München (dpa). Von einem "Wintermärchen in Deutschland" schwärmt ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Noch nie hat das Institut einen so starken Aufschwung registriert wie in diesem Jahr – der auch 2011 anhält, aber nicht mehr ganz so kräftig. Nach einem Wachstum von voraussichtlich 3,7 Prozent in diesem Jahr rechnet das ifo-Institut in seiner Prognose für 2011 mit 2,4 Prozent.

Die deutschen Verbraucher können im kommenden Jahr mit höheren Einkommen rechnen. Im Schnitt steige ihre Kaufkraft um 499 auf 19 684 Euro, prognostizierte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Die privaten Haushalte dürften nicht nur von höheren Löhnen profitieren, sondern auch von der raschen Erholung der deutschen Wirtschaft.

Insgesamt rechnet die GfK im kommenden Jahr mit einer Kaufkraft von 1,61 Billionen Euro; das wären 2,6 Prozent mehr als in diesem Jahr. Allerdings könnte eine über 1,7 Prozent liegende Inflation einen Teil des Kaufkraftzuwachses aufzehren. Auch drohten 2011 höhere Beiträge etwa für Krankenversicherungen.

Die ifo-Forscher rechnen für 2011 mit einer Inflationsrate von 1,7 Prozent. Die Aufregung um den Euro ist aus Sicht von Sinn übertrieben. "Ich glaube, der Euro wird überleben." Die Krise sei nicht so groß, wie sie gemacht werde. Deutliche Verbesserungen erwartet Sinn auf dem Arbeitsmarkt. "Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt um 300 000 Personen sinken." Nachdem die Firmen in diesem Jahr vor allem Zeitarbeiter eingestellt hätten, sei 2011 auch mit Zuwächsen bei den Stammbelegschaften zu rechnen. Damit dürfte die Arbeitslosenquote auf sieben Prozent sinken.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr hat laut Sinn alle Rekorde gebrochen. "Wir haben überhaupt noch nie so einen starken Wirtschaftsaufschwung gesehen beim ifo-Institut." Dabei habe sich Deutschland deutlich besser geschlagen als die meisten anderen Länder.

Laut ZEW stiegen die Konjunkturerwartungen im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Punkte auf 4,3 Punkte. Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gestern in Mannheim mitteilte, hat sich damit das Stimmungsbarometer zum zweiten Mal in Folge aufgehellt. Im November lagen die Erwartungen bei 1,8 Punkten. Der Index liegt damit immer noch deutlich unter dem historischen Mittelwert von 26,8 Punkten.

Die aktuelle konjunkturelle Lage für Deutschland wurde im ZEW ebenfalls erneut besser eingeschätzt als im Vormonat: Der entsprechende Indikator stieg um 1,1 Punkte auf 82,6 Punkte.