Mit der siebenten Gedenkfeier des Fördervereins "Gedenkstätte Kriegsgefangenenlager und Sammlung Truppenübungsplatz Altengrabow"anlässlich der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag XI-A wurde am Sonnabend der Toten aus dem Lager gedacht.

Dörnitz/Altengrabow l "Heute, vor genau 68 Jahren, übernahmen Truppen der Roten Armee das im April 1945 von einem Kommando der US-Army befreite Kriegsgefangenenlager Altengrabow. Das Mannschaftsstamm- und Straflager, kurz Stalag XI-A, war eines von etwa 137 Kriegsgefangenenlagern für Soldaten und Offiziere, die sich über die insgesamt 17 deutschen Wehrkreise verteilten", machte Dr. Sascha Möbius, amtierender Stiftungsdirektor der Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt in seiner Festrede deutlich. Das Stalag XI-A hatte mit Kriegsbeginn im September 1939 das Oberkommando der Wehrmacht im Wehrkreis XI mit Sitz in Hannover einrichten lassen.

Für die Kriegswirtschaft im mitteldeutschen Raum spielte das Lager Altengrabow eine wichtige Rolle. Zehntausende Gefangene aus zeitweise bis zu zwölf Ländern wurden zur Zwangsarbeit in umliegende Industrien und landwirtschaftliche Betriebe entsandt.

Im Stalag XI-A sowie in seinen zirka 1500 Außenlagern herrschten überwiegend menschenunwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen, die die schnelle Ausbreitung von Typhus und Fleckfieber beförderten und zahlreiche Todesopfer forderten, so Dr. Sascha Möbius.

Noch immer seien die Kenntnisse über das Lager lückenhaft. Dr. Sascha Möbius: "So konnte bisher nicht die genaue Zahl der hier umgekommenen Menschen beziffert werden, da weder die genaue Zahl der hiesigen Außenlager noch die der dort verstorbenen Gefangenen bekannt sind."

Ilja Radnikow, stellvertretender Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft der russischen Förderation, erinnerte daran, dass "der zweite Weltkrieg tiefe Spuren hinterlassen hat, die auch heute noch nicht verblasst sind. Gräber und Gedenkstätten sind eine überzeugende Mahnung". Eine besondere Rolle komme der Jugend zu. "Wir müssen sie vor den Fehlern der Vergangenheit bewahren", so Ilja Radnikow.

Eduard Ptuchin, Ehrenamtliche Kriegsgräberfürsorge in Berlin, machte in seinem Grußwort deutlich, dass in Altengrabow schon einiges erreicht wurde. "Noch aber fehlt dringend ein Dokumentationszentrum mit einem Museum, in dem Besucher und Angehörige erfahren können, was im Stalag XI-A passierte und wo man die Geschichte des Lagers zwischen 1939 und 1945 erklärt bekommt." Diese Arbeit könne aber der Förderverein nicht ohne weitere Unterstützung allein bewältigen. Eduard Ptuchin: "Die Aufgabe ist sehr ehrenvoll, aber nicht allein durch Ehrenamt lösbar."

Paul Kannmann, der sich seit 2010 im Rahmen einer Promotion mit der Erforschung des Stalag XI-A befasst, hat seine Forschungsarbeiten abgeschlossen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dabei den Tagen vor der Befreiung des Lagers. "Die umfangreichen Recherchen bestätigten, dass die gefundenen Unterlagen zu lückenhaft und unvollständig sind. Deshalb kann ich auch keine definitive Zahl der Kriegstoten benennen", so Paul Kannmann in seinem Grußwort.

Zum Abschluss der Gedenkfeier, an der auch die Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff, der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Möckern Frank von Holly und Bernhard Braun in Vertretung von Landrat Lothar Finzelberg teilnahmen, wurden am Mahnmal Kränze niedergelegt. Für die musikalische Umrahmung der Gedenkfeier sorgte Thilo Hinkfoth aus Hohenwarthe.