Das Baugewerbe in Sachsen-Anhalt hat nach Einschätzung des Branchenverbandes derzeit sehr gut zu tun. Die Aussichten für das nächste Jahr sind aber nicht so rosig.

Magdeburg. Der überwiegende Teil der Baubetriebe in Sachsen-Anhalt kann sich derzeit über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Das Konjunkturpaket II mit Bausteinen wie die Sanierung von Schulen oder Kindergärten und der noch aus den ersten Wintermonaten des Jahres resultierende und abzuarbeitende Auftragsstau füllen immer noch Auftragsbücher.

Dies dürfe aber nicht den Blick davor verstellen, dass die Umsätze "noch lange nicht auf dem Niveau des Vorjahres sind", warnte der Präsident des sachsen-anhaltischen Baugewerbe-Verbandes, Gerhard von Dehn Rotfelser, im Volksstimme-Gespräch. So liege der baugewerbliche Umsatz in den ersten neuen Monaten dieses Jahres um 10,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Besonders stark betroffen sei der Wohnungsbau mit minus 14,4 Prozent sowie der gewerbliche und industrielle Hochbau mit minus 13,2 Prozent, erläuterte der Präsident. Einzig der öffentliche Hochbau habe mit plus 11,7 Prozent zulegen können. Insgesamt rechnet der Baugewerbe-Verband für das gesamte Jahr mit einem Umsatzminus von fünf Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

Angesichts auslaufender Konjunkturprogramme sowie anhaltend klammer öffentlicher Kassen geht das Baugewerbe für das kommende Jahr von einer eher zurückhaltenden Bautätigkeit aus. "Unsere Hoffnungen ruhen vor allem auf dem privaten Sektor", sagte von Dehn Rotfelser. Als Beispiele nannte er Investitionen in den Wohnungsbau. Hier gebe es nach 20 Jahren vielerorten wieder einen Sanierungsbedarf.

Alles in allem rechnet der Baugewerbe-Verband für 2011 mit einem weiteren Umsatzrückgang in einer Größenordnung von etwa 1,5 Prozent. Allerdings sei dies nicht so bedrohlich, als dass es sehr vielen Baubetrieben die Existenz kosten könnte, glaubt von Dehn Rotfelser: "Unsere Bauunternehmen sind krisenerprobt und infolge der kleinen Betriebsgrößen sehr flexibel." Im Schnitt beschäftige jede Firma zehn Mitarbeiter. Dieser Wert sei seit einigen Jahren konstant.

Insgesamt zählt das Bauhauptgewerbe in Sachsen-Anhalt rund 30 000 Beschäftigte und zirka 3000 Betriebe.

Sorge bereitet dem Baugewerbe-Verband die nach wie vor hohe Zahl von Ein-Mann-Firmen, "die vor allem im ländlichen Raum als moderne Tagelöhner durchs Land ziehen und etablierten Firmen mit Dumpingpreisen das Leben schwer machen", sorgt sich von Dehn Rotfelser.

Belastet würden die Betriebsergebnisse zudem durch rasant steigende Materialkosten. So hätten sich mit Stand Juli 2010 innerhalb von nur zwölf Monaten Beton und Stahl um 44 Prozent verteuert, Bitumen um 25 Prozent, Holz um 23 Prozent, Zement in den vergangenen fünf Jahren um 28 Prozent.

Kalkulatorisch liege die Rendite eines Baubetriebes bei etwa acht Prozent vom Umsatz, unterm Strich würden häufig nur ein bis drei Prozent erreicht.