Schuldensünder Griechenland musste im Frühjahr von den anderen Euro-Mitgliedsländern vor dem finanziellen Kollaps gerettet werden. An den Finanzmärkten reißen die Spekulationen nicht ab, dass es Irland ähnlich ergehen könnte. Auch die Schieflage Portugals beunruhigt. Die drei Euro-Sorgenkinder im Vergleich.

"Keltischer Tiger" ringt um Atem

Das kleine Land im Nordwesten des Kontinents mit 4,5 Millionen Einwohnern hat in der Finanzkrise einen Tiefschlag nach dem anderen einstecken müssen. Die Banken verspekulierten sich mit überteuerten Immobilien, der Staat musste sie mit Milliarden stützen. Für die Bankenrettung werden bis zu 50 Milliarden Euro veranschlagt – bei einem Bruttoinlandsprodukt von 160 Milliarden Euro ein unglaublicher Kraftakt. Das Haushaltsdefizit steigt in diesem Jahr auf astronomische 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In der EU gilt eine Obergrenze von drei Prozent.

Im Gegensatz zu Portugal und Griechenland hatte sich Irland – als es noch der "keltische Tiger" war – aber eine starke ökonomische Basis geschaffen. Mit extrem niedrigen Steuern lockte die Regierung Investoren aus aller Welt an. Auch aktuell wachsen die Exporte, die Industrieproduktion geht steil nach oben, die Arbeitslosenquote beginnt zu sinken. Zudem sollen die finanziellen Mittel nach Regierungsangaben bis Mitte 2011 reichen. Das Land will deshalb dem wachsenden Druck nicht nachgeben und um Finanzhilfe bitten, sondern sich selbst aus dem Schlamassel ziehen.

Armes Portugal lebte über seine Verhältnisse

Das strukturschwache Portugal mit 10 Millionen Einwohnern hat im zurückliegenden Jahrzehnt weit über seine Verhältnisse gelebt. Seit der Jahrtausendwende wächst das ärmste Land Westeuropas mit einer Durchschnittsrate von unter einem Prozent deutlich langsamer als die meisten anderen Staaten des Kontinents. Das Wachstum wird von schwacher Investitionstätigkeit, geringer Produktivität und einer vergleichsweise schlechten Ausbildung der Bevölkerung gebremst. Das Wachstumspotenzial wird als niedrig bewertet.

Die Neuverschuldung nahm in den vergangenen Jahren stetig zu und erreichte 2009 ein Rekordniveau von rund 9,4 Prozent. Die Staatsschulden Portugals lagen Ende 2009 bei 109 Prozent des BIP. Frische Geldmittel erhielt Lissabon zuletzt nur zu Rekordzinsen. Mit nie dagewesenen Sparmaßnahmen soll das Defizit 2010 auf 7,3 und 2011 auf 4,3 Prozent gedrückt werden.

Lage im Wasserkopfstaat systematisch vertuscht

Griechenland konnte im Frühjahr letztlich nur durch Zusagen der anderen Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem Staatsbankrott gerettet werden. Das Land mit 11 Millionen Einwohnern hat dauerhaft über seine Verhältnisse gelebt, fehlende Einnahmen wurden ständig über neue Schulden ausgeglichen. Die Hauptursachen der Misere werden im überdimensionierten Staatssektor gesehen, in der fehlenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Vertuschung der tatsächlichen Lage der griechischen Finanzen vor den zuständigen Stellen der EU.

Der griechische "Wasserkopfstaat" muss etwa eine Million Beamte und Angestellte bezahlen. Kein anderer EU-Staat hat mehr Staatsbedienstete. Fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Griechenland ist vom Staat abhängig. Tourismus und Handelsschifffahrt sind die wichtigsten Devisenbeschaffer, doch beide Wirtschaftszweige litten unter der Krise. Das Haushaltsdefizit erreichte 2009 nach mehrmals korrigierten Zahlen die Rekordhöhe von 15,4 Prozent des BIP. Mit drastischen Sparmaßnahmen soll es bis 2014 unter die Marke von 3 Prozent gedrückt werden.

(dpa)