Wiesbaden (dapd) l Die niedrigsten Tarifverdienste liegen in einigen deutschen Wirtschaftsbranchen unter 6,50 Euro je Stunde. Wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte, legen nicht wenige Tarifverträge Verdienstuntergrenzen von unter 8,00 Euro fest. Die niedrigen Tarifverdienste gelten demnach insbesondere für gering qualifizierte Beschäftigte in Gartenbau und Landwirtschaft sowie in Handwerks- und Dienstleistungsbranchen. Die Angaben beruhen auf einer Auswertung von 600 Flächentarifverträgen.

Nach Angaben der Statistiker beträgt der unterste tarifliche Stundenverdienst in Gartenbaubetrieben in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen beispielsweise 6,50 Euro. Im Ernährungsgewerbe beginne der Tarifverdienst im Konditorenhandwerk in Bayern bei 5,26 Euro und im Fleischerhandwerk in Sachsen bei 6,00 Euro.

Verbreitet seien niedrige Anfangsvergütungen auch im Hotel- und Gastgewerbe. Die unterste Vergütung für Tarifbeschäftigte betrage in Brandenburg 6,29 Euro je Stunde, in Thüringen 6,50 Euro und in Nordrhein-Westfalen 6,74 Euro. In der ostdeutschen Systemgastronomie - dazu zählen Fast-Food- und Restaurantketten - habe sie im Dezember bei 6,85 Euro gelegen.

Auch in anderen Dienstleistungsbranchen gelten den Statistikern zufolge tarifliche Stundenverdienste von deutlich unter 8,00 Euro, beispielsweise im Friseurhandwerk (Schleswig-Holstein: 6,00 Euro), in der Textilreinigung (neue Länder: 6,73 Euro), in der Zeitarbeit (neue Länder: 7,01 Euro) und im Einzelhandel (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen: 7,23 Euro).

Die untersten Vergütungsgruppen gelten zwar meist nur für gering qualifizierte Beschäftigte, aber auch Fachkräfte verdienten in einigen Branchen wenig. So liege der tarifliche Anfangsverdienst für Bäcker- und Konditorengesellen in Mecklenburg-Vorpommern bei 6,97 Euro und für Beschäftigte mit bestandener Gesellenprüfung im Friseurhandwerk Schleswig-Holsteins bei 7,00 Euro je Stunde.

In der Zeitarbeit wurde für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung als Untergrenze ein tariflicher Stundenlohn von 8,71 Euro in den neuen Ländern und 9,97 Euro im früheren Bundesgebiet vereinbart.