Im Zirkus führt meist ein Dompteur seine Raubtiergruppe vor. Übertragen auf die politische Dressur Nordkoreas sind es umgekehrt sechs Staaten, die als Dompteure ein potenzielles Raubtier am Verhandlungstisch gefügig machen wollen. Doch Nordkorea ist einfach nicht zu bändigen.

Beim Leben in Kim Jong Ils Käfig sind Not und Angst ständige Begleiter. Es fehlt der Anschluss an eine Welt ohne bizarren Kult um einen Diktator, der alles wegbeißt, was ihm bedrohlich erscheint. Bisweilen zieht der Mächtige plötzlich die Krallen ein. Dann werden Nahrungsmittel von den Feinden angenommen und Geschäfte gemacht. Um hinterm Käfigdraht ungestört an Atomanlagen zu basteln.

Urplötzlich kann Nordkorea aber Zähne zeigen und mit Granten wie jetzt auf den Süden einen Krieg riskieren. Stärke soll damit bewiesen werden, nach außen wie nach innen. Es ist ihre Unberechenbarkeit, die Raubtiere so gefährlich macht.