Von Christiane Oelrich

Es war einmal ein Waffenhändler in einem Hollywood-Streifen, gespielt von Nicolas Cage, der mit seiner Ruchlosigkeit das Gruseln lehrte. "Es gibt weltweit mehr als 550 Millionen Schusswaffen, etwa für jeden zwölften Menschen eine. Bleibt nur die Frage: wie bewaffnen wir die anderen elf?" sagt er in dem Film von 2005 lächelnd. So einer ist nach Überzeugung der US-Justiz im echten Leben der Russe Viktor Bout. Als "Händler des Todes" war er berüchtigt. Niemand schaffte es lange Zeit, ihn trotz internationalen Haftbefehls zu fassen.

Bout (43) soll Diktatoren und Rebellenarmeen in aller Welt jahrelang mit Waffen aller Art beliefert haben. Er selbst hat dies stets von sich gewiesen. "Ich habe noch nie mit Waffen gehandelt", sagte er nach seiner Festnahme in Thailand im März 2008. Dagegen sprechen aber hunderte Seiten Ermittlungsdossiers. Bout wurde gestern von Thailand an die USA ausgeliefert. Russland kritisierte dies scharf.

Ermittler bezeichneten Bout im Jahr 2000 als einen der großen Fische im illegalen Geschäft. "Früherer Luftwaffenoffizier unter starkem Verdacht, Verbindungen zur organisierten Kriminalität in Russland zu haben", heißt es in einem UN-Bericht von 2001. "Hat die größte Flotte privater Antonow-Flugzeuge in der Welt, hat Militärmaterial in alle Konfliktzonen in Afrika geliefert, war 1999 bei mehreren Waffenherstellern in Bulgarien", und so weiter. Bout habe sich wahrscheinlich nur dank bester Beziehungen zu Geheimdiensten so lange schadlos halten können, so der russische Militärexperte Pawel Felgenhauer in einem Interview.

Bout, 1967 in Duschanbe in Tadschikistan geboren, war beim Militärgeheimdienst, als die Sowjetunion zerfiel. Er kaufte alte Flugzeuge und heuerte Piloten an. Schnittblumen waren seine erste Fracht. Schnell kamen Nahrungsmittel und Maschinen dazu. Ob Kunden dann auch mal Waffen in der Fracht versteckt haben, will Bout nie bemerkt haben.

Allerdings liest sich seine Kundenliste wie das "Who is Who" der Diktatoren- und Rebellenwelt. Der Präsident Liberias Charles Taylor ist darunter, der berüchtigte Rebellenführer Jean-Oerre Bemba im Kongo, Rebellengrößen aus Angola und Nigeria. Er soll Kindersoldaten in Sierra Leone mit Waffen versorgt haben, die Farc-Rebellen in Kolumbien, die Taliban in Afghanistan. Und er machte auch Geschäfte mit der US-Regierung: Nach Angaben der James- town-Stiftung in Washington flog Bout zu Beginn des Irakkriegs in ihrem Auftrag Waffen nach Bagdad.

Irgendwann nach den Terroranschlägen 2001 wendet sich das Blatt. Ermittler heften sich an seine Spur. Bout zieht sich mit Frau und Kind nach Russland zurück. Als aber vermeintliche Farc-Rebellen aus Kolumbien ihm ein Millionengeschäft vorschlugen, ließ er sich auf ein Treffen in Bangkok ein. Die Falle der US-Agenten schnappte zu, als Bout ihnen versicherte, dass seine Raketen sich gut zum Abschuss amerikanischer Flugzeuge eigneten.

Der Prozess dürfte spannend werden. Einen der größten "Spionage- und politischen Skandale" sagte die russische Staats- agentur RIA-Nowosti voraus. Bout könnte auspacken.(dpa)