Lange hielten die Menschen in Deutschland jeden Euro zurück: Die Angst vor Arbeitslosigkeit war größer als die Lust, sich Neues zu leisten. Rechtzeitig zu Weihnachten werden die Verbraucher nun spendabel – und stützen damit den deutschen Aufschwung.

Frankfurt/Wiesbaden (dpa). Pünktlich zu Weihnachten sind Deutschlands Verbraucher in Kauflaune. Die Exporte boomen schon lange, nun kommt auch der private Konsum hierzulande in Fahrt. Der Aufschwung steht damit endlich auf mehreren Säulen. Das macht Deutschland unabhängiger von weltweiten Schwankungen – und nährt bei Ökonomen und in der Politik den Optimismus auf rosige Zeiten.

Die Vorzeichen sind günstig: Die Arbeitslosenzahl in Deutschland rutschte im Oktober wieder unter die magische Drei-Millionen-Marke, seit Monaten relativ stabile Preise stärken die Kaufkraft der Verbraucher. Und im Ausland sind Waren aus deutscher Produktion ein Verkaufsschlager. "Die Rahmenbedingungen sind insgesamt so günstig, dass die Chance sehr groß ist, dass die gute Stimmung nicht nur ein vorübergehendes Aufflackern ist", meint Rolf Bürkl, Konsumexperte bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK/Nürnberg).

Michael Grömling vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW/Köln) pflichtet bei: "Die Belastungsfaktoren, die uns vor einigen Jahren im Aufschwung gezwickt haben, sind weitgehend verschwunden." So habe beispielsweise die Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 2007 "auf einen Schlag gut 20 Milliarden Euro aus dem Konsumkreislauf rausgehauen". 2008 kostete Sprit an der Zapfsäule fast täglich mehr, weil der Ölpreis drastisch kletterte – das dämpft die Lust, an anderer Stelle Geld auszugeben. Und das Jahr 2009 war vom tiefsten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg geprägt.

Doch dank einer klugen Beschäftigungspolitik mit Kurzarbeit und Co. – das heben auch internationale Fachleute lobend hervor – kommt Deutschland gestärkt aus der Krise. "Beschäftigungssicherung war Einkommenssicherung und damit Konsumsicherung", bringt es IW-Experte Grömling auf den Punkt. Der Lohn: Im dritten Quartal 2010 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal real um 0,7 Prozent zu – maßgeblich getragen vom Konsum.

Die GfK sieht für Deutschland eine "hervorragende Ausgangsposition für ein noch besseres Konsumjahr 2011". Volkswirte der Commerzbank sind überzeugt: "Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und der stärkere Anstieg der Löhne dürften den Konsum auch in den kommenden Quartalen anschieben."

Die FDP sieht ein günstiges Umfeld, ihr Wahlversprechen einzulösen und Steuern zu senken. "Mit einer entschlossenen Konsolidierungspolitik ... ergeben sich neue Spielräume für eine steuerliche Entlastung der Bürgerinnen und Bürger", ließ Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) verlauten.

Schon jetzt sind die privaten Verbraucher auf dem besten Weg, wieder zu einer treibenden Kraft der deutschen Konjunktur zu werden. Seit Jahren haben sie mit ihrem Konsum – von der Miete über den Einkauf im Supermarkt bis zur Anschaffung eines Autos – mit knapp 60 Prozent den größten Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung.

"Komplett als Konjunkturtreiber ablösen wird der Konsum den Export nicht", ist GfK-Mann Bürkl überzeugt. Doch: "Mittel- und langfristig ist es für Deutschland wichtig, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung auf zwei stabilen Säulen steht. Der Konsum ist gerade dabei, sich wieder zu einer solchen zu entwickeln."

Volkswirt Andreas Rees von der Unicredit sieht den Vorwurf aus einigen Ländern widerlegt, Deutschlands Wirtschaft gedeihe nur auf Kosten anderer über den starken Export. Die Zahlen des Statistikamtes sprechen aus seiner Sicht eine eindeutige Sprache: "Die Binnennachfrage hat insgesamt 0,4 Prozentpunkte zum Wachstum beigetragen, der Außenhandel 0,3 Prozentpunkte." Sein Fazit: "Deutschland hängt nicht mehr allein am Tropf der Weltwirtschaft."

Ungemach droht von unerwarteter Seite: Die Angst vor Terror. "Schon jetzt werden viele Weihnachtsgeschenke im Internet gekauft", erklärt Bürkl. "Dieser Trend könnte sich noch verstärken, weil mancher aus Angst vor möglichen Anschlägen volle Fußgängerzonen und Weihnachtsmärkte meidet."