Die Euphorie in der deutschen Solarbranche ist verflogen. Dass die Unternehmen im kommenden Jahr nur schwer an das Boomjahr 2010 werden anknüpfen können, ist lange kein Geheimnis mehr. Wegen weiterer Förderkürzungen in Deutschland, bisher mit Abstand der größte Markt weltweit, dürfte der Absatz deutlich sinken. Doch nun könnte auch schon die traditionelle Jahresabschlussrally im vierten Quartal deutlich kleiner als erhofft ausfallen.

Frankfurt/Main (dpa). An der Börse ging es für die meisten großen deutschen Solarunternehmen nach der Vorlage ihrer Quartalszahlen abwärts. Zu vorsichtig äußerten sich die Unternehmenschefs zur weiteren Entwicklung. "Wir rechnen mit einem normalen Quartal", sagt etwa Conergy-Finanzvorstand Sebastian Biedenkopf. Und Phoenix-Solar-Chef Andreas Hänel warnte lieber gleich vor zu hohen Erwartungen: "Wir gehen von einem starken Jahresendgeschäft aus, das aber die Spitzenwerte des zweiten Quartals nicht erreichen wird."

Der zuletzt erfolgsverwöhnte Wechselrichter-Hersteller SMA Solar dämpfte ebenfalls die Hoffnungen – und bekam von der Börse die Quittung: Die Aktie gab kräftig nach. Das Unternehmen rechnet in diesem und im nächsten Quartal mit einer schwächeren Nachfrage und traut sich auch für das kommende Jahr bislang kein Wachstum zu. Dass SMA gleichzeitig im dritten Quartal ein neuerliches Rekordergebnis meldete, interessierte da erstmal niemanden mehr.

Anleger hatten auf optimistischere Aussagen der Solarbranche gehofft. Viele träumten davon, dass im vierten Quartal der Markt noch einmal richtig heiß läuft – so wie bereits von April bis Juni. Angesichts der außerordentlichen Senkung der Einspeisevergütung im Juli für neu installierte Anlagen hatte es kurz zuvor noch einen Boom gegeben. Viele Hausbesitzer wollten sich noch die höheren Fördersätze sichern. Zum Jahreswechsel steht die nächste Kürzung um 13 Prozent an. Damit liegt die Einspeisevergütung für Dachanlagen im kommenden Jahr rund ein Drittel unter dem Wert von 2009.

Zuversicht für das Jahresende verbreitet ausgerechnet eines der zuletzt größten Sorgenkinder der Branche – Q-Cells. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt war im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht und musste hart umbauen. Das zahlt sich nun aus. Im Schlussquartal rechnet Vorstandschef Nedim Cen erneut mit einem starken Ergebnis und erhöhte jetzt noch einmal die Prognose. Für das nächste Jahr ist aber auch er vorsichtig, sieht sich aber für den drohenden Preiskampf gut gerüstet.

Auf fünf Gigawatt dürfte der deutsche Solarmarkt im kommenden Jahr sinken, glaubt Solarworld-Chef Frank Asbeck. In diesem Jahr rechnet er noch mit nahezu einer Verdoppelung auf 7 Gigawatt. Um sich von Deutschland und dem langsameren Wachstum abzukoppeln, müssen sich die Unternehmen im Ausland breiter aufstellen. Solarworld etwa will in den kommenden drei Jahren mehr als zwei Drittel seines Umsatzes außerhalb von Deutschland generieren, zurzeit ist es ein Drittel.

Die deutschen Unternehmen müssen sich aber beeilen. Denn die chinesische Konkurrenz, die den Zellen- und Modulherstellern hierzulande schon jetzt das Leben schwer macht, hat die Absatzmärkte außerhalb Deutschland ebenfalls im Blick. Beobachter fürchten daher, dass es im kommenden Jahr für einige Firmen wieder eng werden könnte.