Seit fast zwei Monaten fährt kein Regionalzug mehr auf den Gleisen zwischen Loburg und Magdeburg. Doch die Mitglieder der Bürgerinitiative "Bahn statt Bus" haben längst nicht aufgegeben.

Loburg/Möckern l "Unser Ziel bleibt auch weiterhin, zum Sommerfahrplan wieder die Bahn fahren zu lassen". Dieses Ziel formuliert die BI-Mitstreiterin Monika Schumann und sie weiß viele Menschen aus der Region hinter sich. Hinter dem Dutzend Menschen, das den harten Kern der Bürgerinitiative bildet, schwingt die Forderung von 3124 Unterschriften von Bürgern aus Loburg, Möckern, Zeppernick und Zeddenick, Büden, Woltersdorf und Ziepel mit. Die Liste von Unterschriften hatten die BI-Vertreter am 15. Dezember dem Landesverkehrsminister Thomas Webel übergeben. Und längst nicht nur Bahnanrainer haben sich der Initiative an die Seite gestellt. Unterstützung gibt es genauso aus Friedensau und Schweinitz, aus Hohenziatz und Lübars.

"Wir möchten die Landesregierung davon überzeugen, dass es sinnvoller ist, Gelder zu sparen, indem man bestehende Infrastruktur nutzt", führt Monika Schumann weiter aus. Unerklärlich ist es für die Bahnbefürworter, warum eine halbe Million Euro in den Ausbau eines landwirtschaftlichen Weg investiert wird, damit - für ein halbes Jahr - der nun statt Bahn fahrende Landesbus die Fahrtzeit von einer Stunde zwischen Loburg und Magdeburg einhalten kann. Mit Einführung des Winterfahrplans hat die Nahverkehrsservicegesellschaft (Nasa) den öffentlichen Schienenpersonennahverkehr (ÖSPNV) auf der Strecke eingestellt und setzt den Landesbus 720 ein.

"Die Nasa hat mit diesem milden Winter bisher ganz schön Glück gehabt "

Bürgerinitative Loburg

Unlogisch finden die Bahnfreunde schon diesen Umstand: "Es fuhren zehn Züge am Tag und man hat uns vorgeworfen, dass diese nicht ausgelastet sind. Jetzt lassen sie stattdessen 14 Busse am Tag fahren!" Die BI wünscht sich einen Mix aus Bus und Bahn: Zu den ausgelasteten Zeiten, wie dem Schülerverkehr sollen Züge fahren, morgens und am Nachmittag, ebenso abends. Dazwischen reichen Busse, sagen die Busgegener.

Was dieser Landesbus zu leisten vermag, und wo er schwächelt, kann nach bislang zwei Monaten kaum gesagt werden. "Mit dem bisherigen Winter hat die Nasa Glück", sagt etwa Martina Kerl, eine weitere BI-Mitbegründerin aus Loburg. Kein Schnee, der dem Bus zu schaffen macht. Der Winter ist aber auch nicht die Zeit, um herauszubekommen, ob der Landesbus in der Lage ist, den Radtourismus in dem Maße aufzunehmen, wie es zuvor der Zug vermochte. Die deutlich eingeschränkte Radmitnahme, der Transport von Kinderwagen und Rollstühlen sind Kritikpunkte, mit denen die BI seither ins Feld zieht.

Probleme mit dem Landesbus hat es durchaus schon gegeben. Sie sind aufgelistet auf der Internetseite der Bürgerinitiative. Antworten von der Nasa gibt es dort nicht. Die Nasa bevorzugt den direkten Kontakt mit den Betroffenen, die BI bekommt selten etwas von den Nasa-Antworten mit. Die BI versteht sich als Sprachrohr für alle Bahnfreunde und Busgegner. "Teilweise haben wir gute Erfahrungen mit dem Bus gemacht", räumt Monika Schumann ein. Verspätungen sind noch kein Problem. Wohl aber "Verfrühungen", so die Beobachtungen. "Man muss offenbar ein paar Minuten vor der offiziellen Abfahrtszeit am Bushaltepunkt stehen, sonst ist man zu spät", so die Eindrücke der BI-Leute. Besonders auf den Zwischenstopps soll das so sein.

In Woltersdorf und Ziepel wird der "Rufbus", der die 720 bedienen soll, nach Einschätzung der Bürgerinitiative gar nicht gut angenommen. Ehemalige Bahnnutzer beklagen komplizierte Fahrpläne.

Noch keine Reaktion auf die eingereichte Petition

Um ihrer Forderung nach einer Rückkehr zur Bahn Nachdruck zu verleihen, hatten die Initiativler eine Petition an den Landtag von Sachsen-Anhalt geschickt. Das war am 1. Dezember. Der Eingang dieser Petition wurde am 9. Dezember bestätigt. Zu rechnen sei - je nach Problematik - mit einer Bearbeitungszeit von bis zu zehn Wochen, hieß es da.

Es ist nicht der einzige Kontakt zur Landesregierung, den die BI aufrecht erhält. Bei einem Gespräch mit Verkehrsminister Webel und Vertretern der Nasa war den streitbaren Bahnfreunden ein öffentliches Gespräch unter anderem mit dem zuständigen Staatssekretär Dr. Klaus Klang in Möckern zugesichert worden. Bei dem Gespräch soll es um die Fragen gehen: Welche Möglichkeiten gibt es, die Züge wieder fahren zu lassen? "Für dieses Gespräch haben wir nun einen Terminvorschlag zwischen Mitte Februar und Mitte März gemacht", erklärt Martina Kerl, "möglichst an einem Freitag ab 18 Uhr." Eine Antwort auf diese Anfrage steht bislang noch aus. Ebenso auf die Frage, bis wann die Bahnstrecke Magdeburg - Loburg eigentlich ausgeschrieben werden muss, damit sich weitere Bahnunternehmen um den Betrieb bewerben können.

Wenngleich sich die Aufregung der vergangenen Monate scheinbar gelegt hat, geben die Initiativler "ihre" Bahn nicht auf. "Wir apellieren an das Gemeinschaftsgefühl in der Region, das im Dezember zu einer solch eindrucksvollen Demonstration vor dem Landtag geführt hat", sagt auch Dr. Christoph Kaatz, Mitglied der Bürgerinitiative. "Dieses Gemeinschaftsfeuer muss jetzt am Brennen gehalten werden."

Mehr Informationen über die Bürgerinitiative und ihre bisherigen Aktivitäten gibt es im Internet unter www.bahn-statt-bus.de