Zwei Kriminalromane hat die Berliner Autorin Heike Schroll bereits veröffentlicht, der dritte soll 2012 erscheinen. Ihre literarische Heldin, Hauptkommissarin Judith Brunner, ermittelt in Gardelegen.

Gardelegen l Eine Berlinerin schreibt Bücher, die in den 1980er Jahren im Raum Gardelegen spielen. Von der Millionenstadt in die ländlich-beschauliche Altmark geblickt - warum das? "Es ist aus Verbundenheit entstanden", erzählt Heike Schroll im Gespräch mit der Volksstimme. Verbundenheit, die schon ihr ganzes Leben lang besteht. Denn im Jahr 1961 wurde sie in Gardelegen geboren, wuchs dann aber in Leipzig auf. "In den Ferien war ich noch oft hier, denn meine Großeltern wohnten in Zichtau. Dort stammt die Familie meiner Mutter her." Auch jetzt, meist in den Urlauben, kommt Heike Schroll mit ihrem Mann Bernd noch regelmäßig in die Altmark. Sie spricht von "Anhänglichkeit", wenn sie ihre Beziehung zu Gardelegen beschreibt.

Die anderen Städte der Region hat sie zwar auch als Touristin besucht, "aber Gardelegen ist die Stadt, die ich am besten kenne", erklärt sie einen weiteren Grund, warum Kommissarin Judith Brunner ausgerechnet dort ihre Dienststelle hat. Und noch etwas hat sie bedacht: "An Berlin-Krimis gibt es doch keinen Mangel." Anders sehe es für die Altmark aus. Darum spielt die Handlung nicht nur in der Stadt Gardelegen, sondern auch in umliegenden Orten.

Nach Schule und Berufsausbildung mit Abitur hatte Heike Schroll im Jahr 1981 an der Berliner Humboldt-Universität ein Studium der Archivwissenschaft begonnen. Neben Geschichte und Philosophie umfasste die Ausbildung auch die historischen Hilfswissenschafte wie Heraldik, Aktenkunde und Diplomatik. Seit 1986 arbeitete sie als wissenschaftliche Archivarin im Staatsarchiv Berlin. Seit zehn Jahren ist sie im Landesarchiv Berlin tätig. Im Jahr 1996 promovierte Heike Schroll über das Schicksal der Bestände des Stadtarchives Berlin im Zweiten Weltkrieg. In ihren Fachgebieten hat sie in den vergangenen Jahren Aufsätze und Beiträge in Monografien veröffentlicht.

Und wie kam es zu den Krimis? "Das Schreiben an sich macht mir Spaß", erzählt die Autorin. Das Literarische reize sie besonders, weil sie im Gegensatz zum Wissenschaftlichen bei ihren Romanen ihrer Phantasie Raum schafft. "Zudem erlebe ich viele interessante Geschichten im Leben, die ich in den Büchern unterbringen kann", sagt sie. Und wenn Romane, dann sollten es Krimis sein.

In zwei Büchern hat sie diese Geschichten bereits verarbeitet. Im Jahr 2009 erschien "Blutbuchen", in diesem Jahr dann das Buch "Eisblumen". Das dritte Buch um Kommissarin Brunner vom Kreispolizeiamt Gardelegen soll im kommenden Jahr erscheinen. Es soll den Titel "Giftweizen" bekommen. "Ich bin guten Mutes, dass es in den nächsten Monaten fertig wird", sagt Heike Schroll. Da sie berufstätig ist, kommt sie nur unregelmäßig zum Schreiben - denn dazu hat sie am liebsten mehrere Tag am Stück Zeit. "Weil die Geschichten sich beim Schreiben entwickeln", erklärt die Berlinerin. Denn bei aller Erinnerung und bei den örtlichen Bezügen sind die Handlungen fiktiv - wie zum Beispiel das Dorf Waldau, das im Mittelpunkt steht. Wenn sie am Buch arbeitet, dann nutzt Heike Schroll Besuche in der Altmark auch, um sich die Orte noch einmal anzuschauen. "Da merkt man erst, dass in der Erinnerung die Größen aus Kindersicht nicht mit der Realität übereinstimmen", sagt die Berlinerin.

Auch bei der Wahl ihres Verlages hat für Heike Schroll die Verbundenheit zur Altmark eine Rolle gespielt. Ihre Kriminalromane erscheinen im Block-Verlag in Kremkau bei Bismark. Die regionale Verbundenheit drückt sich seit einigen Tagen auch noch anders aus. Auf der offiziellen Internetseite der Hansestadt Gardelegen (www.gardelegen.info.de) gibt es jetzt unter "interessante Links" den Hinweis auf die Altmarkkrimis. Wer ihn anklickt, kommt auf die Seite von Heike Schroll. Und erfährt da zum Beispiel, dass für 2013 schon ein vierter Roman mit dem Titel "Nachtnelken" geplant ist.