Die erste Lange Nacht der Chöre in Burg ist Geschichte. Über 230 Mitwirkende fesselten ihr Publikum bis kurz vor Mitternacht.

Von Roland Stauf

Burg l Viele der Besucher hatten so etwas nicht für möglich gehalten. Dass das in Burg zu erleben ist! Acht Chöre, Solisten und Autoren zeigten in dem rund fünfstündigen Programm zur Freude des Publikums Ausschnitte aus ihrem Repertoire. Den Auftakt bildete nach dem Eröffnungslied "Viva la musica" und dem Dank an die Sponsoren und an den Schirmherren der Veranstaltung, die Kreissparkasse Jerichower Land, der furiose Auftritt des Chores der Burger Pestalozzi-Schule. Die Schüler sangen vor allem Lieder aus dem Musical "Drei Wünsche frei", das kürzlich in der Stadthalle aufgeführt worden war. Frische, unbekümmerte Kinderstimmen und ein Engagement der Beteiligten, die die Zuversicht nähren, in der Kreisstadt muss einem um den musikalischen Nachwuchs nicht bange sein. Zwar hatte der Pestalozzi-Chor die kleinsten Sänger des Abends, dafür war er aber mit 44 Mitwirkenden der größte - noch größer als der Burger Volkschor, der zu dem Ereignis eingeladen hatte.

Textvortrag als Zwischenspiel

Weiter ging es mit dem Jugendchor des Europagymnasiums Gommern mit einem Repertoire aus Filmmusiken und internationalen Liedern. Schöne Mädchen- und eine Knabenstimme!

Ein völlig anderes Klangbild bot der Frauenchor aus Rathenow mit spanischen Gesängen, Jagd- und Volksliedern. Ein kurzer Textvortrag des Jerichower Autors Wilfried Zacke über die Musikanten Phil und Sophie und die Verwechslung mit Philosophie gab dem künstlerischen Leiter des Burger Volkschores, Jürgen Töpfer, der zusammen mit Heiner Jäckel durch das Programm führte, Zeit, auf die Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zum Rathenower Frauenchor einzugehen.

Der Gospelchor aus Lostau begeisterte ebenfalls das Publikum, das schon nach den ersten Takten rhythmisch mitklatschte. So machte der Chor mit seinen bescheidenen Mitteln viel Gutes und brachte Schwung ins Kirchenschiff. Einen ersten, herausragenden Hörgenuss bot der Chor "CantART", der aus Halle angereist war. "Stücke zum Abend und zur Nacht" nannte er seine Darbietungen. Stark die Modulationen, die die zartesten Klänge über das voll besetzte Gestühl trugen. Kein Rascheln, kein Räuspern, das Publikum war fasziniert und stand am Ende heftig applaudierend und ließ die Hallenser nicht ohne Zugabe ziehen. "Schlaf, Kindlein, schlaf - so etwas Einfaches, und so toll gemacht", freute sich Thurid Winkler, eine Dame auf einem der vorderen Plätze.

Mit solistischen Darbietungen konnten die Sängerin Lisa Ziem, mit der Gitarre begleitet von Steffen Kujus, und die Pianistin Kathleen Doegen musikalische Farbtupfer ganz anderer Art in das Chorprogramm einbringen. Die Autorin Ursula Maria Djaschi aus Schermen las ein Stück aus ihrem Buch "Im Osten". Impressionen einer Reise, die einen Essener Kirchenchor gleich nach dem Mauerfall in eine ostdeutsche Partnergemeinde führte. Rolf Winkler, der Gommeraner Fotograf und Autor, bot ein kleines Spektrum seiner vielen eindrucksvollen Haiku. Dies alles noch, bevor der Magdeburger Frauenchor in bewährter Weise das Publikum verzauberte.

Premiere für Doppelquartett

Danach kam es zu einer Premiere: Aus dem Burger Volkschor hatte sich ein Doppelquartett herausgeschält, sang bei seinem ersten Auftritt vortrefflich und leitete zum abschließenden I-Tüpfelchen des großen Ereignisses über: dem Auftritt des Burger Volkschores. "My Lord, what a morning" - Gänsehaut und Hochgefühle. Erneut Standing Ovations in der nahezu noch vollbesetzten Kirche. Insgesamt eine Veranstaltung, die in ihrer Vielfalt ihresgleichen sucht. Da ging es nicht darum, in einem Wettbewerb zu gewinnen, sondern dem Publikum etwas zu bieten, ganz gleich in welcher Kunstgattung - ob musikalisch, literarisch oder auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, wie es Hans-Georg Dräger mit seiner begleitenden Ausstellung "Burger Impressionen" tat. "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen", ließ Goethe seinen Theaterdirektor sagen. In diesem Falle scheint dies gelungen zu sein. Zum Nutzen der Burger Gruppe von Netzwerk Leben, die die Hälfte der Erlöse erhält.

Jürgen Töpfer am Tag nach dem großen Konzert: "Es war eine überaus gelungene Veranstaltung, die vor allem der guten Qualität der Chöre und dem wunderbaren Publikum zu danken ist. So hatten wir eine ganz tolle Atmosphäre, in der das Konzert stattfand. Die lange Vorbereitungszeit hat sich bezahlt gemacht. So ist es uns gelungen, einen Pflock einzuschlagen. Grund, über eine Chornacht 2013 nachzudenken."

   

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