In Sachsen-Anhalt ist die Arbeitslosigkeit im Oktober weiter zurückgegangen. Im Bundesländervergleich liegt das Land mit einer Arbeitslosenquote von 11,1 Prozent jetzt gleichauf mit Mecklenburg-Vorpommern und lässt Bremen (11,7 Prozent) und Berlin (12,8 Prozent) weiter hinter sich. Der Agenturbezirk Magdeburg hat es in den einstelligen Bereich (9,7 Prozent) geschafft.

Magdeburg. Zum ersten Mal nach der Wende ist in der Region Magdeburg die Arbeitslosenquote unter die Zehn-Prozent-Marke und die absolute Zahl unter die 30 000 gerutscht, verkündete gestern Geschäftsführer Lutz Bartel. Seit Jahresbeginn wurden 13 380 offene Stellen für den ersten Arbeitsmarkt, vorwiegend in Fertigungs- und Dienstleistungsberufen, gemeldet, das war etwa ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings wächst die Zeitarbeitsbranche überproportional. Hier wurden 5200 Stellen angeboten, 58 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die wachsenden Auftragsberge erhöhen den Mitarbeiterbedarf in den Unternehmen. Aber nicht alle, die Arbeit haben oder neu eingestellt werden, profitieren davon mit einem besseren Lebensstandard. Die Zahl der Aufstocker, also derjenigen, die trotz Arbeit Zuschüsse zur Grundsicherung bekommen müssen, nimmt weiter zu, so Bartels Einschätzung. "Es ist wichtig, dass der Wettbewerb der Unternehmen um die Arbeitskräfte in Gang kommt und ordentliche Löhne gezahlt werden", sagte er, "Das ist auch nötig, damit Leute, die wider Willen nur einen Vertrag über 20 bis 30 Stunden pro Woche bekommen, die Chance haben, in eine Vollzeitstelle zu wechseln, von der sie und ihre Familie leben können."

"Gezielt angreifen" will Bartel bei der Gruppe älterer Arbeitsloser. Im Agenturbezirk Magdeburg gehört derzeit jeder dritte Arbeitslose zur Generation 50 plus. "Hier müssen wir unsere Bemühungen verstärken, die Leute zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen", so der Geschäftsführer. "Viele haben hervorragende fachliche Kenntnisse und jahrzehntelange Arbeitserfahrung und sind meist auch hoch motiviert."

Für den November sieht Bartel die Chance, die Arbeitslosenzahl in der Region noch etwas nach unten zu drücken, "vorausgesetzt, es kommt kein Wintereinbruch".

Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU sieht Sachsen-Anhalt "in einem Bereich angekommen, den gerade mit Blick auf die mittlerweile überwundene Wirtschaftskrise wohl nicht einmal große Optimisten erwartet hatten". Auch sei ein überproportionaler Abbau der Jugendarbeitslosigkeit gelungen. Größere Anstrengungen seien bei der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen nötig, bei denen der Rückgang der Arbeitslosigkeit deutlich geringer ausfällt als in anderen Personengruppen. Durch eine verstärkte individuelle Betreuung wie im Rahmen der Bürgerarbeit müsse man ihnen die Chance geben, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

In Sachsen-Anhalt waren im Oktober 134 100 Frauen und Männer arbeitslos, 4200 weniger als im September und 16 800 weniger als im Oktober 2009. Die Arbeitslosenquote sank auf 11,1 Prozent (September: 11,5, Vorjahr 12,2).Meinung