Gleich dreimal mussten die Mitglieder des Stadtrates am Montagabend an die Wahlurne treten. Abgestimmt wurde über die beiden neuen Beisitzer im Stiftungsrat der Vereinigten Hospitalstiftung zu Gardelegen.

Gardelegen l In der Vergangenheit war die Berufung der Beisitzer im Stiftungsrat keine Wahl, sondern nur eine Abstimmung. Der Stiftungsrat schlug vor. Der Rat stimmte zu. Fertig. Diesmal allerdings zog sich das Prozedere hin. Dreimal mussten jeweils 33 Wahlzettel gedruckt werden. Die Wahlkabine aus Pappe kam im Rathaussaal zu allen Ehren. Eine schwere Geburt. Am Ende stand schließlich fest: Stadtrat Andreas Brendtner und die Lindenthalerin Kathy Würker werden als Nachfolger der beiden Gardeleger Rolf Lackert und Friedrich-Wilhelm Schulz von nun an für sechs Jahre im Stiftungsrat der Vereinigten Hospitalstiftungen mitarbeiten.

Dafür gibt\'s kein Geld. Der Posten ist ehrenamtlich, der Tagesordnungspunkt im Normalfall auch nur eine Formalie. Doch wer künftig im Stiftungsrat der Vereinigten Hospitalstiftung Gardelegen sitzt, scheint derzeit ein brisantes Thema zu sein. Zumindest sah dies CDU-Stadtrat Jens Bombach so. Denn er entschied sich als einziger gegen eine offene Abstimmung.

Und so wurde geheim angekreuzt. Jeweils ein Kreuzchen für einen der fünf Kandidaten. Vorgeschlagen hatten diese - auf Anregung der Freien Liste - die Fraktionen. Für die SPD ging Peter Wiechmann ins Rennen, die CDU hatte Andreas Brendtner aufgestellt, die Linken schlugen Kathy Würker vor. Die Freie Liste, deren Vorsitzende Hannelore von Baehr ebenfalls Stiftungsratsmitglied ist, kam gleich mit zwei Kandidaten: Friedrich-Wilhelm Schulz, bislang ebenfalls Stiftungsratsmitglied, und Kerstin Hinz.

Dass sich mit Hinz und Würker gleich zwei Einwohnerinnen von Lindenthal für einen Sitz im Rat der Vereinigten Hospitalstiftung interessieren, ist übrigens nicht ganz zufällig: Noch vor wenigen Wochen nämlich war das stiftungseigene Gartenland in Gardelegens Siedlung Lindenthal ein viel diskutiertes Thema: Die Grundstücke sollten - sehr zum Unmut der Lindenthaler, die diese seit vielen Jahren als Gärten nutzen - auf Wunsch des Stiftungsrates zugunsten der Sanierung des Alten Hospitals an der Philipp-Müller-Straße, das ebenfalls zum Stiftungsvermögen gehört, verkauft werden. Die Angelegenheit ist aus Satzungsgründen nun allerdings vom Tisch. Dafür sitzt mit Kathy Würker nun eine Lindenthalerin am Ratstisch der Stiftung.

Um den Sprung in den Stiftungsrat zu schaffen, war allerdings eine absolute Mehrheit nötig. Im ersten Wahlgang schaffte es zunächst nur Brendtner auf Anhieb mit 17 Stimmen. Vielleicht waren es sogar noch einige mehr. Dies allerdings ließ sich nicht feststellen. Denn vier Stadträte waren mit dem Wahlvorgang nicht klar gekommen und hatten ungültige Stimmen abgegeben. Das schließlich klappte beim zweiten Mal wesentlich besser. Stadtratschef Kai-Michael Neubüser konnte es froh verkünden: "Alle Stimmen sind gültig." Dennoch waren für die Bestellung von Kathy Würker zur zweiten Beisitzerin weitere zwei Durchgänge nötig. Im ersten entfiel auf sie nämlich mit 16 Stimmen nur eine einfache Mehrheit. "Das reicht nicht", machte Bürgermeister Konrad Fuchs klar. Genervte Blicke in Richtung Stadtrat Jens Bombach. Dann jedoch kam Routine auf. Der dritte Wahlgang ging schnell. Und mit exakt derselben Stimmenzahl schaffte Würker schließlich den Sprung in den Stiftungsrat. Denn im dritten Wahlgang reichte die einfache Mehrheit aus. Applaus von allen Stadtratsmitgliedern. Es war vollbracht.

Neben Würker, Brendtner und von Baehr sind weitere zwei Stiftungsratsmitglieder innerhalb ihres Dienstverhältnisses in der Stadtverwaltung vom Bürgermeister, der kraft Satzung Stiftungsratsvorsitzender ist, bestellt. Derzeit sind es Manuela Dietrich-Beckers und Christina Schneider.

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