne an seiner Seite hätte. Dies gut heißend, befand auch der Krusemarker Gerhard Doogs, dass er den Abend im Gutshaus genoss. „Es ist ja alles so, da kommt man wirklich ins Nachdenken.“