Heute wird Richter Viktor Danilkin in Moskau beginnen, die Begründung für das Urteil gegen Michail Chodorkowski vorzulesen. Er wird wohl eine Haftstrafe gegen den früheren Chef des Öl-Konzerns Yukos verhängen. Daran bestehen kaum noch Zweifel. Hat doch der russische Ministerpräsident Wladimir Putin die Strafe bestellt – vor versammeltem Fernsehpublikum. "Der Dieb muss im Gefängnis sitzen", hat er gefordert. Der einst reichste Russe soll sagenhafte 218 Millionen Tonnen Öl veruntreut haben.

Solch ein seltsamer Vorwurf wird nicht glaubwürdiger, lauscht man der politischen Begleitmusik zu diesem Prozess. Chodorkowski müsste nach acht Jahren Gefängnis 2011 entlassen werden. Er könnte also 2012 zu viel Bewegung in die Präsidentenwahl bringen. Das würde wohl sowohl Putin als auch Präsident Dmitri Medwedew nicht gefallen. Sie sind ein nahezu perfektes Macht-Duett. Der eine spielt den Guten, der andere den Bösen. Dazu gehört auch, dass Medwedew Putins Einmischung in den Prozess kritisierte. (Politik)