Washington (dpa). Windparks in Mexiko, Biomasse-Kraftwerke in Indien: Aufstrebende Länder gieren nach Energie, sie gelten als Zukunftsmarkt für klimafreundliche Technik.

Mohsen Khalil kann sich noch gut an den Unglauben seiner Chefs erinnern, als er sich vor Jahr und Tag für Investitionen in Mobilfunk-Netze armer Länder stark machte. "Ich war einer der Verrückten, die sich dafür eingesetzt haben, trotz der Bedenken meiner Vorgesetzten." Khalil, damals Direktor für Informations- und Telekomtechnologie bei der Internationalen Finanz-Corporation (IFC), sollte Recht behalten. Ob Afrika, Asien oder Lateinamerika: Handys haben jeden Winkel der Welt erobert. Ein Siegeszug, der durchaus eine Wiederholung erleben kann – durch die weltweite Verbreitung klimafreundlicher Technologie.

Die IFC, die als Teil der Weltbank in Privatunternehmen in den ärmsten Ländern der Erde investiert, stellt sich voll auf den Trend ein. Unlängst hob sie mit der Climate Business Group eine eigene Abteilung aus der Taufe, mit Khalil als Chef. Binnen drei Jahren will die IFC den Anteil ihres Anlagevolumens (2009: 18 Milliarden Dollar oder 13,4 Mrd. Euro) in klimafreundliche Projekte von 10 auf 20 Prozent hochschrauben.

"In den kommenden Jahrzehnten werden massive Investitionen in erneuerbare Energien nötig sein, um den Bedarf aufstrebender Länder zu decken", meint IFC-Chef Lars Thunell. Das dann durchaus mit Aussicht auf gute Profite.

Laut Weltbank müssen 1,5 Milliarden Menschen – 20 Prozent der Weltbevölkerung – ohne Elektrizität leben. "Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien ist im direkten Interesse armer Länder", befindet die Organisation. "Sie gewähren Zugang zu einer sauberen, billigen und verlässlichen Stromversorgung." So ließ die IFC bislang etwa Geld in Wasserkraft- und Solaranlagen in Asien und Afrika, in Lateinamerikas größte Windfarm in Mexiko oder in Biomasse-Kraftwerke in Indien fließen.

Damit grüne Technologie in armen Ländern Fuß fasst, müssen laut Khalil die Kosten runter – wie einst beim Handy. "Dann ist der Markt riesig." Hersteller müssten auch zu kleinen, verbrauchergerechten Energiequellen hin umdenken, um die Armen zu erreichen. "Diejenigen Länder und Firmen, die diesen Teil der Bevölkerung und diese Teile der Welt als Märkte sehen und über Lösungen nachdenken, werden die Gewinner sein."

Global sind die Konkurrenten schon am Start. "Wir erleben gerade ein grünes Wettrennen", meint Björn Stigson, Vorsitzender des "Weltwirtschaftsrats für Nachhaltige Entwicklung", einem Forum von rund 200 Firmen in entsprechenden Geschäftsfeldern. "In China und in anderen Ländern Asiens nimmt das Bewusstsein für Möglichkeiten zu, "grün" Wachstum zu erzielen." Gerade der größte globale Klimasünder prescht voran: Ende 2009 beherrschte China laut Stigson die Hälfte des weltweiten Solar-Marktes, drei Jahre zuvor waren es gerade drei Prozent. Von 2008 auf 2009 verdoppelte das Land seine Windenergie-Kapazität. Pekings ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 sollen nicht-fossile Quellen 15 Prozent der Energie liefern, voriges Jahr waren es neun.

Im September verdrängte China die USA von der Spitze einer Rangliste der attraktivsten Länder für Investitionen in erneuerbare Energien. Auf Platz drei liegen Deutschland und Indien. Im November schafften es vier neue Staaten in das 30 Länder umfassende Ranking der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young: Südkorea, Rumänien, Ägypten und Mexiko.