Halle (dpa). Ein festes Renteneintrittsalter wird es nach Ansicht des Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, künftig nicht mehr geben. "Die jetzt diskutierte Rente mit 67 wird in zehn Jahren normal sein", sagte er.

Das Rentenzugangsalter wird nach seiner Ansicht dann sogar freigegeben werden. "Man wird wohl Referenzpunkte für die Standardrente setzen, vielleicht 67, 68 Jahre – und diejenigen, die länger arbeiten wollen, sind herzlich eingeladen."

Die Unternehmen müssten dafür stärker in die Pflicht genommen werden, mehr für die Qualifikation und Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu tun. Dies zahle sich am Ende für die Firmen aus. "Je länger ich jemanden nutzen kann, desto billiger wird er doch", sagte Blum. So sei es für einen Unternehmer unter Umständen teurer, immer wieder neue Mitarbeiter einzuarbeiten. Wer länger arbeite, zahle zudem auch länger in die Kassen ein.

Blum plädiert für Sonderregelungen für bestimmte Berufsgruppen, etwa schwer körperlich arbeitende Menschen. Als Vorbild könnten dafür frühere Regelungen aus dem westdeutschen Steinkohlebergbau dienen, die es Menschen ermöglichen, eher in den Ruhestand zu gehen.

Nach Ansicht von Blum werden angesichts des Fachkräftebedarfs in Deutschland langfristig gesehen die Ausbildungszeiten von Arbeitskräften eher länger als kürzer werden - "ob nun vor, während oder auch am Ende der Beschäftigungszeit". Daran führe kein Wege vorbei. Eine Erhöhung des Rentenalters sei ein normaler Anpassungsprozess.

So sei die Lebenserwartung der Menschen im zurückliegenden Jahrhundert deutlich gestiegen. "Deshalb werden wir durch das lebenslange Lernen in einer dynamischen Gesellschaft künftig auch mehr Lernzeiten einbauen müssen", sagte er. Auch dafür müssten Unternehmen ihren Beitrag leisten