Mitgeboten haben etliche Finanz- und Immobilieninvestoren - und die Linkspartei. Den Zuschlag für das lukrative Wohnungspaket der auf ostdeutsche Immobilien spezialisierten TLG erhielt jetzt der Hamburger TAG-Konzern. Ob dies für Mieter nur eine kleine Namensänderung ist, wird sich zeigen.

Berlin/Magdeburg l Das monatelange Gerangel in- und ausländischer Investoren um lukrative Wohnimmobilien in Ostdeutschland ist beendet: Der Bund verkauft die rund 11350 Wohnungen seiner Immobiliengesellschaft TLG an den Hamburger TAG-Konzern. Das börsennotierte Unternehmen zahlt nach eigenen Angaben einen Kaufpreis von 471 Millionen Euro.

Zum Schutz der Mieter seien umfangreiche Regelungen vereinbart worden, teilte der Erwerber gestern weiter mit. Darauf hatte auch der Bund bei der Ausschreibung des Pakets gepocht. Offen blieb zunächst, was mit den Büro- und Gewerbeimmobilien der früheren Treuhandtochter TLG geschieht.

Für die auf Ostdeutschland spezialisierte TLG hatten mehrere Immobilien- und Finanz­investoren mitgeboten. Auf Interesse waren vor allem die etwa 11350 TLG-Wohnungen vorrangig in Berlin, Dresden und Rostock gestoßen.

Neben finanzstarken Geldgebern hatte sich auch die Linkspartei über eine Genossenschaft an dem Bieterwettbewerb beteiligt. Hinter dem TAG-Konzern stehen nationale und internationale Finanzinvestoren.

Investitionsschwerpunkteentlang der Autobahnen

In Mitteldeutschland gehört die TLG mit ihrer Niederlassung Süd, dort tätigen rund 200 Mitarbeitern sowie einem Bestand von mehr als 900 Immobilien und über 15000 Mieteinheiten zu den größten Immobilienunternehmen. Die Investitionsschwerpunkte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen vor allem entlang der Autobahnen - unter anderem in und um Dresden, Leipzig, Halle, Magdeburg, Jena und Erfurt.

In Sachsen-Anhalt besitzt die TLG rund 2000 Wohnungen, davon den größten Teil mit 1400 Einheiten in Merseburg unter anderem in der "Gartenstadt". Zum Vergleich: Landesweit gibt es insgesamt 1,2 Millionen Wohnungen.

Als Komplettdienstleister von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe von Immobilien hat die TLG nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren knapp eine Milliarde Euro in den mitteldeutschen Ländern investiert.

Deutscher Mieterbundübt Kritik

Erst vor kurzem hatte Sachsen-Anhalts größte Wohnungsgenossenschaft, die MWG-Wohnungsgenossenschaft in Magdeburg, von der TLG fast 150 Wohnungen und 20 Gewerbeeinheiten in der Landeshauptstadt erworben.

Noch einmal zum Kaufpreis: Nach Auskunft des Hamburger Immobilienkonzerns TAG umfasst die angebotene Summe für die TLG auch die Übernahme von Verbindlichkeiten der TLG Wohnen in Höhe von rund 256 Millionen Euro.

Zur Refinanzierung des Barkaufpreisanteils von rund 218 Millionen Euro sollen bis 30 Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Nach Abschluss des Erwerbs der TLG Wohnen verfügt die TAG dann über insgesamt rund 69000 Wohneinheiten.

Kritik übte gestern der Deutsche Mieterbund (DMB), der das Geschäft "falsch" nannte. Aus dessen Sicht dürften Wohnungen der öffentlichen Hand nicht an Finanz­investoren verkauft werden. Sonst gehe preiswerter Wohnraum verloren.