Wegen der geringeren Exportkraft der neuen Länder kommt der Aufschwung im Osten später. Nach Einschätzung von Experten wird er erst 2012 die gleiche Dynamik wie im Westen haben.

Halle (dpa/ts). Der Osten hinkt nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beim Aufschwung nach der Krise in Deutschland etwas hinterher. Grund dafür seien die strukturellen Unterschiede in der Wirtschaft zwischen den neuen und alten Ländern.

"Der Aufschwung ist wie zuvor der Abschwung aus dem Ausland gekommen", sagte der Konjunkturexperte des Instituts, Udo Ludwig, gestern auf einer Konferenz zur Entwicklung in Ostdeutschland. Während die westdeutsche Wirtschaft eine Exportquote von 45 Prozent aufweise, liege diese im Osten bei 30 Prozent. Ludwig geht davon aus, dass der Osten voraussichtlich 2011, spätestens 2012, in der Dynamik gleichauf beim Aufschwung sein wird.

Das Institut geht laut seiner Prognose vom September von einem Wirtschaftswachstum 2010 in Deutschland von 3,5 Prozent, in Ostdeutschland von 2,5 Prozent, aus.

Der Präsident des Instituts, Ulrich Blum, betonte, dass die demografische Entwicklung eine entscheidende Rolle bei den Rahmenbedingungen für die Wirtschaft spielt. "Wir werden uns alle dramatisch darum bemühen müssen, dass wir nicht unsere Produktion ins Ausland verlegen müssen, weil wir Fachkräfte hier nicht haben", sagte Blum. Angesichts der alternden Gesellschaft sei es deshalb wichtig, Bedingungen zu schaffen, dass Menschen arbeitsfähig bleiben und in Unternehmen gehalten werden – indem sie nicht nur gesundheitlich, sondern auch von der Qualifikation und mental her unterstützt werden. Laut IWH lebten im Osten Deutschlands im Jahre 2008 mehr als acht Millionen Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahren. Im Jahr 2030 werden es nach Angaben des Instituts voraussichtlich nur noch rund 5,6 Millionen Menschen dieser Altersgruppe sein.

Für Deutschland insgesamt gilt: Der kräftige Wirtschaftsaufschwung ist nach der jüngsten OECD-Prognose noch lange nicht am Ende. Entgegen dem Trend haben die Konjunkturexperten der Organisation die Wachstumsprognosen sogar noch einmal angehoben. Sie liegen 2011 deutlich über dem Schnitt in der Eurozone.

Das kommt auch den Arbeitslosen in Deutschland zugute. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung rechnet weiter mit deutlich sinkenden Zahlen. Ende 2012 könnte es noch einmal 250 000 Arbeitslose weniger geben als heute.