Kamern l Am 10. August beginnt in Sachsen-Anhalt das neue Schuljahr, dann sollte auch die Freie Schule „Elbe-Havel-Land“ in Kamern ihre Pforten öffnen. Träger der geplanten reformpädagogischen Einrichtung ist der von Jördis Wellmann aus Klietz geleitete Verein „Neugierig“. Dessen Mitglieder waren hinsichtlich der Zulassung guter Dinge gewesen. Alles, was zur Genehmigung nötig war, war im Vorfeld erledigt worden. Doch das Magdeburger Kultusministerium entschied anders, wie der Verein in einer Pressemitteilung informiert.

Darin heißt es unter anderem: „Bedauerlicherweise wurde unser Antrag auf Gründung einer reformpädagogischen Grundschule in Kamern seitens der Landesbehörden vorerst abgelehnt. Die Ablehnungsgründe sind aus unserer Sicht absolut nicht nachvollziehbar.“ Deshalb werde der Bescheid derzeit rechtlich geprüft, um gegebenenfalls ein juristisches Eilverfahren einzuleiten. Der Verein bittet um Verständnis, dass er deshalb derzeit nicht auf die Ablehnungsgründe eingehen könne.

„Auf Grund unseres sehr guten und innovativen pädagogischen Konzeptes, welches auch von unabhängigen Fachleuten als solches eingeschätzt wird, sind wir jedoch optimistisch, dass die Freie Schule Elbe-Havel-Land noch zur Eröffnung geführt wird,“ heißt es weiter.

Der Verein sei tief bewegt, dass Eltern und Lehrer, welche über viele Jahre mit enormem Engagement und Fleiß den Aufbau der Schule unterstützt haben, ihm weiterhin mutig zur Seite stehen. „Auch allen Unterstützern aus der Region, die mit vielen finanziellen Mitteln oder Arbeitszeit bisher an diesem Projekt mitgewirkt haben, möchten wir herzlich danken und weiterhin um Solidarität bitten“, so Jördis Wellmann.

Die Vereinsmitglieder seien sich der großen Verantwortung für die Menschen und besonders für die Kinder in der Region bewusst und davon überzeugt, dass es in Zukunft unbedingt alternative Bildungskonzepte geben müsse, wenn sich die Gesellschaft positiv verändern soll. „Dies ist ein wichtiger Baustein, die Region des Elb-Havel-Winkels vor weiterem demografisch bedingtem ,Ausbluten‘ zu schützen und voran zu bringen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen!“

Trotz der Ablehnung wolle man nun mit voller Kraft weiterarbeiten, gemäß dem Leitsatz des Vereins: Es gibt ein Problem – packen wir‘s an!

„Das Landesschulamt hatte den Antrag aus Kamern geprüft, die Genehmigungsvoraussetzungen waren nicht erfüllt,“ informierte Pressesprecher Stefan Thurmann vom Magdeburger Kultusministerium auf Volksstimme-Nachfrage. Die Gründe seien dem Antragsteller mitgeteilt worden, das Ministerium könne dazu keine Aussagen treffen.

„Diese Schule wäre ein Zugewinn für Kamern gewesen“, bedauert Bürgermeister Arno Brandt den amtlichen Entscheid. Und hofft wie auch der Verein, dass die Zulassung dennoch rechtzeitig erteilt wird. Schließlich haben die Organisatoren bei der Vorbereitung ein hohes Risiko übernommen – und Bedarf an einer solchen Schule bestehe schließlich auch.

14 Schüler sind angemeldet

Insgesamt 14 Schüler sind angemeldet, auch das Personal stand bereit, informiert Stefanie Wischer vom Vorstand. Die hier geplante tiergestützte Pädagogik wäre einmalig im Bundesland, es würde unter anderem einen Lehrbauernhof und einen Schulgarten geben. Breiten Raum sollte die Erziehung zu Demokratie und Friedensliebe einnehmen – was angesichts der Flüchtlingskrise wieder hochaktuell ist.

Geplant war, den Unterricht jahrgangsübergreifend mit Erst- und Zweitklässlern sowie Schülern mit Handicap zu starten. Schwerpunkt sollte neben der Inklusion das individuelle Lernen sein – jeder arbeitet an seinem selbstgewählten Lerngegenstand. Der Lehrer sieht sich dabei als Lernbegleiter.

Abgelehnt wurde auch der Antrag für die Grundschule in privater Trägerschaft Werben. Mehr zum Thema folgt.